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Hannover 96 Was die Europa League für Hannover 96 bedeuten würde
Sportbuzzer Hannover 96 Was die Europa League für Hannover 96 bedeuten würde
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22:15 24.02.2011
Dieser 96-Fan ist vielleicht etwas zu optimistisch. Aber die Europa League ist diese Saison drin für die „Roten“.  Mal schauen, wenn die ersten Europacup-Pappmodelle in Hannover auftauchen.
Dieser 96-Fan ist vielleicht etwas zu optimistisch. Aber die Europa League ist diese Saison drin für die „Roten“. Mal schauen, wenn die ersten Europacup-Pappmodelle in Hannover auftauchen. Quelle: Handout
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Ertappt? Ist nach Didier Ya Konan („Wir wollen alle nach Europa!“) auch Mirko Slomka in die Europa-Falle getreten? Er habe, verriet der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, sich mal erkundigt, wann denn ein deutscher Vertreter in der kommenden Saison in die Europa League eintreten würde. Das ist noch keine Abkehr vom offiziell verkündeten „Etappenziel“ 50 Punkte; öffentlich formuliert bei den „Roten“ niemand, dass die Qualifikation für das internationale Geschäft das neue Ziel ist. Damit ist man bislang gut gefahren, warum also den Kurs ändern. Intern aber, das zeigt Slomkas kleine Bemerkung, ist der Europacup natürlich ein Thema. Und bei den Fans sowieso. Na klar, die Champions League, so traumhaft sie wäre, ist unrealistisch. Aber niemand macht sich dem Verdacht des Größenwahns schuldig, wenn er nach 23 Spieltagen an die Europa League denkt – ein Blick auf die Tabelle genügt, um die einmalige Chance zu erkennen. Doch was würde das eigentlich bedeuten für den Verein? Was käme auf Spieler, Stadt und Anhänger zu? Für viele ist die Europa League, kein Wunder nach Jahren der Abstinenz, ein unbekanntes Wesen. Ein kleiner Ausblick auf das, was auf 96 zukommen könnte. Ein Europa-Führer zum Mitreden können.

Wer darf eigentlich in der Europa League mitmachen?

Insgesamt starten 174 Mannschaften in der Europa League, dem Nachfolger des UEFA-Cups. Teilnahmeberechtigt sind die Pokalsieger aus 51 Ländern (oder die unterlegenen Finalisten, wenn der Pokalsieger in der Champions League spielt), dazu kommen 108 Vereine, die sich über die jeweiligen Ligen qualifiziert haben, sowie die 15 Verlierer aus der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League. Wie viele Teams eine Nation in die Europa League schicken darf, richtet sich nach einer Rangliste der UEFA. In Deutschland sind derzeit außer dem Pokalsieger der Vierte und der Fünfte der Bundesliga für den Wettbewerb qualifiziert. 96 wäre also dabei, wenn die Tabelle am 14. Mai um 17.15 Uhr immer noch aussieht wie jetzt.

Wann ginge die Europareise für die „Roten“ los?

Die Europa League beginnt mit vier Qualifikationsrunden, die mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden, wobei die Faustregel gilt: Je stärker die europäische Liga, desto später steigen die Mannschaften in den Wettbewerb ein. Die 1. Runde findet bereits am 30. Juni und 7. Juli statt, die 2. Runde am 14. und 21. Juli, die 3. Runde am 28.Juli und 4. August, die 4. Runde (die sogenannten Play-offs) am 18. und 25. August. Für 96 würde das Abenteuer Europa in der 3. oder 4. Qualifikationsrunde beginnen: Als Fünfter müssten die Hannoveraner in der 3. Runde in den Wettbewerb einsteigen und damit zwei K.-o.-Runden überstehen, als Vierter käme der Auftakt erst in der letzten Runde, den Play-offs. Um einen Vorgeschmack auf mögliche Gegner zu bekommen: Bayer Leverkusen, vergangene Saison Vierter, traf in den Play-offs auf Tawrija Simferopol aus der Ukraine, der Fünfte Borussia Dortmund auf Qarabag Agdam aus Aserbaidschan.

Wie wäre der weitere Modus?

37 Mannschaften aus den vier K.-o.-Runden qualifizieren sich für die Gruppenphase der Europa League; dazu kommen der Titelverteidiger, der für diese Phase des Wettbewerbs gesetzt ist, und die zehn Verlierer der Play-offs zur Gruppenphase für die Champions League. Diese 48 Mannschaften werden in zwölf Vierergruppen aufgeteilt, die Gruppensieger und -zweiten erreichen die Zwischenrunde, die mit den acht Drittplatzierten der Champions-League-Gruppenphase aufgefüllt wird. Von da an geht es im K.-o.-System weiter: Zwischenrunde (32 Mannschaften), Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale am 9. Mai 2012 in Bukarest.

