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Hannover 96 Harte Strafe wegen Banner im Stadion
Sportbuzzer Hannover 96 Harte Strafe wegen Banner im Stadion
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00:16 24.07.2016
Von Tobias Morchner
Fans von Hannover 96 zünden bengalische Feuer. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover


Wegen des Vorfalls, der sich am 1. März beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg ereignete sowie einer im Gästeblock gezündeten Rauchbombe beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach, muss Hannover 96 12 000 Euro Strafe zahlen. Der Zweitligist hat dem Urteil zugestimmt. Es ist somit rechtskräftig.

Bei der Suche nach den Täter, die das Spruchband im Stadion entrollt hatten, ist den Behörden unterdessen ein Ermittlungserfolg gelungen. Sie verdächtigen jetzt drei Männer aus Hannover, zwei 22-Jährige und einen 24-Jährigen, die Tat begangen zu haben. Gegen sie wird wegen Beleidigung ermittelt. Die Polizei hat inzwischen auch die Wohnungen der drei Tatverdächtigen durchsucht. Am 9. Juni gegen 7.20 Uhr stürmten Polizisten zeitgleich die Wohnungen der Verdächtigen. Das Banner wurde dabei zwar nicht sichergestellt. „Wir haben aber die Kleidungsstücke gefunden, die die Verdächtigen auf den Videoaufzeichnungen aus dem Stadion trugen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

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Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der einen der drei Verdächtigen vertritt, hält die Durchsuchungen der Behörden für unverhältnismäßig. Die Namen der drei Verdächtigen seinen vor den Durchsuchungen bereits bekannt gewesen. Aus diesem Grund sei die Maßnahme nicht angemessen gewesen. „Gegen alle drei Durchsuchungen ist Beschwerde eingelegt worden“, sagt Strafverteidiger Hüttl. In einem Fall haben das Landgericht die Beschwerde bereits zurückgewiesen. Deshalb werde man in diesem Fall die nächst höhere Instanz anrufen.

Das Banner mit der Aufschrift „We love Teens“, auf dem auch eine stilisierte Faust, die ein Messer hält, zu sehen war, war im 96-Fanblock beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg aufgetaucht. Die Botschaft ist eine eindeutige Anspielung auf die Messerattacke der 15-jährigen Safia S., die genau eine Woche vorher im hannoverschen Hauptbahnhof einen Bundespolizisten lebensgefährlich verletzt hatte. Das Banner war damals in Fankreisen auf massive Kritik gestoßen. „Wie man es gutheißen kann, dass jemand mit einem Messer niedergestochen wird, erschließt sich mir nicht“, hieß es damals unter anderem in einem Fanforum im Internet. „Es gibt ja echt häufig ziemlich gute Banner, aber das diesmal ziemlich in die Hose gegangen“, schrieb ein anderer Fan.

Die Ermittlungen gegen Safia S. laufen unterdessen weiter auf Hochtouren. Die Bundesanwaltschaft, Deutschlands höchste Ermittlungsbehörde, verdächtigt die Schülerin, die in Chats angab „Kontakt mit Angestellten des IS“ zu haben, eine ausländische, terroristische Vereinigung mit dschihadistischem Hintergrund unterstützt zu haben. Noch ist unklar, wann wegen der mutmaßlich islamistisch motivierten Messerattacke Anklage erhoben wird und wann der Prozess beginnen kann. Der neue Rechtsanwalt der 15-Jährigen, der Bonner Strafverteidiger Mulut Günal, hatte die gegen seine Mandantin erhobenen Vorwürfe bislang stets zurückgewiesen.