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Hannover 96 96 darf verlieren, aber nicht zu hoch
Sportbuzzer Hannover 96 96 darf verlieren, aber nicht zu hoch
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00:15 09.03.2015
Von Heiko Rehberg
So kopflos wie beim 0:4 im Hinspiel - hier Hiroshi Kiyotake im Duell mit Bayern-Profi Philipp Lahm - will und darf Hannover 96 nicht antreten.
So kopflos wie beim 0:4 im Hinspiel - hier Hiroshi Kiyotake im Duell mit Bayern-Profi Philipp Lahm - will und darf Hannover 96 nicht antreten. Quelle: imago sportfotodienst
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Hannover

Natürlich kann es am Sonnabend passieren, dass Hannover 96 in der Bundesliga gegen Bayern München chancenlos ist. Es ist sogar möglich, dass 96 auseinandergenommen wird und hoch verliert, was gegen eine der drei besten Fußballmannschaften der Welt immer geschehen kann, nicht nur 96 und nicht nur in Zeiten, in denen es schlecht läuft.

Man kann also durchaus der Meinung sein, dass Bayern München kein guter Gegner ist für ein Team, das von den vergangenen zwölf Spielen nur eines gewonnen hat und in der Rückrunde keines. Und dessen Trainer damit rechnen muss, dass eine Niederlage, die unter die Rubrik „Klatsche“ fällt, seine letzte in Hannover ist. Alles das ist möglich.

Die Beste Chance für den Stimmungsumschwung

Doch so kurios es klingt: Das Spiel gegen die Bayern ist auch die beste Chance, einen Stimmungsumschwung einzuleiten, unten auf dem Rasen und oben auf den Tribünen. In jeder Saison gibt es dieses eine Spiel, das zu einer Richtungsänderung führt, mal in die falsche, mal in die richtige Richtung. In der vergangenen Saison war es das Heimspiel gegen den Hamburger SV am 30. Spieltag. 96 hatte die Woche davor mit 0:3 in Braunschweig verloren, es herrschte eine Weltuntergangsstimmung in Hannover, gegen die die schlechte Stimmung derzeit fast fröhlich erscheint. Mit 2:1 gewann die Mannschaft damals gegen den HSV, und die Saison nahm doch noch einen versöhnlichen Verlauf.

Nun sind die Bayern von einer anderen Klasse als der HSV, aber die Erwartungshaltung ist ebenfalls anders. Die „Bild“-Zeitung titelte am Freitag über eine Trainingseinheit, bei der sich die 96-Profis an den Händen hielten: „Mit Händchenhalten gegen die Baller-Bayern - damit es nicht 10 Stück gibt.“ Nicht 0:10 verlieren. Bei der Erwartung kann eine Mannschaft eigentlich nur positiv überraschen.

Die Fans fordern Herz, Mut und Leidenschaft

Wäre der Gegner am Sonnabend Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg, dann würden alle in Hannover völlig zu Recht sagen: Ein Sieg muss her. Gegen die Bayern fordert das niemand. Was die Menschen von 96 fordern, sind Herz, Mut, Leidenschaft. Die „Roten“ haben das zuletzt vermissen lassen, aber wenn die Mannschaft so intakt ist, wie die Spieler und ihr Trainer versichern, dann sind die Bayern der richtige Gegner, sich an die einfachen Dinge des Fußballs zu erinnern.

Trainer Tayfun Korkut hat seinen Profis mit auf den Weg gegeben, Mut statt Respekt zu zeigen. „Die Bayern müssen spüren, dass es für sie bei uns nicht so einfach wird“, sagte Korkut. Der 40-Jährige hat sich in der Woche nicht anmerken lassen, dass er unter gewaltigem Druck steht. Dabei ist das Spiel gegen die Bayern für ihn mindestens so wichtig wie für seine Profis. Viele 96-Anhänger beurteilen seine Arbeit skeptisch, sie können nichts anfangen mit dem Fußball, den Korkut spielen lässt, und mit einigen Personalentscheidungen, die er trifft. Sie umzustimmen ist nicht Korkuts Job, aber es würde seine Arbeit erleichtern. Denn selbst die Kritiker schreien nicht laut nach einem Trainerwechsel, weil ihnen Korkut sympathisch ist und sie - auch ohne täglich am Trainingsplatz zu sein - etwas von der Akribie erkennen, mit der er arbeitet. Sie wünschen sich von Korkut das, was er von seinen Spielern verlangt: Mut.

Korkut weiß, dass er das Thema bleibt, wenn 96 verliert. Die Trainerfrage wird dann vor den nächsten Spielen bei Borussia Mönchengladbach und gegen Borussia Dortmund erneut gestellt werden. Drei Punkte - das ist das, was Clubchef Martin Kind aus den nächsten drei Begegnungen erwartet. Kind würde nichts lieber tun als mit Korkut weitermachen, das ist in jedem Gespräch mit ihm rauszuhören. Aber bei dauerhaft anhaltendem Misserfolg wird er handeln, auch daran bestehen keine Zweifel.

Es ist also eine komplizierte Gemengelage in Hannover vor dem Gastspiel des ruhmreichen FC Bayern. 96 darf verlieren, aber nicht zu hoch. Und zu ehrfürchtig und mutlos sollten sich Mannschaft und Trainer am Sonnabendnachmittag in der HDI-Arena nicht anstellen. Aber wie sagte Verteidiger Christian Schulz: „Die Bayern müssen gegen uns erst einmal ein Tor schießen.“

Zeigt Hannover 96 etwas von dieser Chuzpe in den 90 Minuten, dann wird es vielleicht doch nicht der Fußball-Nachmittag, den viele erwarten.

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Auch kurz vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München (Sonnabend, 15.30 Uhr) scheint der Druck von 96-Trainer Tayfun Korkut einfach abzuprallen. „Druck ist bei mir gut aufgehoben. Um ihn kümmere ich mich, er ist mein ständiger Begleiter“, sagte der 40-Jährige am Donnerstag.

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