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Hannover 96 Hannover 96 im Aufwind: Schulzinho und das Goldköpfchen
Sportbuzzer Hannover 96 Hannover 96 im Aufwind: Schulzinho und das Goldköpfchen
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12:32 22.11.2010
Von Heiko Rehberg
Der passt genau - erst auf Mike Hankes Kopf, dann ins Tor. Quelle: Ulrich zur Nieden

Was für ein Irrtum. Nach einer Stunde im Fußball-Bundesligaspiel zwischen Hannover 96 und dem Hamburger SV waren sich die Zuschauer in der AWD-Arena sicher, den Höhepunkt des packenden Nordderbys bereits erlebt zu haben. 96 hatte kurz vorher durch Christian Schulz den Ausgleich zum 2:2 erzielt. Das ist die trockene Variante. Man könnte es aber auch so formulieren: 96-Linksverteidiger Christian Schulz hatte sich für einen Moment in den Brasilianer Schulzinho verwandelt, den Ball mit dem Fuß in die Luft befördert wie ein Artist eine Kugel zum Jonglieren, um sich dann quer in die Luft zu legen und mit einem Fallrückzieher für das 2:2 zu sorgen.

49 000 Zuschauer, in diesem Fall darf man die 6000 Hamburger durchaus mitzählen, staunten nicht schlecht. Aber das Traumtor des Tages war noch nicht der Schlusspunkt dieses Nachmittags. Eine halbe Stunde später, es lief bereits die Nachspielzeit, passierte noch einmal Außergewöhnliches, und man tritt Mike Hanke sicherlich nicht zu nahe, wenn man ein Tor von ihm so bezeichnet.

39 Bundesligatreffer hatte Hanke vorher in 186 Spielen erzielt, er war mal Nationalspieler, vor allem aber war Hanke in Hannover ein Auslaufmodell, nur noch dabei, weil ihn kein anderer Klub haben wollte. In dieser ersten Minute der Nachspielzeit stand Hanke aber nicht nur goldrichtig, der Ball landete nach einer Flanke von Lars Stindl (er hatte in der 31. Minute für das 1:0 gesorgt) dort, wo der mit dem Fuß oft ungelenke Stürmer mit ihm etwas anfangen kann: auf dem Kopf. Und so sehr sich Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny auch streckte, er kam nicht mehr heran, um das 3:2 für 96 zu verhindern.

Was aus hannoverscher Sicht folgte, waren noch drei Minuten zittern bis zum Abpfiff und dann 20 Minuten Partymarathon auf dem Rasen. Die 96-Spieler und -Verantwortlichen wollten einfach nicht in die Kabine – und die Fans im Stadion auf keinen Fall schon nach Hause. Das war verständlich nach einer Begegnung, in der es auf holprigem Rasen viele Fehlpässe gab und beide Defensivreihen öfter ins Schlingern gerieten, die aber läuferisch und kämpferisch so intensiv geführt wurde, dass es eine helle Freude war. Und das Schönste an dem Nachmittag: Keine der beiden Mannschaften gab sich mit einem Remis zufrieden, mit großem Einsatz versuchten Hannoveraner und Hamburger, das Glück auf ihre Seite zu zwingen.

96 hatte dieses Glück, denn die Hamburger, meilenweit davon entfernt, ein Spitzenteam zu sein, besaßen zwei große Chancen, selbst mit 3:2 in Führung zu gehen. Einmal schoss der zweifache Torschütze Son Heung Min (40./54. Minute) an den Innenpfosten, das andere Mal verzog der zweifache Vorlagengeber Jonathan Pitroipa aus guter Position.

Solche Szenen hätten die 96-Mannschaft in der Vergangenheit ängstlich gemacht – und vorsichtig. Die Mannschaft des Jahrgangs 2010/2011, ausgestattet mit dem Selbstvertrauen des überraschend guten Saisonverlaufs, ließ sich jedoch nicht einschüchtern, sondern nahm den Schlagabtausch auf.

96 kann sich in solchen Phasen auf das Publikum verlassen, das in dieser Saison ebenfalls große Fortschritte gemacht hat und in den schlechteren Phasen eines Spiels das Nörgeln mittlerweile durch Anfeuerungsrufe ersetzt. 96-Trainer Mirko Slomka lobte die Fans für ihre Unterstützung, weil er erkannt hat, dass ein gekonntes Zusammenspiel zwischen Profis und Zuschauern gerade Mannschaften wie 96 helfen kann.

Die Mannschaft wiederum lässt sich nicht lange bitten, nicht während des Spiels und nicht danach beim gemeinsamen Abfeiern. Und außerdem macht sie nicht nur das Wochenende schön, sondern den Montag gleich mit. Früher ging der Finger beim morgendlichen Tabellenstudium von unten nach oben, um den Klub schneller zu finden.

Mittlerweile setzen 96-Anhänger oben an, und die Tabellenreise mit dem Finger nach unten ist zügig beendet: nach dem 13. Spieltag auf Platz 4.

Wenn es um die nächsten Bundesliga-Spiele geht, rät Emanuel Pogatetz zur Coolness. „Dann wird das schon gut werden“, sagte der Hannover-96-Verteiger im HAZ-Interview.

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Der Blick geht ins Leere, hängende Köpfe, versteinerte Gesichter: Das sind die – so traurig es ist – mittlerweile schon üblichen Reaktionen der Spieler von Hannover 96 nach dem Abpfiff. Auch nach der 1:4-Niederlgae bei Borussia Dortmund standen die „Roten“ mit ausdruckslosen Mienen unten auf dem Rasen.

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