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Hannover 96 Kein Tor in Sicht
Sportbuzzer Hannover 96 Kein Tor in Sicht
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00:18 22.10.2014
Von Heiko Rehberg
Enttäuschung nach dem Abpfiff: Die 96-Profis Christian Schulz, Kenan Karaman, Ron-Robert Zieler und Christian Pander (von links).
Enttäuschung nach dem Abpfiff: Die 96-Profis Christian Schulz, Kenan Karaman, Ron-Robert Zieler und Christian Pander (von links).  Quelle: zur Nieden
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Hannover

Vielleicht muss man gerade nach einem desillusionierenden Fußball-Nachmittag wie in der HDI-Arena erst einmal mit dem Positiven anfangen. Die 0:3-Niederlage von Hannover 96 gegen Borussia Mönchengladbach, die dritte in der Bundesliga in Folge, die erste in einem Heimspiel seit sieben Monaten, bot dazu keinen Anlass. Aber immerhin unternahm bei 96 nicht einmal jemand den Versuch, irgendeine Entschuldigung für die grausige Vorstellung zu finden.

Viertes Heimspiel, vierter Sieg? Leider nicht. Gegen Borussia Mönchengladbach hat Hannover 96 mit 0:3 verloren. Die Bilder aus dem Spie.

„Wir wollen nichts schönreden und müssen dieses Spiel selbstkritisch analysieren“, sagte Trainer Tayfun Korkut, der Verständnis für die hannoverschen Fans aufbrachte, die die „Roten“ nach dem Schlusspfiff mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedeten. „Die Fans kommen, um die eigene Mannschaft gut spielen zu sehen. Dass Frust und Emotionen hochkommen, wenn das nicht klappt, ist normal, mit diesen Momenten müssen wir leben.“ Die kürzeste und treffendste Formulierung für die Leistung hatte 96-Verteidiger Christian Pander: „Das war für den Arsch.“

Kiyotake zu harmlos, Pander zu ungenau: Hannover 96 zeigte gegen Borussia Mönchengladbach nicht die beste Leistung. Wie die einzelnen 96-Profis sich auf dem Feld zeigten, bewertet Björn Franz in der Einzelkritik.

Nach acht Spieltagen ist die Beurteilung von Hannover 96 eine komplizierte Angelegenheit. Nimmt man nur das 0:3 gegen Mönchengladbach und die Hilflosigkeit, mit der die Hannoveraner einer lange nicht einmal besonders überragenden Mönchengladbacher Elf entgegentraten, dann wäre es einfach: Mit Werder Bremen gäbe es dann aktuell nur eine schwächere Mannschaft in der Bundesliga. Aber Bremen ist der Tabellen-18., Hannover der Tabellenzehnte.

Das Tabellenbild ist trügerisch, weil sich 96 noch in einer Region befindet, die am Ende der Saison als ordentlich eingestuft werden würde. Noch sind es bis zu einem Europa-League-Platz nur drei Punkte (und bis zu einem Abstiegsplatz fünf), weil 96 zum Saisonanfang genug Zähler eingesammelt hat. Aber es kommen nicht nur keine Punkte mehr dazu, die Mannschaft wird mit jedem Spiel schwächer und hat dabei das Toreschießen völlig vergessen: 0:1 in Stuttgart, 0:4 in München, 0:3 gegen Mönchengladbach. In den vergangenen fünf Spielen hat 96 ein einziges Tor geschossen beim unverdienten 1:0-Sieg gegen den 1. FC Köln, insgesamt fünf Treffer in acht Begegnungen geben ernsthaften Grund zur Sorge. Ändert sich das nicht bald, werden sich 96-Fans am Saisonende noch an jedes Tor erinnern können. Sind ja nicht so viele, die man sich merken muss ...

Beim Tabellenplatz 10 von einer Krise zu reden, wäre zu kühn. Eine Torkrise hat Hannover 96 sehr wohl. Aber ist das das einzige Problem? Und was läuft da schief? Man weiß derzeit nicht so richtig, was Trainer Korkut mit 96 vorhat, ob die Mannschaft seine Pläne richtig versteht, ob sie überfordert oder – schlimmste aller Möglichkeiten – doch zu schlecht ist. Man sieht Korkut an der Linie dirigieren wie Bayerns Pep Guardiola, aber Mitte der 2. Halbzeit passierte etwas, was typisch war für 96: Mönchengladbach hatte sich nach den Toren von Max Kruse und Granit Xhaka (14. und 49. Minute) zurückgezogen, die Gastgeber waren in Ballbesitz, aber für ein paar Sekunden schien es, als hätte jemand wie bei einer DVD die Stopptaste im Abspielgerät gedrückt: Alles kam zum Stehen, weil bei 96 niemand auch nur den Hauch einer Idee hatte, was zu tun ist.

Die Probleme ziehen sich durch alle Mannschaftsteile, die Abwehr inklusive Torwart Ron-Robert Zieler sah vor oder bei allen drei Treffern (Nummer 3 gelang Kruse in der 90. Minute) schlecht aus. Einer wie Marcelo gewinnt zwar regelmäßig die Rubrik „Beste Zweikampfwerte“ (diesmal 86 Prozent), beim Spielaufbau aber wählt er stets zwischen drei Möglichkeiten: a) Rückpass auf Zieler, b) Querpass auf den Kollegen Christian Schulz, c) langer Pass ins Nichts. Ein Offensivspiel kann auf diese Art und Weise nur schwer zustande kommen.

Andere Fehler im System stellte Korkut gegen Mönchengladbach nicht ab. Mit der Auswechslung der völlig indisponierten Ceyhun Gülselam und Hiroshi Kiyotake hätte er zur 2. Halbzeit ein Zeichen setzen können, tat es aber nicht. Und wenn man denn schon etwas riskieren möchte, dann wäre sicherlich Jan Schlaudraff statt Kenan Karaman als erste Einwechselung die bessere Wahl gewesen. Aber auch in dieser Hinsicht darf das Positive nicht verschwiegen werden: Korkut bezog sich und sein Trainerteam in die selbstkritische Analyse ausdrücklich mit ein: „Wir müssen einiges tun und verbessern.“ Kommenden Sonnabend in Dortmund gegen einen Gegner, für den momentan Ähnliches gilt.

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