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Hannover 96 Warum sich Hannover 96 zurzeit so schwertut
Sportbuzzer Hannover 96 Warum sich Hannover 96 zurzeit so schwertut
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21:50 29.11.2012
Von Christian Purbs
Abgekämpft: Für die 96-Spieler Didier Ya Konan, Ron-Robert Zieler, Sergio da Silva Pinto, Artur Sobiech und Hiroki Sakai (v. l.) gab es zuletzt nur selten Applaus. Quelle: zur Nieden
Hannover

Es war nun wahrlich keine gute Leistung, die das Team von Hannover 96 Ende Oktober im Pokalspiel gegen Dynamo Dresden zeigte. Auch im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach drei Tage zuvor lief nicht alles nach Plan, als die „Roten“ die Partie nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 vergeigten. Nahmen die 96-Fans das Ende der stolzen Heimserie noch mit einem fassungslosen Kopfschütteln zur Kenntnis, so gab es gegen Dresden zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Pfiffe für die „Roten“. Vereinzelt zwar, aber doch unüberhörbar. Auch in den folgenden Heimspielen gegen Helsingborg, Freiburg, Enschede und zuletzt gegen Fürth machte ein Teil des Publikums seinem Unmut lautstark Luft. Verloren ging von diesen Spielen jedoch nur das gegen den SC Freiburg.

Die Kritik von den Rängen steht im Widerspruch zu den Ergebnissen der „Roten“ in dieser Saison. Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka liegt mit 20 Punkten auf dem 6. Tabellenplatz, ist damit exakt so erfolgreich wie im vergangenen Jahr und gut im Rennen um einen erneuten Startplatz im Europapokal. In der Europa League hatte sich 96 schon zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase für die K.-o.-Runde qualifiziert, und auch im DFB-Pokal ist 96 kurz vor Weihnachten noch am Ball. Wo sind also die Gründe für die Unzufriedenheit, die die Euphorie der vergangenen Monate in den Hintergrund gedrängt hat? Und muss man sich wirklich Sorgen machen um 96?

Viel von der gefühlten schlechten Stimmung hat damit zu tun, dass die Ergebnisse zwar alles in allem stimmen, den „Roten“ in den vergangenen Wochen jedoch kaum einmal eine überzeugende Leistung gelungen ist. Vieles werde zu negativ gesehen, die „Erwartungshaltung ist extrem hoch“, sagte Mittelfeldspieler Sergio da Silva Pinto. Dazu gehört auch, dass viele Dinge, die vor einem Jahr noch positiv bewertet wurden, dem Team nun negativ ausgelegt werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die beiden Begegnungen gegen Helsingborg in der Europa League, in denen 96 den Sieg gegen eine unterlegene Mannschaft fast noch verspielt hätte. Natürlich gehört bei Toren in der letzten Minute eine Menge Dusel dazu, solche Treffer zeigen aber auch die Qualität einer Mannschaft, die an sich glaubt und bis zur letzten Sekunde alles versucht. Und natürlich waren die Spiele gegen Augsburg und Fürth nichts für Fußball-Feinschmecker. Und dennoch: Für die Effektivität, die 96 bei diesen Siegen zeigte, ist die Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren nicht nur von ihren Anhängern gefeiert worden.

Wer Woche für Woche auf die Tabelle schaut und 96 dort im oberen Tabellendrittel findet, darf eines nicht vergessen: Die „Roten“ sind immer noch eine Mannschaft in der Entwicklung. Nach der furiosen Saison 2010/2011, die mit dem grandiosen 4. Platz endete, versuchte 96 sein Spiel variabler zu gestalten. Aus einer soliden Deckung heraus auf Fehler der Konkurrenz zu warten, das reichte oftmals nicht mehr zum Erfolg, da die Gegner sich längst darauf eingestellt hatten. Die „Roten“ versuchen seitdem, mehr Dominanz in ihr Spiel zu bekommen. Das gelingt nicht immer, manchmal, wie im Spiel gegen Freiburg, geht es auch fürchterlich in die Hose.

Wenn zuletzt von der fehlenden Balance die Rede war, ist damit genau dieser Entwicklungsprozess gemeint. Wer in dieser Saison um die Startplätze für die Europa League, die so umkämpft sein werden wie schon lange nicht mehr, mitspielen will, der muss schnell umschalten können und – je nach Gegner und Spielstand – über verschiedene taktische Lösungsmöglichkeiten verfügen. Im Idealfall sieht das so aus wie beim 4:2 in Stuttgart, als 96 nach der Pause auf eine offensive Taktik umstellte und damit Erfolg hatte.

Am Sonnabend beim Gastspiel beim punktgleichen FSV Mainz 05 werden die „Roten“ auf ein Team treffen, das zurzeit die selbe Entwicklung durchmacht wie 96. „Mainz ist eine Mannschaft, die taktisch sehr gut geschult ist und flexibel daherkommt“, sagt 96-Trainer Slomka über den Tabellennachbarn, der zuletzt beim 3:1 in Frankfurt begeisterte, aber auch schon sechsmal verloren hat. Konstant schön spielen und gewinnen – so weit sind Mainz und 96 noch längst nicht. Und wie bemerkte Pinto vor ein paar Tagen treffend: „Wir sind nicht der FC Bayern.“

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