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Hannover 96 Sorge vor dem Sahin-Effekt bei Hannover 96
Sportbuzzer Hannover 96 Sorge vor dem Sahin-Effekt bei Hannover 96
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21:48 10.05.2011
Von Heiko Rehberg
Didier Ya Konan.
Didier Ya Konan. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Und schwups, war er weg. Als erste Gerüchte aufkamen, dass ihr Liebling Nuri Sahin bei Real Madrid auf der Wunschliste stehen würde, beruhigten sich die Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund damit, dass der 22-Jährige einen bis Sommer 2013 gültigen Vertrag besitzt. Was die meisten nicht wussten: Sahins Berater hatte in den Vertrag eine Klausel eingebaut, die es möglich macht, dass der beste Spieler der Bundesligasaison wie geschehen zwei Jahre vorher für eine Ablösesumme (zehn Millionen Euro) deutlich unter dem Marktwert von Dortmund nach Madrid gehen kann.

Sahins schneller Trikotwechsel hat viele Fans von Hannover 96 beunruhigt, denen vorgeführt wurde, dass Verträge in dieser Branche oft nur Absichtserklärungen sind. Die Sorge der 96-Fans: Was passiert, wenn ein anderer Klub – es muss ja nicht Real Madrid sein – einen unserer Lieblinge anbaggert, zum Beispiel Didier Ya Konan? Unberechtigt ist die Sorge nicht, eher kleinlaut musste 96 in diesen Tagen einräumen, dass auch Ya Konans Berater für seinen Klienten eine Zusatzklausel vereinbart hat, die den mit viel Trommelwirbel vor ein paar Monaten bis 2014 verlängerten Vertrag zu einem Muster ohne Wert macht, wenn ein Verein eine Ablösesumme von acht Millionen Euro (es können auch ein paar Euro mehr oder weniger sein, die offizielle Summe ist geheim) auf den Tisch legt.

Dass Ya Konan gerne in Hannover spielt und sich mit den „Roten“ identifiziert, das wissen sie bei 96. Aber genau das galt auch für Sahin und den BVB, hat den Mittelfeldspieler aber nicht daran gehindert, den geliebten Partner für ein neues Abenteuer aufzugeben.

„Bei Didier hatten wir keine andere Möglichkeit“, sagt 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke, „aber bei allen anderen Spielern haben wir die Dinge in der Hand.“ Und das heißt, dass 96 alles tun wird, um die Leistungsträger zu halten oder langfristig an den Verein zu binden.

Die Abwehrspieler Karim Haggui und Christian Schulz haben erst im März bis Juni 2014 verlängert, der Vertrag von Emanuel Pogatetz läuft noch bis Juni 2013, genau wie der von Sergio Pinto, der mit konstanten Leistungen auf hohem Bundesliganiveau viele überrascht und aufmerksam gemacht haben dürfte. Mohammed Abdellaoue, wie Pinto eine der großen Entdeckungen, ist ein Jahr länger bis 2014 an 96 gebunden, sein Vertrag gilt sogar für die 2. Liga. Anfragen für diese Profis sieht 96 gelassen entgegen. „Die Entwicklung der Mannschaft hat Vorrang vor einem Verkauf“, sagt Klubchef Martin Kind und bestimmt damit die Vereinslinie.

Kompliziert ist die Lage derzeit nur bei zwei Leistungsträgern. Ron-Robert Zielers Vertrag geht nur noch ein Jahr, dazu kommt eine Option für ein weiteres Jahr. Werder Bremen und Schalke 04 wird Interesse an dem Torhüter nachgesagt.

Mittelfeldmann Manuel Schmiedebach ist nur noch kommende Saison an 96 gebunden, im Juni 2012 könnte er gehen, ohne dass der Verein einen Cent Ablösesumme bekommt. Die Vertragsverlängerungsgespräche mit dem 22-Jährigen gestalten sich momentan schwierig, wie viel davon ein Pokerspiel von Schmiedebachs Berater ist, werden die nächsten Wochen zeigen.