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Hannover 96 Ein schauriger Anblick
Sportbuzzer Hannover 96 Ein schauriger Anblick
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00:19 11.11.2015
Von Jörg Grußendorf
Das typische 96-Gesicht: Solche Mienen und Gesten wie von Christian Schulz (von links), Ron-Robert Zieler und Trainer Michael Frontzeck sind in der bisherigen Saison nach Heimspielen fast schon Normalität Quelle: Fotos: Sielski (2), Treblin
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Hannover

Es ist Pause. Zum Glück. Leider aber nur eine Woche wegen der Länderspiele und nicht die ersehnte Winterpause - mit neuer Transferperiode und Hoffnung auf zumindest etwas Besserung durch mehrere Neuzugänge. So aber müssen die leidgeprüften Fans von Hannover 96 wohl oder übel noch etwa sechs Wochen und fünf Spiele lang einiges über sich ergehen lassen, so einiges ertragen.

Hannover 96 gegen Hertha BSC in der HDI-Arena. Die Bilder vom Spiel.

Auch wenn der Auftritt der „Roten“ vom Freitagabend beim 1:3 gegen Hertha BSC Berlin den elf vorausgegangenen Spielen in dieser Saison sehr ähnelte: Das Unverständnis und das Missfallen über derartige Nicht-Leistungen der Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck gerade vor eigenem Publikum werden immer größer. Den meistens Fans graut nach fünf Niederlagen in sechs Heimspielen mit einfallslosem Gekicke geradezu vor den nächsten Auftritten in der HDI-Arena. Es war mitunter grauenhaft, was 96 gegen Hertha anbot. Gellende Pfiffe und lautstarke „Frontzeck raus“-Rufe waren die Folge. Die Kritik speziell am Trainer wird wieder größer.

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Dabei hatte man sich gegen Berlin gewünscht, dass die „Roten“ wenigstens im Ansatz so strukturiert spielen würden, wie ihr Nationaltorhüter im Nachhinein die Partie analysierte. „Das war ein Spiel zum Vergessen“, sagte Ron-Robert Zieler reichlich konsterniert. Recht hatte er. Aber leider geht das nicht. Denn diese Klatsche nach drei Toren von Salomon Kalou für Hertha und einem Elfmetertreffer von Hiroshi Kiyotake warf so viele Fragen auf. Fragen, auf die es schwerfällt, die richtigen Antworten zu finden. Es passt fast nichts in dieser Mannschaft. Große Schwächen hinten, in der Mitte und besonders vorn. Es gibt Ausnahmen, aber die sind in fast jedem Spiel leicht an einer Hand abzuzählen. Zu wenig für die Bundesliga.

Neue Schlappe für die Roten: 1:3 endete die Begegnung mit der Hertha am Freitagabend, alle drei Treffer erzielte BSC-Star Kalou. Der Treffer für 96 ging auf das Konto von Kiyotake. Aber wie haben die Roten sonst gespielt? Die Einzelkritik:

Trainer Frontzeck scheint diese Antworten auch nicht zu haben. Er flüchtet sich seit Wochen in Allgemeinplätze. „Die Mannschaft braucht Zeit“ oder „Wir werden den Kopf weiter oben behalten“, sagt er in schöner Regelmäßigkeit. Auch sein Fazit nach einem Drittel der Saison fällt äußerst dürftig aus. „Es ist ja nichts Neues, da sprechen wir ja schon sehr lange von, dass es eine knüppelharte, enge Saison für uns wird“, sagte er, um festzustellen: „Jetzt haben wir Pause und werden das Spiel in Mönchengladbach angehen.“

Eine Analyse dieser Misere sieht anders aus. Die hatte er vorher angekündigt - und sie wäre auch bitter nötig. Ein schnelles Umschaltspiel hatte er vor der Saison versprochen, Angriffe über schnelle Außen. Nichts davon setzt seine Elf um. Schnelles Spiel sieht man speziell in der HDI-Arena ausschließlich von den 96-Gegnern. Die „Roten“ stellen sich hinten rein und hoffen auf einen Geniestreich von Hiroshi Kiyotake, auf einen Elfmeterpfiff, Glück oder eine Zufallsaktion. Vieles wirkt unstrukturiert, planlos.

Es ehrt Frontzeck, dass er sich seit Wochen vor seine Spieler stellt, aber es wäre an der Zeit, einmal Tacheles zu reden. Lustlose Auftritte wie 45 Minuten lang von Felix Klaus gegen Hertha BSC darf er sich nicht gefallen lassen; da bringt auch eine interne Strafpredigt nichts. Diese Mannschaft braucht auch mal eine öffentliche Ansage, einen verbalen Tritt in den Hintern sozusagen. Vielleicht kitzelt das wenigstens ein paar Prozent heraus. Stattdessen gab es zur Belohnung zwei freie Trainingstage, weil die Spieler ach so geschlaucht sind.

Dass dieser Kader, den der frühere Sportdirektor Dirk Dufner und eben Frontzeck zusammengestellt haben, sich nicht zu Höherem eignet, das stellt er Woche für Woche schaurig wie nachhaltig unter Beweis. Nach einem Drittel der Saison darf man feststellen, dass keiner der Neuzugänge auch nur ansatzweise eine Verstärkung darstellt. Okay, Uffe Bech hat jetzt ein paar Mal mitspielen dürfen. Klaus’ jüngste Leistungen glichen gar einer Frechheit. Oliver Sorg, von dem sich alle so viel versprochen hatten, hat inzwischen seinen Platz auf der Ersatzbank gefunden. Genauso wie der Topeinkauf des Sommers, Mevlüt Erdinc. Dass der Türke die Nummer 2 im 96-Sturm hinter dem harmlosen, unbeweglichen und umständlichen Artur Sobiech ist, spricht Bände und sagt einiges über Erdinc aus. Hinzu kommt, dass sonstige Leistungsträger wie Manuel Schmiedebach, Leon Andreasen oder Christian Schulz ihrer Form zum Teil kolossal hinterherlaufen. Über die fehlende Klasse von den Außenverteidigern Miiko Albornoz und Hiroki Sakai (er spielte gegen Hertha zumindestens ordentlich) ist an dieser Stelle genügend geschrieben worden.

Die Voraussetzungen für gute Leistungen sind damit zugegebenermaßen schlecht. Aber ein bisschen mehr als fast nichts darf schon erwartet werden. Gerade in Heimspielen. Damit die nächsten Wochen nicht noch schauriger werden.

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