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Hannover 96 Schlaudraffs nächster Volltreffer
Sportbuzzer Hannover 96 Schlaudraffs nächster Volltreffer
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13:17 12.12.2011
Schlaudraff (l) feiert seinen Treffer zum 1:1 mit seinem Teamkollegen Karim Haggui gegen den Hamburger SV.
Schlaudraff (l) feiert seinen Treffer zum 1:1 mit seinem Teamkollegen Karim Haggui gegen den Hamburger SV. Quelle: dpa/Archiv 26.11.2011
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Man kann sich gar nicht sattsehen daran. Am Wochenende wurde dieses wunderschöne Tor im TV und auch in der AWD-Arena immer wieder gezeigt. Dieser Volleyschuss von Jan Schlaudraff gegen den Hamburger SV, dieses „Tor des Monats November“. Einfach nur herrlich.

Aber das „Tor des Monats“ und die Medaille der ARD-„Sportschau“– es war bereits seine zweite – nahm der 28-Jährige nur am Rande mit. Viel größere Bedeutung hatte für ihn, besonders aber für Hannover 96 und seine Fans, Schlaudraffs begehrte Unterschrift unter einen neuen Kontrakt. Bereits am Freitagmittag hatte sich der Stürmer mit 96 darauf geeinigt, seinen Vertrag, der noch bis 2012 galt, bis zum 30. Juni 2015 zu verlängern. Er sorgte damit für riesigen Jubel im Umfeld der „Roten“.

Bester Hannoveraner

Bekanntgegeben wurde diese Entscheidung erst am Sonnabendabend unmittelbar nach dem Schlusspfiff der Partie gegen Bayer Leverkusen. Einer Partie, in der wieder einmal deutlich wurde, welch enormen Wert Schlaudraff inzwischen für die „Roten“ hat. Stand er früher für Probleme und Ausreden, so ist er zur konstanten Größe geworden, ohne die man sich derzeit 96 kaum vorstellen kann. Er ist für die schönsten Tore und für die besonderen Momente zuständig, hat immer mal etwas Überraschendes parat – und er vergisst bei aller Zauberei auch das Arbeiten nicht.

Gegen Bayer war er bester Hannoveraner, auch wenn ihm die Krönung in Form eines Tores versagt blieb. Mit seiner Direktabnahme traf er freistehend nur Bayer-Torwart Bernd Leno.

Dennoch, Schlaudraff war der Mann des Spiels, der Mann des Wochenendes. „Ich weiß, was ich hier habe“, sagte der frühere Aachener und Münchener. „Ich habe hier alles mitgemacht, mich kann hier nichts mehr überraschen.“ Er habe in den dreieinhalb Jahren in Hannover alle Höhen und Tiefen erlebt.

Das hat er wirklich, und zwar in einem Ausmaß wie kaum ein anderer vor ihm. So ist es gerade mal etwas mehr als ein Jahr her, dass 96-Klubchef Martin Kind verkündet hatte, dass Schlaudraff nie wieder für die „Roten“ spielen werde. Der Unternehmer konnte die „Schlaffi-Mentalität“ des talentierten Stürmers nicht mehr ertragen.

Es kam dann ganz anders. Gott sei Dank, könnte man sagen. Schlaudraff scheint seine Lektion und diesen „allerletzten Weckruf“ (Kind) verstanden zu haben. Er hat hart an sich gearbeitet. Das einstige „Sorgenkind“, das als verwöhnter Großverdiener ohne Leistung verschrieen war, ist zu einem, auch wenn man mit dieser Vokabel sehr vorsichtig sein muss, Führungsspieler geworden. Er ist mitverantwortlich oder besser: Er steht für den Wandel von 96 vom Abstiegskandidaten zum arrivierten Bundesligisten mit Europapokalambitionen. Ein Klub, von dem Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nach dem 0:0 sagte, dass „er nicht mehr zur Laufkundschaft gehört“.

Schlaudraff („Ich weiß von meinem Berater, dass es einige lose Anfragen anderer Vereine, aber nichts Konkretes gab“) hat dazu beigetragen – und will das weiter tun. „Er war abgemeldet und hat gezeigt, dass man sich auch in harten Zeiten zurückbeißen kann“, sagte Trainer Mirko Slomka, „er kann helfen, junge Spieler besser zu machen.“ Die Vertragsverlängerung sei ein wichtiger Schritt für 96, fügte der Coach an. Das sieht Sportdirektor Jörg Schmadtke genauso. „Es ist ein gutes Signal zur richtigen Zeit“, sagte der 47-Jährige.

Schmadtke will die talentierte wie entwicklungsfähige Mannschaft zusammenhalten. Seine nächsten schwierigen Aufgaben sind die Vertragsgespräche mit Christian Pander und Manuel Schmiedebach.

Für Letzteren hat Schlaudraff übrigens eine Rat parat: „Ich habe ja auf Geld verzichtet. Das kann der ,Manu‘ jetzt auch tun“, sagte der 28-Jährige schmunzelnd, „dann wird er sich ganz schnell mit dem Verein einigen.“

Jörg Grußdorf

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