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Hannover 96 Fußball ohne Firlefanz am Böllenfalltor
Sportbuzzer Hannover 96 Fußball ohne Firlefanz am Böllenfalltor
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15:27 27.10.2015
Von Christian Purbs
Kuschelig: Im Stadion von Darmstadt 98 ist alles auf das Nötigste beschränkt. Quelle: dpa/Archiv
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Darmstadt

Schön, nein, schön ist es nun wirklich nicht. Muss es auch nicht sein, dafür hat das Merck-Stadion anderes zu bieten. Merck-Stadion? Selbst der SV Darmstadt 98 muss ein bisschen mit der Zeit gehen und Geld verdienen. Es spielt ohnehin keine Rolle, welchen Namen das Stadion hat. Für Fußball-Fans ist die Spielstätte der „Lilien“ seit Jahrzehnten das Böllenfalltor. Unverwechselbar mit seiner Strahlkraft des Vergangenen, seinem Charme, der sich den Zuschauern in den Logen der anderen Arenen in München, Leverkusen und Hamburg niemals erschließen wird. Hier werden vor dem Anpfiff keine Ledersessel geputzt, hier wird vor Spielbeginn zwischen den Steinplatten auf den Stehplätzen das Unkraut gezupft.

Beide Teams sind in dieser Saison schon einmal aufeinander getroffen. Am 1. Spieltag gab es ein 2:2.

Und: „Hier ticken die Uhren noch anders!“ So stand es auf einem Transparent der Darmstädter Anhänger beim Bundesligastart des Aufsteigers Mitte August gegen Hannover 96. Das stimmt, muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Denn das Anderssein, das Ungewöhnliche, ist fester Bestandteil des Kults, den dieses Stadion bei den Fußball-Fans genießt. Auch eine Etage unter der Haupttribüne fehlt jeglicher Firlefanz. Schlicht ist Trumpf. Der Presseraum erinnert mit seiner gemütlichen Enge und langen Theke an einen Partyraum, den Kabinentrakt verglich die „Frankfurter Rundschau“ mit einem Luftschutzbunker. „Die Bänke sind zum Sitzen da, die Haken, um etwas daran aufzuhängen, und die Duschen zum Duschen. Also alles ganz normal hier“, sagt Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch.

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Sainsonauftakt für die "Roten": Die Bilder zum Spiel zwischen Hannover 96 und dem SV Darmstadt 98.

Das fand auch Michael Frontzeck. „Ich bin begeistert von dem Stadion. Es ist ja viel geschrieben worden, aber ich kann allen sagen, es ist alles in Ordnung“, sagte der 96-Trainer, für den es heute Abend mit den „Roten“ beim Pokalspiel in Darmstadt einen Nachschlag Böllenfalltor gibt.

Dieses auf Kriegsschutt gebaute Stadion mit seiner auf 16.500 Zuschauer begrenzten Kapazität - 80 Prozent davon Stehplätze - mag etwas für Nostalgiker sein, zur Festung für den Aufsteiger ist es in der Bundesliga noch nicht geworden. Die meisten der 13 Punkte holte das Team von Trainer Dirk Schuster in der Fremde, in den bisherigen sechs Heimspielen gab es nur einen Sieg gegen Werder Bremen (2:1). Anteil am bisherigen überraschend guten Abschneiden der „Lilien“ haben auch zwei ehemalige 96-Spieler: Konstantin Rausch, der vom VfB Stuttgart kam und Stammspieler ist, sowie Jan Rosenthal, den Trainer Schuster bereits im vergangenen Winter von Eintracht Frankfurt zu den Südhessen holte. Beide blühen auf in einer Mannschaft, für die Körperlichkeit und Ordnung die obersten Gebote sind. Weil sie wissen, dass diese Eigenschaften die größten Chancen auf Erfolg versprechen.

Fußball ohne Firlefanz - das trifft in Darmstadt auf Stadion und Mannschaft zu.

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