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Hannover 96 Die "Roten" setzen auf das Wir-Gefühl
Sportbuzzer Hannover 96 Die "Roten" setzen auf das Wir-Gefühl
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00:18 21.08.2015
Von Christian Purbs
Sind wir ein Team? Vieles läuft bei 96 noch nicht rund, der Zusammenhalt in der Mannschaft scheint jedoch zu stimmen. Quelle: Roland Holschneider/dpa
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Hannover

Am liebsten hätte sich Mevlüt Erdinc ganz schnell verkrümelt. Doch das ließ Michael Frontzeck nicht zu. Der 96-Trainer nutzte den obligatorischen Handschlag nach der Auswechslung des Stürmers, um Erdinc, von seinem Truller-Elfmeter noch sichtlich mitgenommen, noch einmal an sich heranzuziehen und ihm ein paar Worte ins Ohr zu flüstern. „Lass den Kopf nicht hängen, das kann passieren, wir brauchen dich.“ Etwas in dieser Art. Auch die Ko-Trainer Christoph Dabrowski und Jan-Moritz Lichte spendeten noch Trost, bevor Erdinc endlich auf der Reservebank untertauchen durfte.

Bei strömendem Regen hat Hannover 96 am Dienstag, 18. August, auf der Mehrkampfanlage trainiert.

Wollen die „Roten“ nicht erneut bis zum Saisonende um den Klassenerhalt zittern, wird 96 Erdinc und seine Tore noch brauchen, da liegt Frontzeck völlig richtig. Was für die Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten aber noch viel wichtiger ist, ist eine positive Stimmung. Ein ausgeprägtes Wir-Gefühl, ein herausragender Teamgeist, mit dem sich andere Defizite, die in den ersten beiden Pflichtspielen gegen Kassel und Darmstadt nicht zu übersehen waren, zumindest teilweise wettmachen lassen.

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Probleme bereitet der Mannschaft der Spielaufbau, weil die Automatismen mit so vielen neuen Spielern noch nicht funktionieren. Deshalb ist auch von der Spielidee, die auf schnelles Umschalten und Konterfußball ausgelegt und mit der Taktik vergleichbar ist, mit der 96 unter Trainer Mirko Slomka seine größten Erfolge hatte, bislang wenig zu sehen. Frontzeck und auch die 96-Profis verweisen darauf, dass es Zeit braucht, bis dieses System funktioniert. Zeit ist jedoch ein Luxus, den sich eine Mannschaft wie Hannover 96 nach Saisonbeginn in der Bundesliga nicht leisten kann.

Es mag ein Fluch sein, doch im millionenschweren Wirtschaftsbetrieb Bundesliga haben Clubs wie 96, Mainz 05 oder der FC Augsburg nur dann die Chance, eine bessere Rolle als die des geduldeten, weil notwendigen Mitläufers zu spielen, wenn Stimmung und Harmonie in der Mannschaft absolut stimmen. Wenn jeder nicht auf sich, sondern auf das große Ganze schaut. Wenn die Truppe Teamgeist hat.

An der Einstellung fehle es nicht, sagt 96-Profi Oliver Sorg. „Auch nach dem Training ist der Kraftraum noch rappelvoll.“ Und auch von der Stimmung her sei der Auftakt in Darmstadt „völlig in Ordnung“ gewesen. „Wir haben uns alle reingebissen“, sagt der Verteidiger. Der Neuzugang aus Freiburg weiß aus eigener Erfahrung, welche Bedeutung der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft hat. „Bei Freiburg war es auch so, dass wir keine großen Stars hatten und vieles über den Teamgeist gemacht haben. So sind wir viele Jahre gut gefahren. Ich hoffe, dass das auch in Hannover funktioniert“, sagt der 25-Jährige.

Man musss an so etwas wie Teamgeist im Profisport nicht glauben. Aber wenn man ihn zu einer gültigen Strategie erklärt, dann ist das Klischee keine Plattitüde mehr. Dann kann es real werden.

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