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Hannover 96 96 geht gegen Ticket-Schwarzhandel vor
Sportbuzzer Hannover 96 96 geht gegen Ticket-Schwarzhandel vor
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00:19 22.02.2015
Von Jörn Kießler
Wer Tickets aus dem 96-Fanshop später über Ebay anbietet, muss mit Repressalien rechnen. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Leider sind die beiden VIP-Karten für das Spiel von Hannover 96 gegen Bayern München, die Karl-Heinz im Internet zum Verkauf angeboten hat, schon weg. Ganz zufällig hat er aber noch zwei weitere Tickets für die Westtribüne. Für beide zusammen will er aber 165 Euro haben. Im Vorverkauf kosten zwei Tickets für die Plätze im Oberrang selbst für das Topspiel nur 66  Euro. Karl-Heinz macht damit also einen guten Gewinn, und das sicher nicht zum ersten Mal.

„Um so etwas zu verhindern, gehen wir seit der Rückrunde verstärkt gegen den Handel mit 96-Tickets auf dem Schwarzmarkt vor“, sagt Vereinssprecher Alex Jacob. Konkret heißt das, dass Hannover 96 die Dortmunder Anwaltskanzlei Becker und Haumann damit beauftragt hat, jeden abzumahnen, der Eintrittskarten zu Spielen der „Roten“ auf Auktionsplattformen im Internet anbietet. Nach Auskunft des Vereins wurden seit Beginn der Offensive mehrere Hundert Mahnungen verschickt.

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Wenn Repressalien drohen

„Ich habe erst einmal geschluckt, als ich gelesen habe, dass ich 1000 Euro Strafe zahlen soll“, sagt ein betroffener 96-Fan. Denn eigentlich wollte er die Karten nur verkaufen, weil er selbst nicht zu dem Spiel kann. „Okay, ich hätte etwa 40 Euro an dem Verkauf verdient, aber das ist doch kein Betrag, der so eine Abmahnung rechtfertigt“, sagt er. „Deshalb betrachten wir auch jeden Fall gesondert“, sagt Rechtsanwalt Ulf Haumann. In solchen Fällen bietet die Kanzlei Becker und Haumann, die auch für andere Bundesliga-Vereine wie Borussia Dortmund, Werder Bremen oder Bayer Leverkusen arbeitet, in den Abmahnungen an, dass sich die Betroffenen bei ihr melden können. „So können wir versuchen, eine bessere Lösung zu finden“, sagt Haumann.

Genau davor aber warnt Rechtsanwalt Dirk Dreger. „Meist ist das mit der Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung verbunden“, sagt er. Die Kanzlei Heidicker in Bochum, für die er arbeitet, vertritt sehr häufig Klienten, die eine Abmahnung aus Dortmund bekommen haben. „Diese Erklärungen sind so formuliert, dass ein Gericht sie als Schuldeingeständnis werten kann“, sagt Dreger. „Damit kann der Verein dann weitere Ansprüche, wie den Erlös, den der Verkäufer mit den Tickets gemacht hat, einfordern.“

Weiterverkauf ist schwierig

In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) untersagt 96 den Weiterverkauf von Tickets über Internetauktionshäuser. Damit soll verhindert werden, dass Ticketbesitzer ihre Karten mit einem Aufschlag verkaufen. „Ein geringer Aufschlag ist jedoch vollkommen zulässig“, sagt Rechtsanwalt Dirk Dreger. Gesetzlich ist es erlaubt, die Tickets 10  Prozent über dem Originalpreis anzubieten – quasi als Bearbeitungsgebühr. Vom Verkauf im Internet rät Dreger jedoch ab. „Abgesehen davon, dass das in den AGB vieler Vereine ausdrücklich verboten wird, können die Clubs die Verkäufer oft auch wegen Urheber- und Markenrechtsverletzungen abmahnen“, sagt Dreger. Stellt ein Verkäufer beispielsweise ein Bild des Stadionplans zu seinem Angebot, haben Vereine die Möglichkeit, Strafen in Höhe von mehreren Tausend Euro zu fordern. „Das wird aber nur in wenigen Fällen wirklich gemacht“, sagt Dreger. Wer dann denkt, seine Karte am Spieltag vor dem Stadion loszuwerden, ist aber auch nicht vor Strafen gefeit. Häufig sind dort Testkäufer unterwegs, die kontrollieren, ob die Tickets überteuert angeboten werden. Ist das der Fall, erwartet die Anbieter ebenfalls eine Abmahnung.