Wie läuft es mit den Fernsehrechten in der Europa League?

Während der vier Qualifikationsrunden können die Vereine mit den Fernsehsendern eigene Verträge aushandeln. Viel Geld gäbe es für 96 im Fall der Fälle dabei aber kaum zu verdienen: Die Partien sind aus Sicht der Sender selten so attraktiv wie Champions-League-Spiele; die Erlöse dürften überwiegend im unteren sechsstelligen Bereich liegen. Von der Zwischenrunde an werden die TV-Verträge und die Bandenwerbung in den Stadien zentral von der UEFA vermarktet.

Wie viel Geld lässt sich in der Europa League verdienen?

Insgesamt werden vom europäischen Fußballverband in dieser Saison Prämien in Höhe von 81 Millionen Euro an die 48 Teams der Gruppenphase verteilt. Daran wird sich kommende Saison nichts Wesentliches ändern. Jede Mannschaft bekommt ein Startgeld in Höhe von 640.000 Euro sowie für jedes seiner sechs Gruppenspiele eine Prämie in Höhe von 60.000 Euro; damit kann jeder Klub mit einer garantierten Einnahme von einer Million Euro rechnen. Hinzu kommen noch Punktprämien: Für jeden Sieg schüttet die UEFA 140.000 Euro aus, für jedes Unentschieden 70.000 Euro. Weitere Prämien zwischen 200.000 und 700.000 Euro gibt es jeweils für das Erreichen einer nächsten Runde. Der Gewinner des Wettbewerbs kann insgesamt knapp sechseinhalb Millionen Euro kassieren, wenn er alle Gruppenspiele gewinnt – im Vergleich zur Champions League keine Reichtümer. Dort gibt es schon für das Erreichen der Gruppenphase eine garantierte Einnahme in Höhe von 7,2 Millionen Euro: ein Antrittsgeld in Höhe von 3,9 Millionen Euro plus 550.000 Euro für jedes der sechs Gruppenspiele. Das dicke Geld ist also nur in der „Königsklasse“ zu machen.

Gibt es noch weitere Einnahmemöglichkeiten?

Als wichtige Geldquelle bleiben den Vereinen die Erlöse aus dem Ticketverkauf, außerdem werden die Klubs am Ende des Wettbewerbs am sogenannten Marketpool der UEFA beteiligt, der bei rund 54 Millionen Euro liegt. Je stärker die Liga, desto mehr Geld bekommen die Vereine aus dieser Kasse – wobei die Summe wiederum unter allen Europa-League-Teilnehmern einer Nation aufgeteilt wird. Der Europa-League-Sieger kann sich durch die Teilnahme am Supercupfinale gegen den Champions-League-Gewinner noch mal über zwei Millionen Euro zusätzlich freuen, aber das wäre für 96 jetzt wirklich Spinnerei. Mitmachen in der Europa League – das wäre doch schon großartig.

Hätte eine Europa-League-Teilnahme auch Nachteile? Und wenn ja, welche wären das?

Vor allem Mannschaften, die relativ unverhofft auf der internationalen Bühne landen (und das würde sicherlich auch auf 96 zutreffen), mussten in der Vergangenheit dafür im Bundesligaalltag oft teuer bezahlen. Die Nebenwirkung für den SC Freiburg, VfL Bochum, Mainz 05 und den 1. FC Nürnberg war der Abstieg in die 2. Liga. Der Rhythmus mit der Doppelbelastung macht Teams, deren Kader nicht die Breite haben, schwer zu schaffen, selbst qualitativ eigentlich gute Mannschaften wie der VfB Stuttgart tun sich – siehe die aktuelle Saison – schwer damit. Unschön wäre auch: Ein Erreichen der Gruppenphase der Europa League würde für 96 bedeuten, dass die „Roten“ künftig öfter sonntags spielen müssten. Weil Donnerstag der internationale Einsatztag wäre, bliebe bis Sonnabend zu wenig Zeit zum Ausruhen. Die Deutsche Fußball-Liga setzt Partien der Europa-League-Klubs deshalb in der Regel Sonntag an. Das wiederum dürfte für die Amateurklubs in der Region Folgen haben und ihnen Zuschauer kosten.

Stefan Knopf und Heiko Rehberg

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