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Hannover 96 Kind gibt Korkut Rückendeckung
Sportbuzzer Hannover 96 Kind gibt Korkut Rückendeckung
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00:15 10.04.2014
Martin Kind vertraut weiter auf den 96-Coach Tayfun Korkut - trotz akuter Abstiegsgefahr. Quelle: dpa
Hannover

So enttäuscht hat man Martin Kind lange nicht gesehen. Tief in seinen Sitz versunken verfolgte der Klubchef von Hannover 96 die bittere 0:3-Niederlage in der Fußball-Bundesliga beim niedersächsischen Rivalen Eintracht Braunschweig, die den Verein in dramatische Abstiegsgefahr gebracht hat.

Den Abpfiff erlebte Kind schon nicht mehr auf seinem Platz, Stellungnahmen von ihm gab es auch nicht mehr, und wer Kind kennt, der weiß: Da schützte sich einer vor sich selbst und einer unbedachten Äußerung. Am Montag hatte der Klubchef Redebedarf und lud Trainer Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner zum Krisengipfel. Das wichtigste Ergebnis: Korkut, der mit der Mannschaft von den vergangenen zehn Spielen nur eines gewinnen konnte, sitzt auch am kommenden Sonnabend im Heimspiel gegen den Hamburger SV (Anstoß 15.30 Uhr) auf der Trainerbank. „Er hat erst mal das Vertrauen“, sagte Kind der HAZ.

Die Trainerfrage ist damit beantwortet, zumindest bis Sonnabend um 17.15 Uhr. Ob sie sich im Falle einer weiteren Niederlage noch einmal neu stellt, ließ Kind offen: „Unser Ziel ist es, den Abstieg zu vermeiden“, sagte er. Kind, der Ende des Monats 
70 Jahre alt wird, will mit Korkut die Saison möglichst zu Ende bringen, will aber auch nichts unversucht lassen, um den Klassenerhalt zu erreichen. Korkut hat bei Hannover 96 einen Vertrag bis 2016.

Nach dem verhängnisvollen Derby gegen Braunschweig standen die „Roten“ am Montag wieder auf dem Trainingsplatz. Tayfun Korkut und Dirk Dufner stellten sich zudem den Fragen der Presse.

„Momentan hilft alles nichts“, sagte Kind, „wir müssen jetzt die Ruhe bewahren und motivieren. Die Mannschaft wird nun endgültig realisieren, wie die Situation ist und stärker zusammenfinden.“ Ähnliches hatte mittags bereits Dufner gesagt: „Wir müssen eng zusammenrücken. Was wir jetzt brauchen, ist eine Wagenburg-Mentalität. Jeder muss dem Anderen helfen, dann haben wir eine Chance, da unten herauszukommen.“

Kind machte deutlich, dass er „die gesamte Situation der Mannschaft und auch die Transferentscheidungen“ intensiv analysieren wird. Doch eine Generalabrechnung muss erst einmal warten. „Wir müssen die Klasse halten, das wird schwer genug. Bereits das Spiel gegen Hamburg wird ne richtige Nummer“, sagte Kind.

Die Rechnung des Klubchefs: „Wir brauchen noch zwei Siege, dann müssten wir es geschafft haben.“ Notfalls will Kind das Ziel mit kleinen Schritten erreichen: „Vielleicht müssen wir auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein.“ Drei Unentschieden und ein Sieg aus den restlichen fünf Partien gegen Hamburg, Eintracht Frankfurt, den VfB Stuttgart,
1. FC Nürnberg und SC Freiburg würden auch die sechs Punkte ergeben, die der Verein noch benötigt.

Trainer Korkut konnte Kind am Montag im Gespräch davon überzeugen, dass er nach wie vor der Richtige ist für 96: „Er macht einen sehr guten Eindruck und wirkt stabil und ist belastbar. Und er weiß, was er will.“ Auch davon, dass der 40-Jährige die Mannschaft noch erreicht, ist Kind überzeugt: „Ja, das ist der Fall.“ Bestätigt hat das am Montag auch Mannschaftskapitän Lars Stindl. „Absolut“, sagte der in Braunschweig weit unter Normalform spielende Mittelfeldakteur auf die Frage, ob der Trainer noch die richtigen Knöpfe bei den Spielern drücke.

Das große Plus im Abstiegskampf sieht Kind in dem dünnen noch verbliebenen Polster zum Relegationsplatz (zwei Punkte) und zu Platz 17 (drei Punkte). „Noch haben wir es aktiv in der Hand, noch sind wir nicht von den Ergebnissen anderer Klubs abhängig.“

Wie hart ein möglicher Abstieg Hannover 96 treffen würde, machte Kind deutlich: „Wir würden das überleben, aber es wäre fatal. Für mich persönlich wäre dies das Worst-Case-Szenario (zu übersetzen mit: der schlimmste aller denkbaren Fälle, d. Red.). 13 Jahre Arbeit würden dadurch wirklich – freundlich umschrieben – belastet.“

Aber soweit will es Kind gar nicht kommen lassen. Sonnabend gegen den HSV müssen Korkut und die Mannschaft den ersten Schritt Richtung Klassenerhalt machen. Dass der nächste Gegner von Mirko Slomka trainiert wird, Korkuts Vorgänger, gibt der Partie eine besondere Brisanz. Slomka und die Hamburger können mit einem Sieg 96 in der Tabelle überholen – auch das keine schöne Vorstellung.

Gerhard Schröder über 96

Wenig amüsiert von der Leistung der "Roten" reagierte auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, der am Montag seinen 70. Geburtstag feierte:  "Lieber Martin, sag diesen Leuten, die da hoch dotiert Fußball spielen und ausgerechnet im Jahr meines 70. Geburtstags in den Abstiegsstrudel geraten: Jungs, reißt euch den Arsch auf, damit der Abstieg vermieden wird", rief er beim Festakt dem 96-Präsidenten Kind zu.

Pistorius über Fans: "Das ist kriminell"

Am Montag hat sich auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zu Wort gemeldet: "Der illegale Einsatz von Pyrotechnik, wie hier das Werfen von Bengalos in Richtung Trainer, Spieler und Polizeikräfte, ist nicht akzeptabel", kritisierte Pistorius die Fußballfans. "Schlimme Verletzungen werden somit in Kauf genommen. Das ist kriminell und nicht zu tolerieren."

Von Heiko Rehberg und Christian Purbs

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Heiko Rehberg 10.04.2014