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Hannover 96 Macht am Ende doch Stendel das Rennen?
Sportbuzzer Hannover 96 Macht am Ende doch Stendel das Rennen?
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00:15 01.05.2016
Von Jörg Grußendorf
96-Coach Daniel Stendel.
96-Coach Daniel Stendel. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Daniel Stendel war bemüht, das brisanteste Thema möglichst kurz zu halten. Der Chefcoach für sechs Spiele von Hannover 96 wollte viel lieber über die nächste Fußball-Bundesligapartie der „Roten“ am Sonnabend gegen Schalke 04 (15.30 Uhr, HDI-Arena) sprechen. „Ich habe große Lust“, sagte der 42-Jährige. „Wir wollen wieder - wie zuletzt - versuchen, die Zuschauer mitzunehmen.“

Über das Sportliche hätte Stendel bei der gemeinsamen Pressekonferenz von 96, den Handballern der TSV Hannover-Burgdorf und dem Hannoverschen Rennverein noch lange, lange weiterreden können. Auf die brennende Frage jedoch, wie denn seine Chancen seien, auch in der neuen Saison in der 2. Liga Trainer der 96-Profis zu sein, gab er nur eine knappe Antwort. „Lust habe ich, es macht Spaß“, sagte Stendel, „ich habe mich mit Martin Bader (96-Geschäftsführer, d. Red.) ausgetauscht. Aber das wisst ihr ja, und mehr gibt es darüber von mir auch nicht zu sagen.“ Punkt.

Stendel hielt sich merklich zurück. Denn auch er weiß, dass seine Chancen auf den Cheftrainerposten bei den „Roten“ in jüngster Zeit deutlich gestiegen sind. Bis vor drei Tagen schien es so, als sollte eine Entscheidung zugunsten des früheren 96-Coaches Mirko Slomka längst gefallen sein. Bader und auch 96-Clubchef Martin Kind hatten das zwar immer wieder dementiert („Es gibt keine Entscheidung“), doch die hartnäckigen Gerüchte aus dem Umfeld des Clubs blieben - und sorgten für unerwartete Reaktionen.

Mit Hiroki Sakai, Hiroshi Kyotake, Oliver Sorg und Arthur Sobiech sind gleich vier 96-Spieler aus dem Krankenlager zum Training am Mittwoch zurückgekehrt.

In den sozialen Medien überschlug sich zuletzt die Kritik, eine große Zahl der 96-Fans scheint mit Slomka nicht einverstanden zu sein. Sind die „Roten“ deshalb von ihm abgerückt? Ist die Trainerfrage offener denn je? Für die „Bild“ bleibt Slomka „Topfavorit“, für die „Neue Presse“ ist er nicht mehr in der engeren Wahl.

Es ist vieles im Unklaren. Klar ist, dass in Bezug auf Stendel bei den 96-Verantwortlichen ein Umdenken eingesetzt hat. Bei seiner Präsentation Anfang April als Nachfolger von Thomas Schaaf hieß es, dass Stendel am Ende der Saison wieder die U19 als Trainer übernehmen werde. „Natürlich denken wir über Daniel Stendel nach, natürlich hat er eine Chance“, hieß es nach der Mitgliederversammlung von Clubchef Martin Kind. Und Bader sagte: „Wenn wir nicht überzeugt davon gewesen wären, dass Daniel ein guter Trainer ist, dann hätten wir ihn auch nicht zum Trainer für sechs Spiele gemacht.“

Bader soll sich lange intern für eine Verpflichtung von Kosta Runjaic, einst Coach beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern (2013 bis 2015), starkgemacht haben. Dieser Vorschlag soll auf taube Ohren bei Clubchef Kind gestoßen sein, aus dem Rennen ist Runjaic jedoch noch nicht. Ein weiterer Kandidat, Markus Kauczinski, der bis Saisonende beim Karlsruher SC beschäftigt ist, scheint auf dem Sprung zum FC Augsburg zu sein, wo er als Nachfolger von Markus Weinzierl (im Gespräch bei Schalke 04) installiert werden soll. Gar nicht in der Verlosung soll André Breitenreiter sein, der morgen mit Schalke zu Gast in seiner Heimatstadt ist.

Wer also macht schließlich das Rennen? Das Fachmagazin „kicker“ meint, dass „Sympathieträger Stendel eine Konsenslösung für alle Beteiligten“ sei, „an allen anderen Entscheidungen ließe sich mutmaßlich ablesen, wer in Hannover tatsächlich das Sagen hat“.

Anfang nächster Woche soll der Neue, der die Herkulesaufgaben Zusammenstellung eines konkurrenzfähigen Teams und sofortiger Wiederaufstieg zu bewältigen hat, präsentiert werden. „Ich glaube, dass man uns zutrauen muss, dass wir aus der Erfahrung und auch den Gesprächen heraus in der Lage sind, die richtigen Lösungen zu finden“, sagte Bader.

Baum unterstützt Kind: „Bei 96 ist alles in guten Händen“

Die Galoppsportfans freuen sich: Gregor Baum legte gestern ein glasklares Bekenntnis ab. „Ich bin mit Herz, Leib und Seele beim Pferdesport dabei“, sagte der Präsident des Hannoverschen Rennvereins (HRV). Der 49-jährige Unternehmer führt seit elf Jahren die Geschicke auf der Neuen Bult und hat die Rennbahn in diesem Zeitraum aus einer tiefroten Verlustzone herausgebracht. Die Neue Bult ist mit fünfstelligem Zuschauerzuspruch pro Renntag und gutklassigem Sportprogramm einer der führenden Galopp-Veranstaltungsorte in Deutschland.

Baum gehört aber auch zum Kreis der Anteilseigner in der Hannover-96-Profigesellschaft und wurde als möglicher Herausforderer von Clubchef und Geschäftsführer Martin Kind gehandelt. Der bekennende Fan der „Roten“ wiegelte aber auf Nachfrage nach einem stärkeren Engagement im Fußball ab. „Es ist alles in guten Händen“, sagte Baum auf 96 bezogen. Und er betonte nochmals seine Priorität. „Ich stecke viel Arbeit und Engagement in den Rennsport. Außerdem übe ich einen Beruf aus“, sagte der Chef der Baum-Unternehmensgruppe, die im Immobilien-, Gastronomie- und Landwirtschaftssektor tätig ist. „Fußball und Galoppsport zusammen geht für mich nicht.“

cas

Christian Purbs 30.04.2016
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