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Hannover 96 "Ich hatte schon ein sehr mulmiges Gefühl"
Sportbuzzer Hannover 96 "Ich hatte schon ein sehr mulmiges Gefühl"
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17:45 19.11.2015
Von Christian Purbs
"Es sind viele Eindrücke gewesen": Ron-Robert Zieler hat über die Ereignisse vom Dienstag gesprochen. Quelle: dpa
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Hannover

„Wollen wir noch über Sport reden?“, fragt 96-Pressesprecher Alex Jacob in die Runde. Ron-Robert Zieler nimmt den Ball dankbar auf. „Wenn ihr über Sport reden wollt, gerne“, sagt der Torhüter von Hannover 96 am Ende der Gesprächsrunde zu den Journalisten im Presseraum der HDI-Arena. Sport, Fußball-Bundesliga, das nächste Spiel am Sonnabend bei Borussia Mönchengladbach, das ist die Welt, in der Zieler sich wohlfühlt, die überschaubar ist, in der er die Abläufe kennt. Fußball ist für den Profi von Hannover 96 Normalität die guttut nach den „schlimmen Eindrücken und Erlebnissen“ der vergangenen Tage.

Doch der Fußball spielt in diesen Tagen eine Nebenrolle. Das weiß auch Zieler, der als Torwart der deutschen Nationalmannschaft die Terror-Anschläge am vergangenen Freitag in Paris während des Freundschaftsspiels gegen Frankreich im Stadion miterlebte und von der Absage der Partie gegen die Niederlande am Dienstagabend in Hannover erfuhr, als er mit dem DFB-Team im Bus in Richtung HDI-Arena war. Und am Donnerstag erstmals darüber redete. „Das sind viele Eindrücke, die auf einen einprasseln, viele Emotionen. Aber so weit geht’s mir gut“, sagt der 26-Jährige.

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Zieler gehört nicht zu den Dampfplauderern unter den Bundesligaprofis, er ist einer, der am liebsten nur dann redet, wenn er auch etwas zu sagen hat. Dass ihn die Ereignisse in Paris und Hannover beschäftigen und nachdenklich gemacht haben, sieht man ihm an. Eingeschüchtert oder verängstigt wirkt er jedoch nicht. Er habe sich „sehr intensiv damit beschäftigt, aber jetzt versuche ich, das Ganze etwas ruhen zu lassen“, sagt der 96-Profi.

„Die Stimmung war bedrückt, aber wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir in Gefahr sind“, schildert der Torwart die Situation am Dienstagabend im deutschen Mannschaftsbus auf der Fahrt ins Stadion. „Aber ich hatte ein mulmiges Gefühl weil man nicht wusste, was hier gerade passiert.“ Der Mannschaftsbus sei zum Zeitpunkt der Absage etwa zwei Kilometer von der Arena entfernt gewesen und dann zu einer sicheren Polizeistation umgeleitet worden, sagt Zieler, der bei seinem „Heimspiel“ gegen die Niederlande eine Halbzeit im Tor gestanden hätte.

Im Vergleich zu den Ereignissen in Hannover hatte die Situation in Paris für den 26-Jährigen „eine andere Dimension. Das waren schreckliche Eindrücke“, sagt der Nationalspieler. „Wir als Mannschaft waren zwar nicht die Zielscheibe, aber wir standen im Brennpunkt, waren zweimal mittendrin.“ Bei der ersten Bombe vor dem Stade de France habe er auf der Ersatzbank „eine leichte Druckwelle“ gespürt, sagte Zieler: „Uns war schon klar, dass das kein normaler Böller war. Es war eine schreckliche Nacht, die wir in Paris durchgemacht haben. Das ist noch einmal ein ganz anderes Gefühl, wenn man so etwas hautnah miterlebt statt aus der Ferne. Man bekommt ein ganz anderes Bewusstsein weil man sieht, dass es jeden treffen kann. Wir waren alle froh, als wir nach Hause konnten.“

Zu Hause in Hannover, wo der Alltag auf dem Weg zurück zur Normalität eine willkommene weil verlässliche Größe ist. „Ich bin froh, hier wieder in meinem gewohnten Umfeld zu sein. Es hilft mir, die Ereignisse zu verarbeiten“, sagt Zieler. „Ich habe den Eindruck, dass ich mit der Situation gut zurechtkomme.“

Diesen Eindruck hat auch Michael Frontzeck, der mit Zieler nach dessen Rückkehr ein längeres Gespräch führte. „Man kann zwar nie in einem Menschen vollständig hineinschauen, aber ich habe den Eindruck, dass er gegen Gladbach seinen Job machen kann“, sagt der 96-Trainer. Nach dem morgigen Spiel wird auch Zieler wieder reden. Über Fußball. So wie immer bis zum vergangenen Freitag. Es wird ihm helfen.

pur  

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