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Hannover 96 Zieler greift nach einer Führungsrolle
Sportbuzzer Hannover 96 Zieler greift nach einer Führungsrolle
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00:15 16.01.2014
Von Björn Franz
„Ich meine, dass ich in der Position bin, eine Führungsrolle zu übernehmen“: 96-Torwart Ron-Robert Zieler wird seit einiger Zeit häufiger vor Kameras und Mikrofonen gesichtet.Treblin
„Ich meine, dass ich in der Position bin, eine Führungsrolle zu übernehmen“: 96-Torwart Ron-Robert Zieler wird seit einiger Zeit häufiger vor Kameras und Mikrofonen gesichtet. Quelle: Nigel Treblin
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Unmittelbar vor dem Pausenpfiff musste er zum ersten Mal seine Klasse zeigen. Ron-Robert Zieler stürzte dem frei vor ihm auftauchenden Sandro Wagner entgegen, wehrte den ersten Schuss des Stürmers von Hertha BSC Berlin zur Seite ab und entschärfte dann mit dem Fuß auch noch Wagners Nachschuss aus spitzem Winkel. Kurz darauf endete die 1. Halbzeit und damit auch Zielers Arbeitstag. Zu null im ersten Testspiel für die Bundesliga-Rückrunde, bei dem es bis zum Ende torlos blieb. Das neue Fußballjahr hätte schlechter anfangen können für den Torhüter von Hannover 96.

Zeit zum Ausspannen: 96-Torwart Ron-Robert Zieler und Mittelfeldspieler Edgar Prib nutzen die trainingsfreie Zeit zum Strandspaziergang.

Um Beispiele zu finden, muss man nicht weit zurückblicken. Neun Tore kassierte Zieler in den letzten drei Spielen der Hinrunde. Dass er dabei - wie bei den meisten der insgesamt 31 Gegentreffer in dieser Saison - meist chancenlos war, mindert den Frust nur wenig. „Es war keine schöne Hinrunde, und wir waren alle unzufrieden, dass wir nach dem guten Start so stark nachgelassen haben“, sagt Zieler. „Gerade nach der Art und Weise, wie wir uns in den letzten Hinrundenspielen präsentiert haben, sind wir alle sehr unzufrieden in den Urlaub gefahren.“

Zielers Blick geht nach vorn

Doch jetzt geht der Blick nach vorn. Mit dem Trainerwechsel, dem ersten in seiner Profikarriere, verbindet der Nationaltorwart auch so etwas wie einen Neuanfang. „Es ist sicher eine Umstellung, aber durch neue Dinge sammelt man auch neue Erfahrungen und kann sich weiterentwickeln“, meint er. Dass die Mannschaft beim ersten Test unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut ohne Gegentor blieb, dürfte den Glauben in das neue taktische Grundgerüst stärken. „Das System verlangt von jedem höchste Konzentration“, erklärt Zieler seine ersten Eindrücke. „Da darf sich keiner einen Moment ausruhen oder unaufmerksam sein, sonst könnten wir Probleme bekommen.“

Und Probleme hatte die Mannschaft in der Hinrunde genug für die ganze Saison. Das sieht auch Zieler so. „Ich bin der Ansicht, dass wir extrem viele gute Typen in unserer Mannschaft haben“, sagt der 24-Jährige. „Aber leider Gottes musste man im Spiel schon oft von außen den Eindruck bekommen, dass vielleicht jeder erst einmal mit sich selber beschäftigt war.“ Die Stimmung in der Kabine sei zwar ordentlich gewesen. „Aber ich habe es vor zwei Jahren eben auch schon erlebt, dass wir eine Top-Atmosphäre hatten und wirklich jeder für jeden gekämpft hat.“ Und das, so hofft er, soll bald auch mit dem aktuellen Team so sein.

