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Hannover 96 Sofian Chaheds überraschendes 96-Comeback
Sportbuzzer Hannover 96 Sofian Chaheds überraschendes 96-Comeback
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21:06 29.01.2013
Von Björn Franz
„Er hat sich nie hängen lassen“: Sofian Chahed (links) ist plötzlich wieder im Fokus – auch bei Schiedsrichter Günter Perl. Quelle: zur Nieden
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Hannover

Eigentlich sollte er schon gar nicht mehr da sein. Das klingt im ersten Moment vielleicht ein bisschen hart, aber bei Sofian Chahed kommt man um diese Feststellung einfach nicht herum. Denn im vergangenen Sommer deutete alles darauf hin, dass die Zeit des Deutschtunesiers bei Hannover 96 abgelaufen war. Chahed war sich mit seinem ehemaligen Verein Hertha BSC Berlin einig, nach drei Jahren bei den „Roten“ an die Spree zurückzukehren. Und der hannoversche Fußball-Bundesligist legte dem nominell dritten Rechtsverteidiger hinter Steven Cherundolo und Hiroki Sakai auch keine Steine in den Weg. Doch der Wechsel platzte, weil die Berliner in letzter Sekunde noch einen Rückzieher machten, Chahed blieb – und ist in der Rückrunde plötzlich der Top-Vorlagengeber bei 96.

Nicht weniger als vier der sechs Treffer, die der Tabellenzehnte in den beiden ersten Partien nach der Winterpause erzielte, leitete der 29-Jährige ein. Beim 4:5 „auf“ Schalke vor eineinhalb Wochen verwertete Szabolcs Huszti zwei Chahed-Flanken von der rechten Außenbahn – einmal direkt, einmal nach Kopfballablage von Mame Diouf. Und am Sonnabend beim 2:1-Sieg über den VfL Wolfsburg gingen laut offizieller Statistik sogar beide Vorlagen auf sein Konto. Wobei der zweimalige tunesische Nationalspieler dabei eine ordentliche Portion Glück auf seiner Seite hatte: Sein Pass, den Mohammed Abdellaoue vor seinem Sololauf zum 1:0 von der rechten Auslinie kratzte, war eigentlich für Jan Schlaudraff gedacht und im Nirgendwo gelandet. Und die Flanke, die zum kuriosen Kopf-Pfosten-Schulter-Tor-Treffer durch Diouf führte, fand ihr Ziel nur, weil sie noch von einem Wolfsburger abgefälscht wurde.

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Doch neben Wacklern in der Defensive stehen eben auch diese Torvorlagen in der Bilanz eines Comebacks, mit dem kaum noch zu rechnen gewesen war. Denn nachdem Cherundolo wegen einer Kniereizung pausieren musste, die ihn wohl noch etwas länger außer Gefecht setzt, wäre eigentlich Sakai Nachrücker Nummer 1 gewesen. Trainer Mirko Slomka entschied sich jedoch für Chahed – für die aus seiner Sicht sicherere Variante. „Bei Sofian gibt es keine großen Ausschläge, und er taucht sicherlich auch nicht regelmäßig mit Torabschluss im gegnerischen Strafraum auf wie zum Beispiel ein Lukasz Piszczek in Dortmund“, sagt Trainer Mirko Slomka. „Aber wir können uns auf ihn verlassen.“

Gerade schmeichelhaft für Sakai klingt diese Begründung nicht. Doch dem 96-Coach ist das Risiko, den offensivstarken aber in der Rückwärtsbewegung oft etwas unglücklich agierenden Japaner von Beginn an aufzubieten, offenbar noch zu groß. „Hiroki ist in einigen Situationen dynamischer, aber er hat auch noch die eine oder andere Unsicherheit in seinem Spiel“, erklärt Slomka. Zwar sei es bei einem jungen Spieler wie dem 22-Jährigen manchmal sinnvoll, ihn einfach reinzuschmeißen, um eine Entwicklung voranzutreiben. „Aber wir sind im Moment nicht in der Situation, dass ich einen solchen Lernprozess einleiten könnte. Wir brauchen Stabilität in unserer Viererkette.“ Und die sieht er derzeit eher mit Chahed, der so am Freitag im Spiel bei Werder Bremen zum dritten Mal hintereinander in der Startformation stehen dürfte.

Wie lange diese Serie anhält, das wird nicht alleine an der Leistung von Chahed liegen, sondern auch an der Länge des Ausfalls von Cherundolo sowie am Lerntempo von Sakai. Denn erste Wahl auf der rechten Außenbahn wird der gebürtige Berliner bei 96 sicherlich nicht mehr werden. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus – eine Verlängerung ist eher unwahrscheinlich. Aber das waren zwei Startelf­einsätze mit vier Torvorlagen zum Rückrundenstart ja auch. Und so wird Chahed weiterhin versuchen, die Chance zu nutzen, die er eigentlich nicht hat. „Sofian hat sich immer professionell verhalten und immer sein Bestes gegeben“, sagt Slomka. „Er hat immer gesagt: ‚Trainer, man weiß nie, was passiert. Und wenn es für mich letztlich nicht reicht, dann bin ich selber schuld.‘“

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