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Hannover 96 Slomka fliegt – nach Abu Dhabi
Sportbuzzer Hannover 96 Slomka fliegt – nach Abu Dhabi
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15:20 27.12.2013
Foto: Im neuen Jahr getrennte Wege? Eine weitere Zusammenarbeit von Mirko Slomka (links) und Dirk Dufner bei 96 ist unwahrscheinlich.
Im neuen Jahr getrennte Wege? Eine weitere Zusammenarbeit von Mirko Slomka (links) und Dirk Dufner bei 96 ist unwahrscheinlich. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Hannover

Die Bescherung gibt es erst nach Weihnachten, und es spricht nicht mehr viel dafür, dass es für Mirko Slomka, den mit Vertrag bis 2016 ausgestatteten Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, eine schöne Bescherung wird. „Vor Weihnachten wird nichts passieren“, sagte Klubchef Martin Kind und bleibt damit bei der Linie des Wochenendes.

Kind war am Tag vor Heiligabend mit der Aufarbeitung einer enttäuschenden Hinserie beschäftigt, die nicht nur er nach erfolgreichen, stabilen Jahren für unmöglich gehalten hatte. 96 hat sich – kurioserweise mit der teuersten Mannschaft der Vereinsgeschichte – sportlich zurückentwickelt und ist wieder das, was der Klub zuletzt Anfang 2010 war: ein Abstiegskandidat. Nicht in derart großer Not wie damals, aber keineswegs frei von Sorgen.

Gleich mehrmals telefonierte Kind am Montag mit Sportdirektor Dirk Dufner, abends setzte man sich zusammen. Dass das Ende des Kapitels Slomka zwar noch nicht verkündet, aber wohl schon beschlossen ist, zeigt sich an nicht unwesentlichen Details. Slomka nahm an der Analyse gar nicht mehr teil, der Noch-Trainer war Montagmorgen in den Urlaub nach Abu Dhabi geflogen.

Diese Trainer waren als Nachfolger für 96-Coach Mirko Slomka im Gespräch.

Noch deutlicher zeigt sich die Abkehr von Slomka an dem Treffen am Montagabend zwischen Dufner und Kind, bei dem der Sportdirektor seinem Chef verschiedene Trainernamen und -profile präsentieren sollte. Gemeint sind Namen von möglichen Nachfolgekandidaten und das, was Hannover 96 von einem neuen Trainer erwartet. Außer möglichst schnellem Erfolg, versteht sich.

„Wir werden uns über alle Kategorien unterhalten: erfahrene Trainer, im Abstiegskampf erfahrene Trainer, junge Konzepttrainer“, sagte Kind. „Mal sehen, ob es für jedes Anforderungsprofil überhaupt Namen gibt.“ Der Trainermarkt sei derzeit wahrlich nicht üppig, sagte der Klubchef, selbst die Zahl der Bewerbungen, die sonst stapelweise bei ihm in Großburgwedel eingegangen seien, wenn er auf Trainersuche war, seien diesmal „überschaubar, deutlich reduziert“.

Dufner wird Kind also eine kleine Liste mit Trainernamen vorlegen; wie kreativ er dabei ist, wird spannend zu beobachten sein. Um auf Namen wie Thomas Schaaf, Holger Stanislawski, Thorsten Fink, Markus Babbel, Christian Gross, Michael Oenning, Michael Frontzeck oder Bruno Labbadia zu kommen, braucht 96 keinen Sportdirektor. Und dass Lothar Matthäus gerne überall hinkäme, Hauptsache, er darf mal einen Bundesligisten trainieren, ist ebenfalls kein Geheimnis. Auch dass Zweitligatrainer wie André Breitenreiter (Paderborn), Markus Kauczinski (Karlsruhe) oder Frank Kramer (Fürth) einen guten Job machen, hat sich bis Hannover herumgesprochen. Fällt Dufner, der als Sportdirektor bislang wenig überzeugend agiert hat und Mitschuld an einem Kader mit großer Unwucht trägt, noch ein Überraschungskandidat ein?

Im Umfeld des Klubs gibt es Stimmen, die dafür plädieren, doch mal vorzufühlen, ob sich Ralf Rangnick, Aufstiegstrainer von 2002 und derzeit Sportchef bei RasenBallsport Leipzig und Red Bull Salzburg, nicht eine Rückkehr ins Trainergeschäft vorstellen könnte.

Das letzte Spiel vor der Winterpause für die "Roten": Hannover 96 gegen den SC Freiburg

Kind plädiert jedenfalls für eine „mutige Lösung. Ich persönlich würde schon gerne auf die Zukunft setzen“, sagte er der HAZ. „Im alten Kreisverkehr weiterzufahren, hat doch keinen Sinn.“ Damit würden Labbadia und Co. ausscheiden und Trainertypen wie Breitenreiter in den Fokus geraten. „Breitenreiter wäre solch ein Trainer, der jung ist und perspektivisch. Auch über solche Typen werde ich mit Herrn Dufner diskutieren. Auch, ob es Sinn macht oder wir den Mut haben, einen solch jungen, unerfahrenen Trainer zu holen.“

Lediglich für Rangnick und den früheren Werder-Bremen-Trainer Thomas Schaaf würde Kind vermutlich stundenlang im Kreisverkehr fahren. Schaaf war lange Zeit sein Wunschtrainer, den er nicht bekommen konnte, weil Schaaf und der SV Werder untrennbar schienen. Jetzt ist Schaaf frei und zu haben und mit ihm das, wofür er in Bremen jahrelang stand und was Kind sich für die „Roten“ wünscht: Kontinuität, Ruhe, Erfolg.

Doch erste vorsichtige Sondierungen im Umfeld von Schaaf haben am Montag ergeben, dass er als Kandidat ausscheidet. „Er wird es nicht und will es nicht“, sagte Kind, „er hat da seine eigene Denke.“ Nach HAZ-Informationen wurde 96 aus dem Schaaf-Umfeld signalisiert, dass dieser nicht im Laufe der Saison für einen entlassenen oder vor der Entlassung stehenden Kollegen einspringen würde. „Schaaf wird in der Rückrunde keinen Trainerjob in der Bundesliga annehmen“, sagte Kind.

Doch der Klubchef muss ohnehin erst einmal den Fall Slomka lösen. Egal, wie die Entscheidung am Ende ausfalle, sagte Kind am Montag, „das Ganze wird sehr, sehr teuer für 96“. Allein die Abfindung für Slomka soll mehr als eine Million Euro betragen. „Wenn ein neuer Trainer kommt“, sagte Kind, „muss auch das Umfeld neu strukturiert werden.“ Es gäbe also einen neuen Trainerstab; und jeder neue Coach fordert per se Verstärkungen. „Und“, sagte Kind, „jede Entscheidung, die wir jetzt treffen, birgt ein Risiko. Eine Garantie gibt es nicht.“

Die Weihnachtszeit wird mit Sicherheit keine ruhige für den 96-Chef.

Von Norbert Fettback, 
Jörg Grußendorf
 und Heiko Rehberg

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