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Hannover 96 Darum geht der Sonnabend für 96 gut aus
Sportbuzzer Hannover 96 Darum geht der Sonnabend für 96 gut aus
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19:47 18.05.2015
Von Norbert Fettback
„Rot“ triumphiert am 23. Mai 1954 in Hamburg: 96 gewinnt sensationell das Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Kaiserslautern (schwarz-weiß-Bild). Und „Rot“ triumphiert auch am 23. Mai 1992 in Berlin: 96 gewinnt sensationell den DFB-Pokal im Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Quelle: Archiv/ Montage
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Hannover

Die gute Nachricht, auf die – das darf man in dem Fall getrost sagen – ganz Hannover wartet, steht noch aus. Es heißt, sich noch bis Sonnabend zu gedulden. Bis zum Abpfiff des Bundesligaspiels zwischen 96 und dem SC Freiburg in der HDI-Arena. Siegen und drin bleiben: Das ist die Botschaft, die am 23. Mai alle die glücklich machen würde, denen die „Roten“ am Herzen liegen. Möglicherweise reicht auch ein Punkt, um weiter erstklassig zu bleiben – wenn es die Konkurrenz im Abstiegskampf am selben Tag mit 96 gnädig meint.

Doch so weit soll es eigentlich gar nicht kommen bei diesem „Endspiel“, dem Hannover entgegenfiebert. Gerade noch rechtzeitig ist 96 in die Erfolgsspur zurückgekehrt und hat mit dem 2:1 in Augsburg ordentlich Fahrt aufgenommen für das Spiel der Spiele dieser Saison, um selbst alles klarzumachen. Ein solches Finale, bei dem so viel auf dem Spiel steht, hat es in dieser Form in der Landeshauptstadt noch nicht gegeben.

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Wer noch keine Eintrittskarte für die HDI-Arena besitzt – und das ist eine schlechte Nachricht –, der muss vor dem Fernsehgerät Platz nehmen oder das Radio oder das Internet einschalten, um auf Ballhöhe zu sein: Das Spiel ist ausverkauft. Die passende Begleitmusik für den 23. Mai 2015 könnte ein Lied der Toten Hosen liefern. Es ist zwar schon drei Jahre alt, in Hannover jetzt aber so aktuell wie nie: „An Tagen wie diesen“, ein Song, mit dem sich Glücksgefühle fast wie von selbst einstellen. Die perfekte Beschreibung für ein Datum, an dem 96-Fußballer schon zweimal Erfolge mit Strahlkraft feierten. Jetzt können aller guten Dinge drei werden.

23. Mai 1954: Ein Sonntag in Hamburg. Am späten Vormittag fährt ein Bus am Volksparkstadion vor. Er kommt aus Bendestorf, dem Trainingsquartier für ein paar Tage. An Bord: die Fußballmannschaft von Hannover 96, von Trainer Helmut Kronsbein für diesen 23. Mai top vorbereitet. Es geht um die deutsche Meisterschaft, und die Rollen scheinen klar verteilt: hier der übermächtige 1. FC Kaiserslautern mit fünf späteren Weltmeistern, da der Außenseiter aus Niedersachsen. Erst recht, als Horst Eckel die Pfälzer vor 80 000 Zuschauern mit 1:0 in Führung schießt. An einem Tag wie diesem bringt das 96 nicht aus dem Gleichgewicht: Hans Tkotz gleicht noch vor der Pause aus, ein Eigentor von Werner Kohlmeyer sowie herrlich ausgespielte Treffer von Heinz Wewetzer, Helmut Kruhl und wiederum Tkotz machen die Sensation perfekt. 5:1 heißt es für 96, nach 1938 geht die Meisterschale zum zweiten Mal nach Hannover.

Hinterher ist viel davon die Rede, mit ausschlaggebend für diesen Erfolg sei die Harmonie in der Mannschaft gewesen. Aktuell fehlt es auch dem Team von 96-Trainer Michael Frontzeck daran nicht. Und dass sich die „Roten“ von heute an im Trainingslager in Klosterpforte auf den  23. Mai vorbereiten, könnte noch ein gutes Omen sein.

23. Mai 1992: Ein Sonnabend in Berlin. 96 verzichtet auf ein Trainingslager und reist wie vor einem normalen Punktspiel erst am Vortag an. Nicht normal ist etwas anderes: Ein Zweitligist steht im DFB-Pokalfinale, wo er eigentlich nichts verloren hat; haushoher Favorit ist Borussia Mönchengladbach. Denkste! 120 Minuten halten Sievers, Surmann, Djelmas und Co. das 0:0, im Elfmeterschießen schlagen sie dann eiskalt zu. 4:3 heißt es, nachdem Michael Schjönberg nervenstark verwandelt und Jörg Sievers vorher zweimal großartig gehalten hat. Der Pott geht an die Leine, auch eine Art Abschiedspräsent für Trainer Michael Lorkowski. Sievers ist immer noch dabei, er bereitet jetzt mit Ron-Robert Zieler einen Nationaltorwart auf ein anderes entscheidendes Spiel vor, in dem gute Nerven ebenso gefragt sind wie Kampfkraft und Selbstvertrauen. Wie wär’s, in dieser Woche in Klosterpforte noch mal die DVD mit dem Pokalspiel von 1992 abzuspielen? Als kleine Motivationshilfe für den Sonnabend. Ein bestens geeigneter Ko-Kommentator wäre ja auch zur Stelle ...

Halt, es ist Chronistenpflicht, einen anderen 23. Mai nicht auszusparen. Den des Jahres 1996, als eine 1:4-Niederlage beim FC Carl Zeiss Jena den Abstieg aus der 2. Liga praktisch besiegelte. Kein gutes Thema, erst recht nicht für einen Club, der inzwischen 13 Spielzeiten am Stück ganz oben mitspielt. Und der dort unbedingt bleiben möchte. Sonst würde etwas fehlen. Nicht nur im Sport.

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