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Hannover 96 „Wir schießen nicht mehr genug Tore“
Sportbuzzer Hannover 96 „Wir schießen nicht mehr genug Tore“
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14:41 05.12.2011
Glücklich geht anders: Die Trainer Norbert Düwel und Mirko Slomka, Manager Jörg Schmadtke (vorn, v. l.) sowie die 96-Spieler Lars Stindl, Sofian Chahed und Altin Lala (hinten, v. l.).
Glücklich geht anders: Die Trainer Norbert Düwel und Mirko Slomka, Manager Jörg Schmadtke (vorn, v. l.) sowie die 96-Spieler Lars Stindl, Sofian Chahed und Altin Lala (hinten, v. l.). Quelle: Petrow
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Lüttich/Hannover

„Größter internationaler Erfolg der Vereinsgeschichte“ – solch ein Satz sollte einem „Roten“ eigentlich locker über die Lippen gehen. Der Fußball-Bundesligist Hannover 96 hat schließlich trotz der 0:2-Niederlage am Mittwochabend in Lüttich dank des gleichzeitigen 1:1 des FC Kopenhagen im ukrainischen Poltawa die K.-o.-Phase der Europa League erreicht. Aber 96-Trainer Mirko Slomka hatte das Spiel seines Teams den Spaß verdorben. „Ich freue mich jetzt noch nicht so sehr, erst bei genauerem Hingucken ist da doch Freude, wenn sie auch getrübt ist“, sagte ein gequält wirkender Slomka im Lütticher Stadion „Sclessin“.

Der Fußball-Bundesligist Hannover 96 hat schließlich trotz der 0:2-Niederlage am Mittwochabend in Lüttich dank des gleichzeitigen 1:1 des FC Kopenhagen im ukrainischen Poltawa die K.-o.-Phase der Europa League erreicht. Aber 96-Trainer Mirko Slomka hatte das Spiel seines Teams den Spaß verdorben. „Ich freue mich jetzt noch nicht so sehr, erst bei genauerem Hingucken ist da doch Freude, wenn sie auch getrübt ist“, sagte ein gequält wirkender Slomka im Lütticher Stadion „Sclessin“.

Zwei Zahlen führte der Trainer an, die in der Kombination seine Laune nachvollziehbar machten. 60 Prozent Ballbesitz für 96 – für Slomka ein Indiz dafür, dass man die gewünschte Spielkontrolle gehabt habe. 80 Prozent verlorene Zweikämpfe andererseits. „Das ist unterirdisch, das geht nicht“, haderte Slomka. Keiner kommt um die Feststellung herum: Die erste Zahl ist bei genauerem Hinsehen ein ebensolches Armutszeugnis wie die zweite. Es hilft einem Team nicht, wenn es durch Quer- und Rückpässe vor dem eigenen Tor auf 60 Prozent Ballbesitz kommt, aber der Vorwärtsgang hakt. Regelmäßige Fehlpässe und verlorene Duelle stoppten immer wieder die 96-Vorstöße in Lüttich. Es wirkte so, als habe die Mannschaft sich bereits damit arrangiert, mithilfe des 1:1 des Außenseiters Worskla Poltawa gegen den FC Kopenhagen die Gruppenphase zu überstehen. Als würde einfach ignoriert, dass die Dänen in der Ukraine jederzeit noch hätten gewinnen und die 96-Ausgangslage verschlechtern können. Slomka enttäuscht und dünnhäutig: „Uns hat einfach da vorn die Durchschlagskraft gefehlt, und zwar mit einem Stürmer, mit eineinhalb, mit zweien und mit drei Stürmern. Wir schießen einfach nicht mehr genug Tore, sind nicht mehr so effizient.“ Uneffizient ist – leider! – der neue Trend bei Hannover 96.

Seit dem Sieg gegen den FC Bayern München läuft es immer weniger rund: die Pokalpleite gegen Mainz 05, die Niederlage bei Borussia Mönchengladbach, der Lichtblick in Kopenhagen, zu Hause ein Remis gegen Schalke 04, dann die Schlappe in Wolfsburg und das sehr glückliche 1:1 gegen den Hamburger SV. Die Leichtigkeit ist futsch, die Anwendung der Zehn-Sekunden-Überfall-Taktik gelingt nur noch selten, und wenn, dann fehlt meist die Effizienz beim Abschluss. Und auch im Mittelfeld und in der Hintermannschaft ist zurzeit die Luft raus. Die Dominanz von Sergio Pinto und Manuel Schmiedebach ist dahin, die Innenverteidigung agiert um einiges nervöser, das Flügelspiel ist erlahmt, und auch Ron-Robert Zieler muss sich häufiger mit Wacklern auseinandersetzen als in der Zeit, in der er in den Kreis der Nationalspieler vorgerückt ist. Eine Krise? Nein, das wäre wohl überspitzt, aber statt von „Ausrutschern nach unten“ zu sprechen, sollte 96 schon ein kollektives Formtief attestiert werden. „Wir sind zurzeit von der Form und spielerisch nicht gerade ,on top‘. Wir spielen nicht auf der Ebene, auf der wir spielen können. Bis zur Winterpause müssen wir uns jetzt durchquälen“, sagte 96-Verteidiger Christian Schulz, der sich am Donnerstag mit der Mannschaft von Belgien aus auf den Weg in den Breisgau machte, wo die „Roten“ morgen (15.30 Uhr) beim SC Freiburg antreten werden. „Wir müssen auch mal wieder das Quäntchen Glück haben, mal wieder in Führung gehen und bei Standards hellwach sein. Dann können wir auch in Freiburg etwas holen“, sagte Jan Schlaudraff.

Bringen neue, im Winter zu verpflichtende Spieler im Sturm oder im Mittelfeld den erforderlichen Schwung zurück? Finanziell, so sollte man meinen, müsse es durch die im Saisonhaushalt nicht erwarteten Europa-Mehreinnahmen doch Spielraum geben. Tatsächlich erklärte 96-Klubchef Martin Kind nach dem sicheren Erreichen der K.-o.-Phase: „Die zusätzlichen Einnahmen werden sich am Ende auf zehn, vielleicht 15 Millionen Euro belaufen.“ Aber die Spendierhosen hat der Boss dennoch nicht angezogen. „Wir brauchen das Geld dringend, um uns weiter zu konsolidieren und uns bei der Kapitalausstattung besserzustellen.“ Spielereinkäufe im Winterschlussverkauf? Da gibt sich Kind gewohnt skeptisch. „Das ist immer schwierig, da bräuchten wir schon sehr klare Anforderungsprofile. Außerdem hat die Mannschaft ja bewiesen, dass sie es kann. Wir müssen analysieren, warum sie im Moment nicht so stabil spielt.“

Christian Purbs und Volker Wiedersheim

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