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Hannover 96 Huszti macht den Abflug
Sportbuzzer Hannover 96 Huszti macht den Abflug
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00:16 15.05.2014
Von Jörg Grußendorf
Seit 2012 wieder bei den "Roten": Szabolcs Huszti. Quelle: dpa
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Hannover

Es gibt viele Fotos von ihm. Fotos, auf denen er das Logo der „Roten“ küsst oder stolz die Hand darauf legt. Aber wie weit ist es wirklich mit der Vereinstreue von Szabolcs Huszti? Der ungarische Profi von Hannover 96, dem ohnehin Wechselgerüchte nachgesagt werden, scheint jedenfalls keinen Bock mehr auf den Klub zu haben: Er hat vorzeitig und ohne Genehmigung seines Arbeitgebers seinen Urlaub angetreten. Er werde auch für die vier angesetzten Testspiele bis einschließlich 19. Mai nicht nach Hannover zurückkehren, ließ Huszti mitteilen.

Das war der letzte Kontakt zu dem Mittelfeldspieler. „Das ist völlig inakzeptabel und ein Affront gegen den Klub und die Mannschaft“, sagte 96-Klubchef Martin Kind, der über das Verhalten seines Angestellten stocksauer ist. Der 70-Jährige erklärte, dass Huszti für dieses Fehlverhalten „mit einer saftigen Geldstrafe sanktioniert wird“. Dirk Dufner zeigte sich ebenso ungehalten. „,Szabi‘ stellt sich mit dieser Aktion ins Abseits. Ein Profi hat Rechte und Pflichten, denen er nachzukommen hat. Die Teilnahme am Spiel- und Trainingsbetrieb gehört selbstverständlich ausdrücklich dazu“, sagte der 96-Sportdirektor.

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Szabolcs Huszti, der ungarische Mittelfeldspieler kam 2006 das erste Mal zu Hannover 96 – nach dem Wechsel nach Russland kehrte er 2012 wieder zurück in den Kader.

Doch an Letzteres glaubt bei den „Roten“, auch wenn sie es nicht bestätigen wollen, niemand mehr. Vielmehr ist man sich sicher, dass es für Huszti in Hannover keine Zukunft mehr gibt. Auch, dass der Ungar hier noch einen Vertrag bis zum Juni 2015 hat, ändert wohl daran nichts. Der Verein wird sich nicht zu weit hervorwagen, da man für den 31-Jährigen noch eine Ablösesumme erhofft. Huszti, der bei einigen Fans ziemlich hoch in der Gunst steht, hat schon einmal bewiesen, dass sein Herz nicht wirklich an 96 hängt. In der Winterpause der Saison 2008/2009 war er zu Zenit St. Petersburg gewechselt, das mit sehr viel Geld gelockt hatte. Damals hatte er noch ein halbes Jahr Vertrag bei den „Roten“ und brachte dem Klub noch eine Ablösesumme von etwa vier Millionen Euro ein.

Im Sommer 2012 ist er nach Hannover zurückgekehrt, weil er bei den Russen nie warm geworden ist, meistens auf der Ersatzbank sitzen musste. Man fragte sich immer wieder, wie das möglich gewesen ist bei den Möglichkeiten, die ein Huszti hat. Er hat einen nahezu genialen linken Fuß, schießt super Freistöße, kann dribbeln wie nicht viele in der Bundesliga. Und trotzdem setzte er sich nicht in der 1. russischen Liga durch. Er floh damals regelrecht nach Hannover. Hier angekommen sang er damals eine Hohelied nach dem anderen auf die „Roten“ und die „Stadt“ – und betonte immer wieder, wie froh er sein, zurück zu sein.

Jetzt beweist er zum zweiten Mal, dass er sich nie wirklich mit 96 identifizieren konnte. Von leichten Lustlosigkeitsattacken ist er bei seinem ersten wie seinem zweiten Engagement immer mal wieder heimgesucht worden. Man verzieh es ihm allzu oft, weil ja stets lichte Momente folgten. Zehn Tore und neun Vorlagen schaffte er in dieser Saison; das spricht eine deutliche Sprache. Bei etwas mehr Engagement, etwas mehr Kampfgeist hätten es aber noch viel mehr sein können. 96 hat genügend Zeit, sich nach einem geeigneten Nachfolger umzusehen. Einen mit Husztis Fähigkeiten zu finden, ist sicherlich nicht einfach. Aber die Fans sind sicherlich bereit, leichte Abstriche zu machen, wenn der Neue sich hundertprozentig zu den „Roten“ bekennt, nicht nur verbal.

 

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