Zieler nimmt Führungsrolle ein

Dabei nimmt Zieler für sich durchaus eine Führungsrolle in Anspruch. Zuletzt sah man den oft etwas zurückhaltend wirkenden gebürtigen Kölner immer häufiger vor den Fernsehkameras und in der Mixed-Zone, in der die schreibenden Journalisten nach Spielen auf die Profis warten. „Es ist sicher ein Stück weit auch eine bewusste Entscheidung“, gesteht der 96-Torwart, der in Mannschaftskreisen eher als Einzelgänger gilt. „Aber es ist auch etwas, in das man hineinwächst. Ich bin jetzt seit mehr als zwei Jahren deutscher Nationalspieler, habe da viele neue Eindrücke gewonnen, habe ein großes Turnier erlebt, die komplette WM-Qualifikation mitgemacht und habe auch schon mein 100. Bundesligaspiel absolviert. Ich meine, dass ich in der Position bin, eine Führungsrolle zu übernehmen.“

Ron-Robert Zieler gehörte seit der Saison 2010/11 zum Team von Hannover 96.

Seine mediale Offensive hat jedoch auch noch einen anderen Hintergrund. Denn obwohl Zieler seit zwei Jahren regelmäßig zum Kreis der Nationalmannschaft gehört, hat er bundesweit - verglichen mit seinen Konkurrenten Manuel Neuer, René Adler und Roman Weidenfeller - noch immer ein blasses Image. Während Marc-André ter Stegen, der ebenfalls um einen Platz im WM-Kader kämpfende Keeper von Borussia Mönchengladbach, mit dem großen FC Barcelona in Verbindung gebracht wird, fällt der Name Zieler in den Medien überraschend selten, wenn es um mögliche neue Torhüter für den FC Schalke oder die Borussia geht, die dem Vernehmen nach auf der Suche sind. „Ich glaube schon, dass Vereine mich auf dem Zettel haben“, sagt Zieler ein wenig trotzig. „Aber das ist für mich im Moment kein Thema.“

Dabei könnte er die „Roten“ durch eine Ausstiegsklausel in seinem noch bis zum Saisonende 2015 laufenden Vertrag bereits im Sommer verlassen, wenn sich bis Ende April ein Klub meldet, der die festgeschriebene Ablöse bezahlt, die bei etwa 6,5 Millionen Euro liegen soll. Daher hat 96 durchaus Interesse, seinen einzigen deutschen Nationalspieler längerfristig zu binden. Nur, so meint Dirk Dufner, sei dazu jetzt nicht unbedingt der beste Zeitpunkt. „Wenn man in einer so schwierigen sportlichen Situation ist wie wir, dann ist das kein guter Moment, um mit einem Torwart zu verhandeln, der die Ambitionen hat, bei der WM für Deutschland zu spielen“, sagt der 96-Sportdirektor. „Ron hat bei uns höchste Priorität, das weiß er auch. Und sobald wir nach dem Trainerwechsel wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen sind, werden wir uns auch mit ihm zusammensetzen.“

Zieler will sich für Brasilien anbieten

Man müsse auch einmal Geduld haben, sagt Dufner. Und das scheint auch Zieler so zu sehen. „Aktuell hatten wir andere Probleme. Wir haben einen neuen Trainer und bereiten uns auf eine schwere Rückrunde vor“, sagt er. „Insofern sehe ich im Moment keinen Handlungsbedarf, zumal ich ja nach dieser Saison auch noch ein Jahr Vertragslaufzeit habe.“ Und auch die Tatsache, dass 96 in dieser und wohl auch in der kommenden Saison nicht im internationalen Geschäft dabei ist, wertet Zieler - zumindest öffentlich - nicht als Problem. „Sicher ist es schön, international zu spielen. Und langfristig ist das auch wieder mein Ziel“, sagt er. „Aber ich weiß, dass die Bundesliga ein sehr hohes Niveau hat und es in erster Linie darauf ankommt, dort Woche für Woche gute Leistungen zu bringen. Daran orientieren sich die Nationaltrainer in erster Linie.“ Und denen will Zieler in den kommenden Wochen und Monaten gute Argumente liefern, ihn trotz der großen Konkurrenz mit zur WM nach Brasilien zu nehmen. Zu-null-Spiele sind dabei nicht der schlechteste Anfang.

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