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Hannover 96 Die Sonderfahrt
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08:43 05.04.2014
Viele Provokationen gab es bereits vor dem Spiel gegen Braunschweig – was wird am Sonntag passieren? Quelle: Felix Schledding
Hannover

Zwei Tage vor dem Bundesliga-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 lassen Provokationen und immer wieder aufflammende Aggressionen der Fans nichts Gutes für den Spieltag erwarten. In Hannover erreichte die Fehde zwischen beiden Fangruppen am Freitag einen Tiefpunkt, als Anhänger der Eintracht ein totes Lamm am Trainingsgelände von Hannover 96 aufhängten. Neben dem grün bemalten Tier hing ein Schild mit der Aufschrift „Am Sonntag geht euch Mistviechern die Luft aus“. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Am Nachmittag demonstrierten Anhänger von Hannover 96 ihrerseits vor der Geschäftsstelle des Vereins dagegen, dass die 2200 Inhaber von Auswärtskarten am Sonntag gezwungen sein werden, in rund 50 von der Polizei eskortierten Bussen nach Braunschweig zu reisen. Sie wollten erzwingen, dass der Verein ihnen die Karten im Vorhinein herausgibt – so wie der Klub es bei zehn 96-Fans tun muss, die dies vor Gericht erstritten hatten (siehe nebenstehenden Text). Die Maßnahme ist in der Bundesligageschichte ohne Beispiel. Die Sicherheitskräfte halten sie aber nach der Randale rund um das Hinspiel zwischen beiden Klubs im vergangenen November für unabdingbar.

Die hannoverschen Ultras indes laufen Sturm gegen die Maßnahme. Eine Gruppierung hat für Sonntag sogar eine Demonstration durch Hannovers Innenstadt angemeldet. Von 11 Uhr an wollen sich etwa 1000 Fans am Opernplatz versammeln und mit einem Marsch über Windmühlen- und Osterstraße zur Waterloostraße und wieder zurück in die Innenstadt für die „Grundrechte von Fußballfans“ demonstrieren. Die Schlusskundgebung soll um 13.15 Uhr am Ernst-August-Platz stattfinden. Ursprünglich hatten die Ultras, die keine Karten für das Derby haben, eine Demonstration in Braunschweig angemeldet. Die Stadt genehmigte ihnen allerdings nur eine Kundgebung unter Auflagen. Dies wollten die Hannoveraner nicht akzeptieren.

Das aufgehängte Lamm am 96-Trainingsgelände stellte am Freitag lediglich den Höhepunkt der Provokationen von Braunschweiger Seite dar. Schon am Donnerstagmorgen hatten Unbekannte die Waterloosäule mit gelben und blauen Farbflecken versehen. Am Eingang der Fangaststätte „Nordkurve“ in unmittelbarer Nähe des hannoverschen Stadions wurden ähnliche Schmierereien entdeckt. Ein paar Tage zuvor war auch der Fanshop an der HDI-Arena betroffen. Der gestrige Vorfall aber stellte diese Geschmacklosigkeiten noch einmal in den Schatten. „Das ist eine abartige Tat. So etwas sollte man nicht kommentieren und auch keine Plattform dafür geben“, sagte Hannover-96-Sportdirektor Dirk Dufner. „So etwas ist nicht nachvollziehbar und in sich pervers.“ Schon vor dem Hinspiel hatten Eintracht-Rowdys ein Tier dazu missbraucht, die Gegenseite zu provozieren. Sie banden einer Sau einen Hannover-96-Schal um, beschmierten sie mit Parolen und setzten sie in der hannoverschen Oststadt aus.

Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann appellierte am Freitag noch einmal an alle Fußballfans, alles zu unterlassen, „was die gute Stimmung beeinträchtigen und das Ansehen von Stadt und Eintracht Braunschweig schädigen könnte“. Zwar sei er zuversichtlich, dass die Polizei alles unternehmen werde, um die Sicherheit rund um das Stadion und in der Stadt zu gewährleisten. „Es ist aber bedauerlich, dass ein so schönes, traditionsreiches Fußballspiel ein so großes Aufgebot von Sicherheitskräften erforderlich macht, das den Steuerzahler wieder einmal viel Geld kostet“, so Hoffmann.

Diese Sicherheitskräfte wollen am Sonntag nichts dem Zufall überlassen. „Wir werden mit den Bussen am Morgen auf dem Schützenplatz warten“, sagte der Braunschweiger Polizeisprecher Rainer Raschke. „Ab 11.30 werden dann jeweils sieben Busse von dort starten und die Gruppen von jeweils 300 bis 340 Fans direkt vor das Stadion in Braunschweig bringen.“ Im Bus können die Fans ihren zuvor von Hannover 96 zugeschickten Gutschein gegen eine Eintrittskarte für das Spiel eintauschen. Alkohol ist im Bus nicht erlaubt, ebenso wenig das Mitnehmen von Glasflaschen.

Nach den letzten sieglosen Spielen muss ein Sieg her – ausgerechnet in Braunschweig. Am Freitag bereitete sich Hannover 96 auf das brisante Niedersachsenderby bei der Eintracht vor.

Von den Protesten gegen die geplante Maßnahme zeigte man sich bei Hannover 96 am Freitag unbeeindruckt. Dort will man das vorgesehene rigide Sicherheitskonzept am Sonntag durchziehen – trotz des Erfolges, den die zehn klagenden Anhänger vor Gericht erzielt haben. „Wir wollen an dieser Stelle deutlich sagen, dass das Sicherheitskonzept nicht Gegenstand des Verfahrens war und in keinster Weise tangiert wurde“, sagte Klubsprecher Alex Jacob. Um ebenfalls von der bestehenden Regelung ausgenommen zu werden, müssten die restlichen 246 Auswärtsdauerkartenbesitzer auch vor Gericht ziehen. „In diesem Fall bezweifle ich aber, dass eine Verfügung bis Sonntag erreicht wird“, sagte Polizeisprecher Rainer Raschke.

Dennoch bedauert man beim Bundesligisten, dass das Derby mit Einschränkungen für die Fans verbunden ist. „Dass wir die Fans mit Bussen zum Spiel nach Braunschweig bringen, ist nichts, was wir besonders toll finden und gerne machen, sondern um unserer Verantwortung, die Sicherheit zu gewährleisten, nachzukommen“, sagte Sportdirektor Dirk Dufner, der Verständnis für die Anhänger zeigte. „Es ist uns bewusst, dass die meisten Fans wie immer zu einem Auswärtsspiel ganz normal anreisen möchten. Aber es ist kein normales Spiel, und das wissen auch die Fans.“

Jörn Kießler und Christian Purbs

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Mit einer geschmacklosen und grausigen Aktion haben Unbekannte die Rivalität vor dem Bundesligaderby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 weiter angeheizt. Am Freitag hing ein mit grüner Farbe bemaltes totes Lamm am Zaun des 96-Trainingsgeländes. Die Polizei ermittelt.

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