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Hannover 96 Der untröstliche Bittencourt
Sportbuzzer Hannover 96 Der untröstliche Bittencourt
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00:19 25.03.2015
Von Christian Purbs
... und dann geht alles den Bach runter: Joselu (r.) und Lars Stindl können den Platzverweis für Leonardo Bittencourt (2. v. r.) nicht fassen.
... und dann geht alles den Bach runter: Joselu (r.) und Lars Stindl können den Platzverweis für Leonardo Bittencourt (2. v. r.) nicht fassen. Quelle: Maike Lobback
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Auf den Gesichtern der 96-Spieler waren die Spuren des Spiels deutlich zu erkennen. Auf dem Weg in die Kabine spiegelten sich in ihnen die Facetten der Niederlage, das ganze Repertoire: Frust, Ärger, Wut, Enttäuschung. Und als Leonardo Bittencourt, bereits frisch geduscht, in der Mixed-Zone auftauchte, kam noch eine weitere Facette hinzu: die der Untröstlichkeit. „Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen. Es tut mir sehr leid“, sagte der Offensivspieler der „Roten“.

Wie ein Häufchen Elend stand der 21-Jährige da und spiegelte damit auch die derzeitige Situation von 96 wider. Da hatte die Mannschaft gegen Borussia Dortmund eine starke Leistung gezeigt, war nach dem Ausgleich, den Bittencourt erst mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Jakub Blaszczykowski und dann mit einem feinen Pass für den Torschützen Lars Stindl vorbereitet hatte, ganz nah dran am ersten Sieg in diesem Jahr. Und dann geht durch eine unbedachte Aktion alles den Bach runter.

Für Hannover 96 und Trainer Tayfun Korkut wird es immer ungemütlicher. Nach dem 2:3 (1:1) gegen Borussia Dortmund geraten die „Roten“ immer tiefer in den Abstiegssumpf.

Es war die 55. Minute, als Bittencourt das Spiel entschied: Nur sechs Minuten nach seiner ersten Gelben Karte bekam er nach einem Foul an Sebastian Kehl die zweite Verwarnung und musste den Platz verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Mittelfeldspieler eines seiner besten Spiele im 96-Trikot gemacht. Auf der linken Seite narrte er BVB-Verteidiger Oliver Kirch ein ums andere Mal, und auch in den Zweikämpfen zeigte Bittencourt eine Robustheit, wie sie bei ihm bislang nur selten zu sehen war. Sein einziges Manko in einer blitzsauberen 1. Halbzeit war seine vergebene Großchance in der 34. Minute, als er allein vor Borussen-Torwart Roman Weidenfeller auftauchte und zu überhastet abschloss. Fast alles war gut - bis zur 55. Minute.

Denn für die in dieser Phase des Spiels völlig aus dem Tritt geratenen Dortmunder war dieser Platzverweis das Beste, was ihnen passieren konnte. „Für uns war es in der Situation ein Geschenk“, sagte BVB-Profi Kehl. Für Bittencourt hingegen wurde das Spiel gegen seinen früheren Club, der noch immer eine Rückkaufoption für ihn besitzt, zum Albtraum. „Wenn wir mit elf Mann weiterspielen, gewinnen wir“, sagte der 21-Jährige und haderte mit der Entscheidung von Schiedsrichter Felix Brych. „Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl kann er mich weiterspielen lassen“, sagte der 96-Profi: „Es waren ja keine groben Fouls.“

Zwei Tore erzielte Lars Stindl für Hannover 96 gegen Borussia Dortmund. Doch die starke Leistung des Kapitäns und Antreibers wurde noch einem Mitspieler übertroffen: Salif Sané war erneut der beste Feldspieler bei den „Roten“. So war die Mannschaft von Tayfun Korkut gegen den BVB in Form.

„Manchmal braucht man auch etwas Glück. Der Platzverweis für Hannover hat uns natürlich geholfen“, sagte BVB- Trainer Jürgen Klopp und lobte seinen ehemaligen Spieler. „Leo hat ein richtig gutes Spiel gemacht, er war hoch motiviert und kann nun einmal auch gut kicken. Er wird erwachsen.“ Hört sich prima an. Doch trösten konnte Bittencourt an diesem Tag niemand.

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