Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover 96 Andreasen ist kein Betrüger
Sportbuzzer Hannover 96 Andreasen ist kein Betrüger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 22.10.2015
Von Heiko Rehberg
Streitpunkt Unterarm: Leon Andreasen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover/Köln

Die Streitfrage laute: Hätte der 96-Profi gleich nach dem Tor dem Schiedsrichter signalisieren müssen, dass sein Treffer nicht zählen darf? Oder hat er nur das getan, was fast alle anderen auch gemacht hätten: schweigen und hoffen, dass das Tor zählt?

Anzeige

Ja, es wäre wünschenswert gewesen, wenn Andreasen diese Chance genutzt hätte. Jedes Wochenende in jedem Spiel versuchen Bundesligaprofis, die Schiedsrichter mit kleinen und großen Tricks hereinzulegen? Sie versuchen Elfmeter und Freistöße herauszuschinden oder spielen nach einem Foulspiel das Unschuldslamm. Gerade deshalb wäre es wohltuend gewesen, wenn einer wie Andreasen gesagt hätte: Das war kein Tor. Es wäre ein starkes, mutiges Leuchtturmzeichen für Fair Play in einer teilweise gnadenlosen Millionenbranche gewesen.

Hannover 96 hat den ersten Auswärtssieg dieser Saison eingefahren: die "Roten" schlagen den 1. FC Köln mit 1:0. Doch der Sieg hat einen bitteren Beigeschmack: Andreasen hatte das Tor mit der Hand erzielt. 

Andreasen hat das nicht gemacht. Ein Betrüger ist dieser ansonsten vorbildliche Sportler deshalb noch lange nicht, sondern einfach nur ein Fußballprofi in einer Situation, die jeden überfordert hätte. 

Mit einem Geständnis hätte er sich einen riesigen Rucksack umgeschnallt. Was, wenn 96 am Ende der Saison zwei Punkte zum Klassenerhalt fehlen würden – genau die Punkte aus dem Köln-Spiel? Was hätte er von seinen Mitspielern zu hören gekriegt und was von den eigenen Fans? Den Spott kann man sich gut vorstellen: Fair-Play-Preis – aber 2. Liga!

Hannover 96 gegen Köln: Die Spieler der Roten in der Einzelkritik.

In wenigen Sekunden sich da richtig zu entscheiden, ist unmöglich. Man kann Andreasen für seinen Entschluss kritisieren. Auf die öffentliche Anklagebank gehört er nicht. Zur Wahrheit der Debatte gehört auch: Die Liga ist wie sie ist. Unberechtigte Elfmeter, Tore oder Platzverweise gehören dazu. Auch nach Andreasens Handstreich.

Christian Purbs 22.10.2015