Der gläserne Fußballfan

Die Anwaltskanzleien, die ein beispielsweise bei Ebay angebotenes Ticket entdecken, melden es nicht nur beim Betreiber der Internetplattform, sondern lassen sich die Verkäufe des Nutzers der vergangenen drei Jahre anzeigen. „Diese werden zwar nicht in die Mahnung mit aufgenommen, den Streitwert, den die Kanzleien ansetzen, beeinflussen sie dennoch“, sagt Dreger. Mahnungen im Bereich von 250 bis 1000 Euro für Bundesliga-Spiele seien daher keine Seltenheit. Europa- und Champions-­League-Partien können durchaus teurer werden. Zudem geht es häufig auch noch um die Verletzung von Urheber- und Markenrechten, wirbt ein Verkäufer im Internet etwa mit dem Vereinslogo oder dem Stadionplan des Vereins.

„Solche Abmahnungen sind für die Clubs zur Erhaltung des sozialen Preisgefüges notwendig, damit verhindert wird, dass es bald eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Stadion gibt“, sagt Haumann. Vor allem der Verkauf von 96-Karten für Topspiele wie gegen Bayern oder den BVB, die den illegalen Händlern besonders viel Gewinn einbringen, sollen gestoppt werden.

Kein Umtausch möglich

Der Ligaverband erließ im März vergangenen Jahres die sogenannten Fairplay-Regeln. In neun Punkten bekennen sich die Vereine darin unter anderem dazu, den Schwarzmarkt aktiv zu bekämpfen, sich für eine stabile und faire Preispolitik einzusetzen und bei Umtausch maximal 15 Prozent des Ticketpreises aufzuschlagen.

Dem ersten Punkt der Regeln, nämlich den Fans einen serviceorientierten, offiziellen Ticket-Zweitmarkt anzubieten, sind aber noch nicht alle Vereine nachgekommen – auch Hannover 96 nicht. „Leider gibt es keine Möglichkeit, die Tickets bei uns umzutauschen“, heißt es an der Ticket-Hotline. „Sie können sie aber an Freunde oder Bekannte weitergeben.“ Den Verkauf bei einem Internetauktionshaus verbieten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Immer wieder erlebt Dreger, dass Ticketverkäufer diese Regeln missachten – teilweise sogar auf dreiste Art und Weise. „Viele der Mahnungen sind berechtigt“, sagt der Bochumer Rechtsanwalt. Sein Dortmunder Kollege Haumann ergänzt: „Wir hatten schon Fälle, da haben Leute im Internet einen Briefumschlag für 150 Euro angeboten und die Karten als Geschenk dazu deklariert.“    

Klare Regeln auch beim Kleinen Fest

Nicht nur im Fußball: Auch bei Kulturveranstaltungen wie dem Herrenhäuser Kleinen Fest im Großen Garten ärgern sich Veranstalter und Nutzer, wenn Karten zu völlig überhöhten Preisen in Internetauktionen verkauft werden. Nachdem sich ein Ehepaar 2013 in der HAZ über Karten beschwert hatte, die im Internet für 176 Euro verkauft wurden, bringen die Organisatoren seit dem vergangenen Jahr nur noch personalisierte Karten in den Handel. Zumindest graduell hat das etwas gebracht: 2014 ging das teuerste Kartenpaar bei einer Internetauktion für rund 130 Euro weg – der Einzelpreis lag im Normalverkauf bei 28 Euro.

Die Veranstalter versuchen, illegale Zwischenhändler anzuzeigen, stoßen im Internet aber auf Probleme. Das Kleinkunstfestival feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Zuletzt waren 220.000 Kartenbestellungen für die 55.000 Tickets eingegangen. med

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