Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover 96 Robert Enke: Immer
 lebendig in 
den Herzen
Sportbuzzer Hannover 96 Robert Enke: Immer
 lebendig in 
den Herzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:52 11.11.2009
Von Heiko Rehberg
Robert Enke ist tot. Quelle: Ulrich zur Nieden
Anzeige

Nur für eine Sekunde die Augen zumachen, und wenn man sie wieder öffnet, dann ist die Welt wieder so wie vor dieser unfassbaren Nachricht. Und in dieser Welt geht Robert Enke heute zum Training, hält ein paar Schüsse, die nur ein großer Torwart wie er hält. Die Zaungäste applaudieren, und wenn das Training vorbei ist, dann geht Enke in die Kabine, und jeder junge Fan, der ihn nach einem Autogramm fragt, wird eines bekommen. So wie immer.

Doch nichts ist mehr wie immer. Diese Welt gibt es nicht mehr. Robert Enke ist tot, und heute, morgen und ganz lange wird es kein Trost sein, dass er immer lebendig bleiben wird in den Herzen der Menschen, und zwar nicht nur der Fußballfans. Für sie, die jede Woche ins Stadion gingen oder vor dem Fernsehgerät die Spiele von Hannover 96 verfolgten, war Enke ein Held, weil es lange keinen Torhüter gab, der so unaufgeregt aufregende Paraden gezeigt hat.

Anzeige
Robert Enke nahm sich am 10. November 2009 das Leben. Spontan stellten trauernde Fans Kerzen auf.

Doch Enke bewunderten auch viele Menschen, die mit Fußball nichts oder kaum etwas zu tun hatten. Als im September 2006 Enke und seine Frau Teresa ihre Tochter Lara verloren, rührte dieses Schicksal Millionen von Menschen. Die Enkes wurden zum Vorbild für andere, die wie sie einen geliebten Menschen verloren hatten und Kraft und Halt suchten. An den Enkes und wie sie damit umgingen, konnten sie sich orientieren. Als Robert Enke im Mai dieses Jahres erzählte, dass er und seine Frau ein kleines Mädchen adoptieren werden, da freute sich ganz Hannover aufrichtig.

Das Glück schien zurückgekehrt zu Robert Enke, und dass er plötzlich wegen einer Erkrankung nicht mehr die Nummer 1 im Nationaltor war, das war ein großes Thema vor allem bei 96 und in Hannover. Und trotzdem war es nebensächlich, denn Enke, da waren sich alle sicher, würde sich schon zurückkämpfen, so wie er das in der Vergangenheit immer gemacht hatte als Torwart. Wer es von der 2. spanischen Liga ins Nationaltor geschafft hat, für den kann doch kein Weg zu weit sein, erst recht nicht der zwischen die Pfosten, die ihm wichtig waren, aber längst nicht alles bedeuteten.

Dass dieser Robert Enke freiwillig aus dem Leben geschieden ist, mag man vor diesem Hintergrund nicht glauben. Aber wer kann schon in einen Menschen reinschauen? Eine Selbsttötung schreit immer nach der Frage Warum. Und es ist vor allem für diejenigen, die ihm nahestanden, zutiefst beunruhigend, dass es darauf keine Antworten gibt, erst recht keine einfachen Antworten. War für Enke, der sehr ehrgeizig war, der Druck im manchmal brutalen Fußballgeschäft doch zu groß? Hatte ihm das ständige Auf und Ab in seiner Karriere und in seinem Leben doch mehr zugesetzt als man sehen konnte durch die Augen der Kameras?

Niemand kann sich anmaßen, darauf ein Ja oder Nein zu finden, am allerwenigsten wir Journalisten, auch wenn wir jede Woche mit Robert Enke zu tun und ein festes Bild von ihm hatten.

Momentan ist da nur eine große Traurigkeit und eine fast lähmende Betroffenheit. Und der Wunsch, dass Robert Enke für immer so in Erinnerung bleibt, wie wir und viele ihn erlebten haben: als nachdenklichen, sympathischen und zuvorkommenden Menschen. Und als Sportler, der bei vielen Kindern einen großen Wunsch hervorrief: einmal so ein toller Torwart werden wie Robert Enke.