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Hannover 96 „Die Kommunikation war nicht glücklich“
Sportbuzzer Hannover 96 „Die Kommunikation war nicht glücklich“
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12:17 28.04.2015
Von Norbert Fettback
Mehrmals ans Mikrofon musste Clubchef Martin Kind (v.l.), der sich mit Aufsichtsratsmitglied Michael Beck und Rechtsanwalt Andreas Brinkmann vorbereitete.
 Mehrmals ans Mikrofon musste Clubchef Martin Kind (v.l.), der sich mit Aufsichtsratsmitglied Michael Beck und Rechtsanwalt Andreas Brinkmann vorbereitete. Quelle: Behrens
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++ Jetzt ist Schluss  ++

Um 22.30 Uhr spricht Valentin Schmidt das Schlusswort. Die Versammlung geht dann doch harmonisch zu Ende. Über die sieben Anträge, die Ralf Nestler fristgerecht eingebracht hatte, musste aufgrund der vorausgegangenen Diskussion nicht abgestimmt werden. Nestler selbst regte am Mikrofon an, den Austausch untereinander deutlich zu verbessern und schlug Martin Kind vor, sich ein Denkmal setzen zu können, wenn ein Weg gefunden werde, Profibereich und Stammverein in irgendeiner Weise zusammenzubringen.

++ Stimmen müssen dreimal ausgezählt werden ++

Es ist wie in alten unseligen 96-Zeiten: Die Entlastung des Vorstands zieht sich unendlich hin und drohte im Chaos zu versinken. Dreimal musste ausgezählt werden, dann waren die 198 Stimmen amtlich, die sich dafür aussprachen. Die Entlastung des Aufsichtsrats ging hingegen ruck, zuck über die Bühne.

++ Lange Aussprache ++

Die Aussprache zu den Berichten des Vorstandes läuft deutlich länger als erwartet. Vor allem Martin Kind muss viele Fragen beantworten, etwa die nach der Bewertung für den Wert der KGaA in Höhe von 22 Millionen Euro, was im Zusammenhang mit dem Verkauf der Anteile zu sehen ist. Am Ende wird der Vorstand entlastet, allerdings mit zahlreichen Gegenstimmen.

++ Fans werben für Beirat ++

Andreas Hüttl, Rechtsanwalt aus Hannover und 96-Mitglied, macht einen bemerkenswerten Vorschlag: Er regt an, einen Fanbeirat ins Leben zu rufen. „Streitigkeiten wie zuletzt soll es nicht mehr geben“, sagt Hüttl, der sich als Jurist in der aktiven Fanszene einen Namen gemacht hat, die wiederum mit den 96-Verantwortlichen länger im Clinch lag. Aufsichtsrat-Chef Schmidt reagiert begeistert: „Wunderbar, dass man sich aufeinander zubewegt ist im Interesse von Hannover 96.“ Hüttl regte zudem an zu prüfen, ob sich die Fans in irgendeiner Form an den Gesellschaftsanteilen beteiligen können.

++ „Es geht um Hannover 96“ ++

Der Kritik am Anteilsverkauf begegnet der Vorstandsvorsitzende Martin Kind mit dem Angebot, der Stammverein könne an künftigen Kapitalerhöhungen partizipieren. Eine entsprechende Klausel könne ebenso nachträglich in den 15 Seiten umfassenden Grundlagenverlag aufgenommen werden wie ein mögliches Vorkaufsrecht, sollte sich die Sales & Service-Gesellschaft wieder von Anteilen trennen. „Es geht um Hannover 96“, sagte Kind, entsprechend handelten auch die sieben Gesellschafter. Der Grundlagenvertrag soll in den nächsten Tagen öffentlich ausgelegt werden. Es gibt allerdings Zwischenrufe, als Kind auf den Grundlagenvertrag zwischen Hannover 96 e.V, Sales & Service und der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA eingeht. Nicht alle Mitglieder sind mit den Antworten zufrieden. Kind erklärt, der Vertrag sei unkündbar und den Namen Hannover 96 könne der Verein „ewig“ nutzen.

++ 96 präsentiert Zahlen zum Verkauf der Vereinsanteile ++

Diese Zahlen dürften wohl alle Anwesenden brennend interessieren: Hannover 96 hat nach eigenen Angaben durch den Verkauf der Vereinsanteile unterm Strich 2,247 Millionen Euro erlöst. Die Anteile wurden laut Hannover 96 am 23. September 2014 verkauft. Das teile Wirtschaftsprüfer Jens von Mach mit. Der Verkauf sei keine "Nacht- und Nebelaktion", sagte Vorstandsmitglied Ralf Waßmann. "Wir haben keine Erträge aus der KGaA erzielt, das wäre auch in Zukunft nicht der Fall gewesen." Waßmann räumte ein, die Kommunikation des Verkaufs sei "nicht glücklich" verlaufen. "Wir haben in keinster Weise die Seele des Vereins verkauft." Auch steuerrechtlich sei der Verein auf der sicheren Seite.

