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Hannover 96 „Ich spüre, dass mir der Trainer vertraut“
Sportbuzzer Hannover 96 „Ich spüre, dass mir der Trainer vertraut“
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09:12 13.09.2014
Von Norbert Fettback
Christian Schulz spricht über neuen Teamgeist. Quelle: HAZ (Archiv)

Herr Schulz, vor dem Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV haben Sie in Bremen bei der Verabschiedung von Ailton im Weserstadion auf dem Platz gestanden. Sie waren in dem Kreis der einzige noch aktive Bundesligaspieler. Was geht einem 31-Jährigen dabei durch den Kopf?

Ich war der Jüngste, und so habe ich mich auch gefühlt. Der erste Gedanke war: Nur nicht verletzen bei so einem Spiel! Aber so wie es gelaufen ist, konnte auch nicht viel passieren (lacht). Da hat der Spaß im Vordergrund gestanden und der stimmungsvolle, würdige Abschied für Ailton.

Hat Sie nicht auch der Gedanke beschlichen, dass Sie selbst eines Tages im Mittelpunkt eines solchen Spiels stehen könnten? 

An so etwas mag ich jetzt noch nicht denken. Ich bin zwar schon relativ lange dabei, doch mein Weg ist nicht am Ende, ein paar Jahre sollen es noch werden. Abschiedsspiel – damit befasse ich mich noch nicht.

Im Mai haben Sie Ihren Vertrag in Hannover bis 2016 verlängert. Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere hier auch ausklingen zu lassen? 

Ich habe immer gesagt, dass ich mich in Hannover und bei 96 sehr wohlfühle, dass ich hier alles habe, was ich brauche, um Leistung auf dem Platz zu bringen. Insofern wäre das durchaus eine Möglichkeit.

Im Frühjahr 2003 haben Sie im Trikot von Werder Bremen in Nürnberg Ihr erstes Bundesligaspiel absolviert. Was hat sich seitdem verändert in der höchsten deutschen Spielklasse? 

Das Spiel ist schneller geworden, oft geben Kleinigkeiten den Ausschlag über Sieg oder Niederlage. Alles, auch das gesamte Umfeld, ist jetzt noch ein Stück weit professioneller. Auch die Medienlandschaft ist größer geworden. Der Fußball an sich, so wie ich ihn in den elf Jahren kennengelernt habe, ist um einiges interessanter geworden.

Andere Sportarten sind dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung noch weiter aus dem Blickfeld geraten. 

Das tut mir schon fast leid, dass für die so wenig Raum bleibt. Basketball, Handball, Rudern, um nur einige Sportarten zu nennen.  Auch da wird hart trainiert. Aber das breite allgemeine Interesse gilt in erster Linie dem Fußball, der in der Gesellschaft eine sehr dominante Rolle spielt.

In Hannover gibt 96 in der Hinsicht klar den Ton an. Welche Ziele wollen Sie selbst mit den „Roten“ noch angehen? 

Gern würde ich noch mal mit 96 in der Europa League spielen. Die zwei Jahre, in denen wir das geschafft hatten, waren sicher für unsere Fans etwas ganz Besonderes. Sevilla, Kopenhagen oder Madrid: Das behält man lange im Kopf. Auch für uns Spieler war das eine hochinteressante Zeit, nach der man schon ein bisschen Sehnsucht verspürt. Wenn alles optimal läuft, ist die Möglichkeit dazu durchaus gegeben.

Wie groß ist die Chance, den Schritt dorthin schon in dieser Saison zu schaffen? Auch vor dem Hintergrund, dass der Klub ja viel Geld für neue Spieler ausgegeben hat. 

Dazu muss man auch sagen, dass wir auch Spieler mit hoher Qualität abgegeben haben. Da musste der Verein mit Neuverpflichtungen nachlegen. Wir sind jetzt erst einmal froh, dass wir gut in die Saison gestartet sind. Am Sonntag wollen wir das mit einem Sieg fortsetzen. Das wäre ein optimaler Beginn. Wohin es dann geht, wird man erst nach zehn oder zwölf Spielen sehen.

Unter dem neuen Trainer scheinen Sie im reifen Fußballeralter noch einmal richtig aufzublühen. Seit Tayfun Korkut in Hannover ist, waren Sie in jedem Bundesligaspiel dabei. 

Dass ich jedes Spiel mitgemacht habe, ist schon ein gutes Zeichen. Ich spüre, dass er mir vertraut. Er ist gegenüber der Mannschaft sehr offen, hat seinen eigenen Stil und seine eigene Philosophie. Nach elf Jahren als Bundesligaprofi, in denen ich auch andere Trainer erlebt habe, waren es auch für mich noch mal neue Erfahrungen.

Derzeit führen Sie die Mannschaft als Kapitän auf den Platz, da Lars Stindl verletzt fehlt. Auch aus dem Blickwinkel: Was zeichnet das 96-Team insbesondere aus? 

Wir sind als Mannschaft noch ein Stück mehr zusammengewachsen, alle verfolgen ein Ziel. Und das macht sich auf dem Platz bemerkbar. Es gibt keine Grüppchen, trotz der sprachlichen Unterschiede. Dass alle an einem Strang ziehen, ist eine gute Basis, um Erfolg zu haben.

Ist das der Punkt, der gegen den Hamburger SV den Ausschlag geben könnte? 

Teamgeist ist immer förderlich, unabhängig davon, welche sportliche Qualität in einer Mannschaft steckt. Ich schätze ihn höher ein als das, was jeder Einzelne fußballerisch bewirken kann. In einer schwierigen Situation kann das für uns ein großer Vorteil sein.

Am Sonntag geht es nicht nur um drei Punkte, es geht auch gegen den alten Trainer, der jetzt in Hamburg das Sagen hat. 

Da kommt einiges zusammen. Der HSV will nach der vergangenen Saison vieles besser machen, hat das aber noch nicht unter Beweis gestellt. Da dürfte der Druck bei den Hamburgern größer sein. Wir haben den Anspruch, unsere Heimspiele gewinnen zu wollen, und den wollen wir am Sonntag umsetzen. Mirko Slomka hat als Hamburger Trainer in Hannover schon mal auf der Bank gesessen. Als Spieler nehme ich das gar nicht mehr so bewusst war, ich konzentriere mich auf die elf HSV-Spieler, die auf dem Platz stehen.

96-Trainer Tayfun Korkut hat schon mehrfach gesagt, er schaue weniger auf den Gegner, wenn er seine Mannschaft auf die nächste Aufgabe einstellt, sondern orientiere sich mehr an seinem Team. Ist das Ausdruck neuer Stärke? 

Dass man sich eben nicht nach dem Gegner und dessen taktischem System richtet, genau das zeugt von Selbstbewusstsein. Das ist die richtige Richtung. Wir gehen im Vorfeld schon darauf ein, sagen aber klar: Wir wollen unser Spiel machen.

Ihr letztes Tor gegen den Hamburger SV war ein besonders schönes. Nach fast vier Jahren wäre es eigentlich an der Zeit nachzulegen. 

Die Art und Weise, das zu wiederholen wird schwer (Christian Schulz traf am 20. November 2010 beim 3:2-Heimsieg von 96 per Fallrückzieher zum zwischenzeitlichen 2:2; Anm. d. Red.). In erster Linie bin ich Verteidiger. Aber mal wieder ein Tor von mir nach einer Standardsituation: Das würde ich am Sonntag gerne mitnehmen.

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