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Hannover 96 Hannover feiert seine Helden
Sportbuzzer Hannover 96 Hannover feiert seine Helden
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10:57 26.08.2011
Foto: Public Vewing in der Nordkurve der 96er.
So was war noch nie: In Hannovers Kneipen und Biergärten herrschte Donnerstagabend, wie hier in der "Nordkurve", Ausnahmezustand. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Fangesänge, Tränen vor Freude, Silvesterraketen, ohrenbetäubendes Gejohle. Die Fans von Hannover 96 schreien ihre Freude einfach heraus. Einige haben ihre T-Shirts und Trikots ausgezogen. Menschen klatschen sich ab, liegen sich in den Armen, küssen sich. Hannover 96 bezwingt durch ein 1:1 im Rückspiel den FC Sevilla. Der kühle Norddeutsche ist vorsichtig mit Superlativen, aber dies ist ein (sport-)historischer Tag für Hannover.

Die Gefühlsausbrüche wirken wie die massive Entladung einer Anspannung, die sich den ganzen Abend aufgebaut hat. Beim ersten 96-Tor, beim unnötigen Eigentor, bei jedem folgenden Freistoß und Eckball: es wird gekreischt vor Aufregung, Bier verschüttet, sich an die Hände gefasst. Schon Stunden vor dem Anstoß sind die Anspannung und der Stolz über den Hinspielsieg in der Stadt zu spüren. Manche geben den jubelnden Fiesta-Fan und bestellen wie Karin Schwenke aus Garbsen lautstark „Cerveza!“ statt Bier in den Altstadtkneipe „Schateke“ und schwenken Fanfahnen wie übermütige Torreros rote Tücher.

Etwas weiter, in der Fußballkneipe „Nordkurve,“ ist die Stimmung ebenfalls aufgeheizt, und sie wird es bei andalusischen Temperaturen den ganzen Abend bleiben. Doch Spanier sucht man im Biergarten vergeblich. Dafür fast 3500 andere Gäste. So voll ist es nie. Fast 2000 Fans kommen zum Spiel auch in der AWD-Hall zusammen. Dort haben Hannover Concerts, NDR 2 und die Stadt zum gemeinschaftlichen Fußballgucken eingeladen. Die Fans schauen die Übertragung auf einer 24 Quadratmeter großen Leinwand.

Auch Hannovers Spanier fiebern an diesem Abend vor den Fernsehern mit. Doch im Centro Galego, dem galizischen Kulturzentrum im Lindener Arbergviertel, drücken die meisten nicht dem FC Sevilla die Daumen, sondern Hannover 96. Rund zwanzig Spanier haben sich hier versammelt, die Anspannung ist greifbar, wenn 96 in Schwierigkeiten steckt. „Ich hoffe, dass 96 gewinnt. Aber Sevilla ist sehr stark, vor allem mit den vielen Fans im Rücken“, sagt Julia Redono vor dem Anpfiff besorgt. „Ich bin zwar für 96. Wenn aber Sevilla gewinnt, freue ich mich, weil ich Spanier bin“, sagt Jose Pineiro.

Dann gehen die Fans in den Kneipen und Biergärten durch ein Wechselbad der Gefühle. Es beginnt mit Abdellaoues Führungstor mit einem Hoch, fällt nach dem Eigentor von Pogatetz in ein kleines, dumpfes Loch. Nach 93 Minuten aber kochen die Kneipen und Biergärten über. 96 ist weiter, und die Fans formieren sich zu Autokorsos. So feiert man große Erfolge.

Auch im Ahrbergviertel brechen einige der spanischen Fans in Jubel aus und klatschen, als das erste Tor für Hannover fällt. Einige fallen sich spontan in die Arme. Spanien mag zwar ihre Heimat sein. Doch solange Hannover nicht gegen Real Madrid antritt, wie Redono verrät, gehört ihr Herz den Spielern von 96. Nach dem Schlusspfiff sind die meisten ganz zufrieden. Hannover ist weiter. Auch ihre Heimat, irgendwie.

Am Waterloo, ausgerechnet vor den altehrwürdigen Mauern der Polizeidirektion Hannover, haben sich derweil die Übermütigen zusammengefunden. Einige Minuten lang setzen sich ein paar Dutzend auf die Straße, zünden bengalische Feuer, trommeln auf Taxidächer. Dann löst sich die Szenerie auf und verschwindet in der Nacht, die zum Feiern da ist.

Jan Sedelis und Isabel Christian

Christian Purbs 19.08.2011
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