++ Mehrere Anträge werden abgelehnt ++

Die Zahl der Anträge hat sich auf neun reduziert - ursprünglich waren es 15. Die anderen Anträge seien nicht fristgerecht eingereicht worden, gemäß Satzung wäre dies laut Valentin Schmidt bis 16. April, 24 Uhr, erforderlich gewesen. Möglicherweise werden die Antragsteller Widerspruch einlegen. Unter anderem ging es dabei um das Ansinnen, die Übertragung der rund 15 Prozent Anteile an der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA durch den Vorstand des Vereins an die Sales & Service GmbH und Co. KG zu prüfen und gegebenenfalls anzufechten. Auf die Thematik soll laut Schmidt auf der Versammlung trotzdem eingegangen werden.

Alle Bilder zur Jahreshauptversammlung 2015 von Hannover 96.

++ 96 nennt aktuelle Mitgliederzahlen ++

Hannover 96 hat insgesamt 20.000 Mitglieder, wie Martin Kind im Bericht des Vorstands mitteilt. 3167 treiben aktiv Sport, 3866 sind passive Mitglieder. Stärkste der elf Abteilungen ist „Fit & Kids“ mit 1566 Mitgliedern. „96 war immer ein Breitensportverein“, sagt Kind. Im Anschluss wird das Projekt an der Stammestraße vorgestellt.

++ „96 ist ein lebendiger Verein“ ++

Valentin Schmidt, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, ergreift das Wort. Er spricht bei der Begrüßung vor den rund 400 Mitgliedern davon, dass es bei Hannover 96 in den 119 Jahren nie langweilig gewesensei. Heute sei 96 ein "lebendiger Sportverein".

++ Die Veranstaltung beginnt ++

Es geht los, Aufsichtsrat und Vorstand nehmen ihre Plätze ein. Wer jetzt kommt, der findet nur noch schwer einen Platz. Mitglieder der Triathlon-Abteilung müssen jetzt gute Kondition beweisen - beim Stehen. Mindestens 400 Mitglieder dürfen im Raum sein. Zunächst sind Formalien an der Reihe, die niemand vom Hocker reißen, aber nun mal typisch für einen Sportverein sind, der sich an seine Satzung hält. Erster Punkt der Tagesordnung: Begrüßung und Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung.

Die 96-Jahreshauptversammlung

Die Jahreshauptversammlung, laut 96-Satzung auch ordentliche Mitgliederversammlung genannt, gehört nach Paragraf 10 wie der Vorstand, der Aufsichtsrat und der Ehrenrat zu den sogenannten Organen des Vereins. Sie ist das oberste beschließende Organ von Hannover 96 e.V. und muss jährlich innerhalb von vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres, was dem Kalenderjahr entspricht, stattfinden. Beschlüsse können unabhängig davon gefasst werden, wie viele Mitglieder zur Versammlung erschienen sind. In der Regel gilt die einfache Stimmenmehrheit. Für Satzungsänderungen ist hingegen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Anträge zur Tagesordnung der Jahreshauptversammlung sind mindestens zehn Tage vor der Zusammenkunft beim Vorstand einzureichen. Laut Satzung müssen sie zu Versammlungsbeginn bekannt gegeben werden. Ein Dringlichkeitsantrag hat nur Aussicht auf Zulassung, wenn er von einer Zweidrittelmehrheit unterstützt wird. Dem Verein gehören derzeit rund 20 000 Sportler und Sportinteressierte an, ein Großteil als sogenannte fördernde Mitglieder aus Verbundenheit zur Bundesliga-Fußballmannschaft .

++ Es wird voller als in den Vorjahren ++

Eine knappe halbe Stunde vor Beginn der 96-Jahreshauptversammlung (Beginn: 19 Uhr) füllt sich der Business-Bereich der HDI-Arena. Noch sind hier Sportler an Krökel- und Tischtennistischen in ihrem Element, ehe nachher Reden zur Vereinsentwicklung zu hören sein werden. Am Eingang werden die Mitgliedsausweise kontrolliert, sonst gibt es keinen Zutritt. Platz gibt es für 370 Personen, etwa 80 harren bereits der Dinge. Es wird deutlich voller als in den Vorjahren. Clubchef Martin Kind, der nachher ans Rednerpult treten wird, führt erste Gespräche. Andere lassen sich Currywurst schmecken.

