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Hannover 96 Pinto: „Die Entwicklung ist klasse“
Sportbuzzer Hannover 96 Pinto: „Die Entwicklung ist klasse“
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10:11 18.11.2011
Von Christian Purbs
Sergio Pinto hatte es im Spiel gegen Schalke mit Weltstar Raúl zu tun. Quelle: dpa
Hannover

Herr Pinto, welche Stadt in Deutschland – außer Hannover – gefällt Ihnen am besten?

Ich fühle mich in Aachen sehr wohl, auch weil meine Familie von dort kommt.

Wie sieht‘s aus mit München, Leverkusen, Wolfsburg?

Das sind halt Städte.

Zumindest bei den dortigen Fußballfans sind Sie nicht sonderlich beliebt. Ein Sprichwort sagt: „Viel Feind, viel Ehr!“ Trifft das auf Sie zu?

Da schmunzele ich nur drüber. Für mich sind die Vorfälle abgehakt, ich konnte ja nichts dafür. Wolfsburg ist die Ausnahme – und da stehe ich zu meinen Aussagen.

Die hatten es auch in sich: „Wolfsburg ist keine Stadt“ und „Wolfsburg ist doch nur VW“ , haben Sie vor dem letzten Heimspiel im Februar gesagt.

Da ging es aber nicht um meine Person, sondern um Christian Schulz. Ich wollte ihn damals dazu bringen, nicht nach Wolfsburg zu wechseln. Das hat ja auch geklappt (lacht).

Sind Sie auf dem Platz ein böser Junge?

Nein. Ich tue ja niemand etwas. Ich habe noch nie jemanden verletzt, außer Michael Ballack. Deshalb verstehe ich die ganze Aufregung auch gar nicht. Ich versuche immer, das Beste für meine Mannschaft herauszuholen. Dafür tue ich alles.

Aufgeregt hat sich auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Nach dem 1:2 der Münchener in Hannover vor gut drei Wochen hat er Ihnen wiederholte Schauspielerei vorgeworfen.

Ich wurde von Rafinha gefoult und dabei klar getroffen – was man während der nächsten Tage auch an meinem Fuß sehen konnte. Für alles, was danach passiert ist, bin ich nicht verantwortlich.

Spieler wie Eric Cantona, Paul Gascoigne oder Oliver Kahn haben durch ihre Art polarisiert und auch provoziert. Entdecken Sie da Gemeinsamkeiten?

Es wäre eine Ehre für mich, wenn ich mit solch großen Spielern verglichen werden würde. Ich meine aber nicht, dass ich ein ähnlicher Typ bin. Bis auf einmal habe ich meine Klappe nie groß aufgerissen. Nur vor dem Spiel gegen Wolfsburg, aber da ging es nicht um mich, sondern um Christian Schulz. Erst danach habe ich mich verleiten lassen, etwas mehr zu sagen, als ich eigentlich wollte. Aber ich habe ja recht behalten. Ob ich dadurch in einer bestimmten Ecke stehe, müssen andere beurteilen. Ich kann jedenfalls gut schlafen.

Prima Stichwort. Hoeneß hatte sich wegen Ihrer angeblichen „Schauspielerei“ große Sorgen um Ihre Nachtruhe gemacht. Wie war die Nacht?

Ich habe sehr gut geschlafen.

Er hat Sie sogar für den Oscar vorgeschlagen.

Ich habe ja nicht einmal Zeit, mir die Oscar-Verleihung im Fernsehen anzuschauen.

Haben Sie schon einmal auf der Bühne gestanden, vielleicht bei einem Theaterstück in der Schule?

Nee, ich habe immer zugeschaut.

Bei der Oscar-Verleihung sind auch die berühmten Schauspieler da. Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler?

Johnny Depp. Er schafft es, sich in die verschiedenen Rollen, die er spielt, perfekt hineinzuversetzen. Das imponiert mir.

Eine gute Rolle spielt auch Hannover 96 in dieser Saison. 19 Punkte sind es nach dem 12. Spieltag. Sind Sie damit zufrieden?

Wir könnten mehr Punkte haben. Es gab Heimspiele, die wir hätten gewinnen müssen. Und auswärts war es bislang nicht so rosig. Wir machen uns das Leben in dieser Saison selbst unnötig schwer. Gegen die Bayern müssen wir besser spielen, in Nürnberg waren wir nach der Pause nicht gut, in Poltawa führten wir souverän mit 2:0, nach der Halbzeit ging gar nichts mehr. Das müssen wir unbedingt abstellen. Wir sind fußballerisch noch nicht da, wo wir in der vergangenen Saison waren. Wir sind erfolgreich, mit Ausnahme von drei, vier Begegnungen haben wir aber noch keinen schönen Fußball gespielt.

Dennoch bleiben die Siege gegen die Bayern, Dortmund und Bremen in Erinnerung.

Gegen Bremen haben wir nur 3:2 gewonnen. Vergangenes Jahr hätten wir das Spiel vielleicht 4:1 oder 5:1 gewonnen, weil wir damals besser gespielt haben. Für uns ist es auch schwieriger geworden, weil fast alle Mannschaften gegen uns anders spielen. Bis auf die Bayern und Dortmund stellen sich alle erst einmal hinten rein. Ein Beispiel: Wir fahren nach Kopenhagen, und die ziehen sich zurück und warten ab. Wer hätte das gedacht.

In Kopenhagen haben 10.000 Fans Ihre Mannschaft unterstützt. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?

In Bochum (entscheidendes Spiel um den Klassenerhalt im Mai 2010; d. Red.) war es ähnlich, da habe ich unsere Fans auch mehr wahrgenommen als die des Gegners. Das zeigt, wie viele Menschen sich mit 96 identifizieren. Vor zwei Jahren war an so etwas gar nicht zu denken. Insofern ist die Entwicklung klasse.

Viele 96-Fans werden am Sonnabend auch in Wolfsburg im Stadion sein. Das Spiel ist um 17.20 Uhr zu Ende, da bliebe noch reichlich Zeit für einen kleinen Stadtbummel ...

Wir müssen als Mannschaft zusammen zurückfahren. Von daher erübrigt sich das.

Hinfahren, drei Punkte abholen und dann schnell wieder weg. Ist das der Plan?

Das ist der Idealfall.

Interview: Christian Purbs

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