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Hannover 96 Hannover-96-Torwart Florian Fromlowitz im Reifeprozess
Sportbuzzer Hannover 96 Hannover-96-Torwart Florian Fromlowitz im Reifeprozess
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19:29 04.01.2011
Von Volker Wiedersheim
Florian Fromlowitz macht sich in der Türkei fit für den Rückrundenstart. Im Sommer läuft sein Vertrag bei Hannover 96 aus, seine Zukunft ist offen – mit Tendenz zum Bleiben.
Florian Fromlowitz macht sich in der Türkei fit für den Rückrundenstart. Im Sommer läuft sein Vertrag bei Hannover 96 aus, seine Zukunft ist offen – mit Tendenz zum Bleiben. Quelle: Florian Petrow
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Paradoxe Situation: Der Fußball-Bundesligist Hannover 96 hat in der Hinrunde der Saison einen famosen Höhenflug erlebt. Aber Florian Fromlowitz, ein Flugkünstler alter (Torwart-)Schule, ist vom vielleicht wichtigsten Torwart-Radar verschwunden: Auf der Rangliste des Magazins „kicker“ finden sich altbekannte und illustre Namen. Aber nicht der von Florian Fromlowitz. Ein einst hoch gelobtes Talent nur noch unter ferner liefen …?

„Na ja, da ist halt die Meinung oder die Benotung anderer Torhüter besser ausgefallen“, meint der 24-jährige 96-Schlussmann höchstens eine Spur pikiert. „Gerade wenn ich an unseren Nationaltorhüter bei den Schalkern denke, die ja viel schlechter dastehen, da hat der halt viel mehr Gelegenheit gehabt, sich auszuzeichnen. Ich habe diese Gelegenheiten nicht und bekomme daher nur eine solide Note 3 statt einer 2. Solange Hannover 96 oben steht, macht mir das nichts aus.“

Sind wir mal penibel: Manchmal hat es in dieser Zeitung nicht für die Note 3 gereicht. Während 96 in allen Mannschaftsteilen ganz viel richtig gemacht hat, sind von Fromlowitz auch einige Patzer in Erinnerung geblieben. Vor allem einen davon räumt er offen ein: das Gegentor gegen Stuttgart (2:1) „würde ich mir als Fehler ankreiden, weil ich da herauskomme und dann den Ball nicht kriege. Ich war heilfroh, dass wir durch Didier Ya Konan noch das Spiel gewonnen haben.“

Es muss schon festgehalten werden: Keines seiner Malheure hat Hannover 96 unmittelbar einen Sieg oder Punkte gekostet. Vielleicht ist es das, was Fromlowitz diese versöhnliche Halbzeitbilanz erlaubt: „Ich persönlich denke eigentlich, dass ich eine sehr solide Saison gespielt und wenige Fehler gemacht habe.“

Manchmal muss man sich das noch einmal in Erinnerung rufen: Fromlowitz ist gerade erst 24. Der 96-Schlussmann sieht sich durchaus noch nicht am Ende seiner fußballerischen und persönlichen Entwicklung. „Für mich läuft die erste volle Saison als Nummer 1, ich bin noch mitten drin in einem Reife- und Lernprozess.“

Wie die Entwicklung weitergeht und ob sie für Fromlowitz in Hannover weitergeht, das fragen sich viele 96-Fans. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, die mögliche Verlängerung dürfte eine spannende Personalie der nächsten Woche werden.

Von ihm gibt es dazu in Alanya zarte Hinweise: Er fühle sich wohl in Hannover. Seine Frau habe hier einen tollen Job – und das junge Ehepaar Fromlowitz ein tolles privates Umfeld. So etwas zählt, wenn einer überlegt, ob er bleibt. Aber wichtiger ist wohl, dass ihm die Entwicklung Mut und Hannover zu einer guten Adresse macht. „Man kann noch viel kaputt machen. Aber wir können es auch schaffen, da oben dranzubleiben“, sagt er. Die Mannschaft sei sehr entwicklungsfähig. „Dazu kann ich meinen Teil beitragen.“ Andererseits möchte er sich auch weiterentwickeln und erfolgreichen Fußball spielen, wie er sagt. Und er wisse, dass es andere Interessenten gebe. Im Gravitationsfeld dieser Pole werden demnächst Gespräche mit dem Klub geführt.

Für Fromlowitz haben sich die Vorzeichen geändert: „Vor dieser Saison wäre ich damit zufrieden gewesen, den Abstieg zu verhindern. Aber jetzt stehen wir oben, und es gibt eine Geilheit auf mehr. Für mich und die Mannschaft ist es schon ein Ziel, dass man in den nächsten drei Jahren unter die ersten acht Mannschaften kommt und mal an den internationalen Plätzen kratzt.“ Das klingt, wenn man es isoliert betrachtet, ganz und gar nicht nach Abschied.

„Rote“ als Premierengast

Am Mittwochabend stellt sich der Fußball-Bundesligist Hannover 96 dem ersten Test in der Rückrundenvorbereitung. Gegner ist der Profiklub der Gastgeberstadt, Alanyaspor. Das Team steht in der 3. türkischen Liga nach 16 Spieltagen aktuell auf dem 12. Rang – mit 18 Punkten und einem negativen Torverhältnis. Über Spieler, die in Deutschland einem weiteren Publikum bekannt wären, verfügt das Team nicht.

Umso besser ist die Gelegenheit für 96-Trainer Mirko Slomka, einige Experimente zu versuchen. Schließlich stehen ihm bis auf Didier Ya Konan sowie die wegen ihrer Reha-Behandlung nicht mitgereisten Carlitos, Markus Miller, Leon Andreasen und Willi Evseev alle Spieler zur Verfügung.

Eine Entscheidung über die Startaufstellung für den Rückrundenauftakt in der Bundesliga fällt natürlich noch nicht. Spannend wird es aber allemal zu sehen, wer sich etwa in der Innenverteidigung in aussichtsreiche Position spielen kann. Da nämlich steht Slomka womöglich bald vor dem Luxusproblem, aus dem Trio Emanuel Pogatetz, Mario Eggimann und Karim Haggui einen auf die Ersatzbank beordern zu müssen. Von den bereits gezeigten Leistungen her könnten alle drei den Anspruch auf einen Platz in der ersten Elf ableiten. Der nach seinem Bänderriss im Trainingslager zur Mannschaft zurückgekehrte Moritz Stoppelkamp legt sich indes bereits wieder mächtig für einen Platz im Mittelfeld ins Zeug.

Obwohl der Trainer von seinen Offensivspielern nachdrücklich mehr Tore gefordert hatte, wird deren Zahl am heutigen Abend kaum der Maßstab für den Erfolg sein, sondern vielmehr die Qualität des Zusammenspiels. Sollte am Ende die erwartete Niederlage der Gastgeber stehen, so haben diese dennoch Anlass zur Freude. Schließlich ist die Partie zugleich die Premiere im gerade fertiggestellten neuen Stadion Alanyas mit mehr als 15.000 Plätzen. Die alte Spielstätte bot davon nicht einmal ein Viertel.