Beginn soll laut Einladung um 19 Uhr sein. Vermutlich wird es aber später: Es werden bereits zusätzliche Stühle herbeigeschafft angesichts der langen Schlangen vor dem Eingang. Die Liste mit den Anträgen, die Pressevertretern vorab ausgehändigt wurde, ist kürzer als die ursprüngliche. Ob es dabei bleibt, darauf gibt es erst im Verlauf der Versammlung eine Antwort. Vom neuen Sportzentrum, das an der Stammestraße entstehen wird, zeugen Baupläne und Modelle, die ausgestellt sind und einiges Interesse finden.

Darum geht es heute Abend

Der Stammverein  Hannover 96 verkauft seine letzten Anteile an eine Profifußballgesellschaft. Das sorgt für Zündstoff bei den Mitgliedern. Die Kommerzialisierung, die auch bei den „Roten“ immer weitere Kreise zieht, gefällt vielen nicht. Dass die Veräußerung der Anteile offiziell erst auf der Hauptversammlung bekannt gegeben wird, nachdem schon alles geregelt und unterschrieben war, hat für Aufregung gesorgt und 96 zwischenzeitlich in die Defensive gedrängt. Kind hält offensiv dagegen. „Wir haben immer mit offenen Karten gespielt“, sagt er.

Es geht um ein Geschäft der besonderen Art, das für die „Roten“ mit viel Tragweite verbunden. Es geht um die restlichen 15 Prozent Anteile, die der Stammverein von Hannover 96 am ausgegliederten Profifußballbereich gehalten hat und die inzwischen an die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG (S&S) übertragen worden sind. So gesehen ist der eigentliche Verein raus aus dem Geschäft, die Kapitalgesellschaft S&S zu 100 Prozent drin. Hier reiner Breitensport, da Fußball-Bundesliga.

So funktioniert das Fußballunternehmen Hannover 96

Die 96-Struktur mit mehreren Gesellschaften ein kompliziertes Gebilde – eine kleine Übersicht zum besseren Verständnis:

Hannover 96 GmbH & Co. KGaA:
Diese Abteilung ist das Profiunternehmen  von Hannover 96 und damit für das wichtigste Kerngebiet verantwortlich. Neben der Lizenzspielerabteilung gehören der Aufbau und die Weiterentwicklung des Nachwuchsleistungszentrums zu dem Aufgabenbereich.
Geschäftsführung: Martin Kind.
Sportliche Leitung: Dirk Dufner.
Aufsichtsratschef: Rainer Feuerhake.

Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG:
Der S & S (siehe Grafik) gehören knapp 85 Prozent (demnächst: 100 Prozent) am 96-Profiunternehmen. Die S & S übernimmt eine Dienstleisterfunktion für die KGaA. Hauptsächlich handelt es sich um Aufgaben der Markenführung und -pflege sowie die Umsetzung des Ticketings, das Merchandising und zentrale Dienste wie zum Beispiel das Rechnungswesen. Das Gesellschaftskapital der S & S beträgt rund 25,3 Millionen Euro – den größten Teil hält Kind mit rund 27 Prozent, gefolgt vom Modeunternehmer Detlev Meyer (Street One, Cecil) und dem Drogerieunternehmer Dirk Roßmann. Die Madsack Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung gehört, besitzt knapp 3 Prozent und ist damit kleinster Anteilseigner.
Geschäftsführer: Martin Kind.

Hannover 96 Arena GmbH & Co. KG:
Die Arena-Gesellschaft ist für die Spieltagsorganisation in der HDI-Arena zuständig sowie für die ganzjährige Betreuung des Objekts. Auch alle Drittveranstaltungen wie Konzerte werden über diese Gesellschaft durchgeführt.
Geschäftsführer: Martin Kind.
Vorsitz Beirat: Walter Kleine.
Beirat: Gregor Baum.

Hannoverscher Sportverein von 1896 e. V.:
Mit mehr als 20 000 Mitgliedern ist 96 mit acht unterschiedlichen Sparten der mitgliederstärkste Verein Niedersachsens (die meisten davon sind allerdings passive Mitglieder). Der gemeinnützige e. V. hielt zuletzt 15 Prozent am Profiunternehmen 96 – in einigen Wochen wird das jedoch Geschichte sein, wenn Kind die Amateurabteilung komplett herausgekauft hat. Über den Kaufpreis gibt es Schätzungen zwischen 3 und 8 Millionen Euro – die genaue Summe ist bislang Geheimsache.
Vorstandsvorsitzender: Martin Kind.
Aufsichtsratschef: Valentin Schmidt.

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