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Hannover 96 Hat Stendel die richtige Entscheidung getroffen?
Sportbuzzer Hannover 96 Hat Stendel die richtige Entscheidung getroffen?
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00:16 30.11.2016
Etwas ratlos am Rande: 96-Trainer Daniel Stendel.
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Hannover

Beim 2:2 in Düsseldorf am Freitagabend ließ Trainer Daniel Stendel zunächst Salif Sané, den ausgemachten Star der Truppe, und den teuren Einkauf Niclas Füllkrug auf der Bank. Da saßen sie unter anderem neben Miiko Albornoz, chilenischer Nationalspieler, und Oliver Sorg, ehemaliger deutscher Nationalspieler.

Am Freitagabend musste Hannover 96 im Spitzenspiel der Zweiten Liga bei Fortuna Düsseldorf antreten.

Stendel tut sich schwer mit diesem großen Angebot. Dass es durchaus gerechtfertigt ist, den einen oder anderen von ihnen mal draußen zu lassen, sei einmal dahingestellt. Es ist sogar löblich, wenn der 96-Coach nicht nur immer wieder betont, nach Trainingsleistungen zu gehen, sondern es auch noch in die Tat umsetzt. Aber ständig und bei jedem? Er läuft damit Gefahr, viele Spieler vors Schienbein zu treten und durch regelmäßige Umstellungen zusätzliche Unruhe zu schaffen. Unruhe, die 96 im Aufstiegskampf mit fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Braunschweig und heute Abend vielleicht vier auf den VfB Stuttgart überhaupt nicht gebrauchen kann.

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So haben die 96-Spieler gegen Fortuna Düsseldorf gespielt

In den nächsten Wochen kommt noch Uffe Bech zurück, auch Stürmer Artur Sobiech wird nicht ewig verletzt sein. Und dann braucht Stendel außer guten Argumenten auch ein goldenes Händchen bei der Aufstellung. Letzteres hat er in jüngster Zeit nicht immer bewiesen. Gegen die Fortuna bot er Felipe überraschend für Sané neben Stefan Strandberg in der Innenverteidigung auf. Zum einen, weil ihm die Abstimmung des Duos Strandberg/Sané gegen Aue nicht gefallen hatte, zum anderen wollte er die guten Trainingsauftritte des Brasilianers belohnen. Solange es bei den „Roten“ lief, sah es auch gut aus, was seine Manndecker machten. Auch wenn Felipe bereits da zweimal wegen übertriebenen Einsatzes auffiel – und sich Gelb abholte. Da auch Strandberg verwarnt wurde, war das keine einfache Situation.

Dann drückte nämlich Düsseldorf, vieles geriet bei 96 in Unordnung, auch in der Defensive. Die bis dahin gezeigte Souveränität war schlagartig verschwunden. Und besonders bei Felipe muss man halt bei seinem oft unorthodoxen Einsteigen immer damit rechnen, dass er vom Platz fliegt. Gerade bei solch einem umkämpften Spiel. Anders als im Braunschweig-Spiel, als Stendel auf Geheiß des Schiedsrichters handelte und Felipe schnell auswechselte, sah der 96-Coach diesmal tatenlos zu, wie das Unvermeidliche sich einstellte: Sein Innenverteidiger schoss über das Ziel hinaus, räumte einen Düsseldorfer ab – und sah Gelb-Rot (70. Minute). Mit ein wenig Voraussicht an der Seitenlinie hätte man den Platzverweis vielleicht umgehen können. Das Team musste so 20 Minuten in Unterzahl spielen.

Was zudem in der Esprit-Arena auffällig war: Die Offensivspieler waren aufgrund der großen Laufarbeit nach gut einer Stunde Spielzeit ziemlich am Ende mit ihren Kräften. Doch eine Reaktion darauf gab es nicht. Martin Harnik musste zwar aus taktischen Gründen Sané weichen – da waren aber bereits 73 Minuten gespielt. Noah-Joel Sarenren-Bazee, dem nach langer Verletzungszeit noch einiges fehlt und der etwas überraschend den Vorzug vor Füllkrug erhalten hatte, stand sogar 87  Minuten auf dem Platz. Füllkrug selbst kam erst in der Schlussminute für Klaus, der nach seiner fünften Gelben Karte nächste Woche gesperrt ist – das war ein Wechsel, um das Ergebnis über die Zeit zu retten. Ein Ergebnis, das 96 nicht geholfen hat.

Es wird Zeit bei 96 für einen Lauf – und dafür, dass Stendel wieder öfter sein goldenes Händchen beweist.

Jörg Grußendorf 26.11.2016
Jörg Grußendorf 25.11.2016