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Hannover 96 „Wir sind immer noch in der Hölle“
Sportbuzzer Hannover 96 „Wir sind immer noch in der Hölle“
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20:57 16.05.2015
Sitzt Michael Frontzeck auch nächste Saison auf der Trainerbank von Hannover 96? Quelle: dpa
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Augsburg

Martin Kind lief nach einem verrückten Fußball-Spiel mit Happy End erleichtert durch die Katakomben der Augsburger SGL-Arena und umarmte jeden, der ein schwarzes Trikot an hatte. Doch nach dem erlösenden 2:1 (1:1)-Erfolg beim nahezu sicheren Europa-League-Starter FC Augsburg – dem ersten Dreier nach 16 Spielen – bremste sich der Präsident von Hannover 96 bald selbst. „Ich warne vor falscher Euphorie, da wird mir ganz speiübel. Realismus und Vernunft sind gefordert“, sagte Kind ernst.

Kind weiß: Auch nach dem ersten Erfolg nach 151 Tagen und dem ersten im vierten Spiel unter Trainer Michael Frontzeck ist Hannover noch nicht gerettet. Am nächsten Sonnabend kommt es gegen den SC Freiburg zum „Abstiegsendspiel“ zwischen dem Tabellen-15. und dem -14. Nur bei einem Sieg muss 96 nicht auf die Konkurrenz schauen. „Alle Konzentration muss auf das Freiburg-Spiel gerichtet werden“, forderte Kind, „aber die Mannschaft ist stabil, professionell und kann das richtig einordnen.“

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„Das“ war der erste Sieg seit dem 2:0 im Hinspiel gegen Augsburg am 16. Dezember, der erste Dreier in der Fremde seit dem 7. November (2:0 bei Hertha BSC) - und ein großer Schritt in Richtung Klassenerhalt. „Ich brauche wohl nicht zu beschreiben, dass mir ein paar Steine vom Herz gefallen sind“, sagte Frontzeck. Mittelfeldmann Leon Andreasen meinte, er erinnere sich „gar nicht mehr daran, wie es war, zu gewinnen“, und fügte ganz auf Kinds Linie an: „Aber wir waren in der Hölle, und wir sind immer noch in der Hölle.“

In Augsburg kam Hannover aber dem Himmel sehr nah. „Die Mannschaft hat Willen gezeigt“, lobte Kind den kämpferisch herausragenden Auftritt. Das Team um Kapitän und Doppeltorschütze Lars Stindl (24., 54.) ließ sich von den am Freitag gestreuten Gerüchten um die mögliche Verpflichtung von Trainer Thorsten Fink nicht ablenken. „Ich sage es mal ganz deutlich: Wir sind nicht für jeden Scheiß verantwortlich, den die Presse politisch steuert“, sagte Kind dazu verärgert. Nur über seine Leiche werde es vor dem Freiburg-Spiel Zukunftsgespräche geben.

Auch die Rückschläge auf dem Platz steckte 96 weg. So das zwischenzeitliche 1:1 durch Augsburgs Spielführer Paul Verhaegh (30., Foulelfmeter) oder die Gelb-Rote Karte gegen Hiroki Sakai (77.). Die Niedersachsen hatten aber Glück, dass Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) nach Sakais Handspiel (66.) nicht erneut auf Strafstoß entschied. Zudem war Rot gegen Augsburgs Raul Bobadilla (90.+5) überzogen. Beim Platzverweis gegen Verhaegh (90., Gelb-Rot) lag Zwayer richtig.

Stindl, der den Kollegen nach Spielende ausgelassenen Jubel verbat, sprach von einem „Wahnsinnsspiel“. Dass ausgerechnet der Kapitän, der im Sommer nach Gladbach wechselt, vorne weg marschierte, veranlasste derweil Kind zu einem Sonderlob. „Er ist ein toller Spieler, ein toller Charakter, ein toller Mensch“, sagte er.

Doch weder Stindl noch der Sieg machten Kind rundum glücklich. „Ich weiß nur: das war eine scheiß Saison, das weiß ich genau“, sagte er. Das Gegenteil ist beim FCA der Fall. Wenn er auf die Tabelle schaue, sei er „hochzufrieden“, meinte Coach Markus Weinzierl. Die Europa League ist den Schwaben nurmehr rein rechnerisch zu nehmen. Zum Abschluss in Gladbach werde seine Mannschaft „alles geben“, um Platz fünf zurückzuerobern, betonte Weinzierl. „Es wäre eine Riesenvorteil, die Qualifikationsrunde zu verhindern“, erklärte Manager Stefan Reuter.

SID/dpa/cli

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