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18:24 13.04.2015
Von Jörg Grußendorf
„So kann es nicht weitergehen“:  96-Trainer Tayfun Korkut gibt klare Anweisungen.
„So kann es nicht weitergehen“: 96-Trainer Tayfun Korkut gibt klare Anweisungen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Die sportliche Lage spricht für sich. Ebenso wie die lange Sieglosserie von Hannover 96. „Wer zwölf Spiele nicht gewinnt, hat keine Argumente mehr“, sagt dann auch Clubchef Martin Kind. Nicht nur für den 70-Jährigen steht fest, dass es „so nicht weitergehen kann“. Denn so kann man den Abstiegskampf nicht erfolgreich bestehen; und der Fall in die 2. Liga hätte auch wirtschaftlich verheerende Folgen für die „Roten“. Kind sprach bereits davon, dass „uns dieses Desaster rund 30 Millionen Euro kosten würde“. Diese Zahl scheint noch nicht einmal sehr hoch gegriffen zu sein.

Was also tun? Einen Trainerwechsel hat Kind bereits kategorisch ausgeschlossen. Und es würde auch keinen Sinn machen, sich so kurz vor dem Saisonende, also sechs Spieltage vor Schluss, von Tayfun Korkut zu trennen. Entweder man hat Vertrauen oder eben nicht. Der Clubchef hat sich klar positioniert, gesteht aber, mit dem 41-jährigen Fußballlehrer in einem offenen Dialog zu stehen. Und bei diesen Gesprächen ist es auch um die Mannschaftsaufstellung gegangen, die auch Kind zuletzt nicht wirklich gefallen hat. Als Ergebnis der Unterhaltung kündigte der Clubchef, wenn auch vorsichtig, einige personelle Änderungen für das Spiel am Sonnabend bei Bayer Leverkusen an.

Spannende Duelle lieferten sich die Spieler von Hannover 96 beim Training am Montag.

Auch die eine oder andere taktische Umstellung erscheint für das Leverkusen-Spiel oder auch den Rest der Saison möglich. Vielleicht rührt Korkut sogar an einem bisherigen Tabu. Kapitän Lars Stindl war seit etwa einem Jahr als „Zehner“ für den Trainer gesetzt. „Das ist Lars’ Position“, sagte Korkut mehrfach, „ohne Wenn und Aber.“ Das stimmt auch, aber nicht in dieser Absolutheit. Stindl hat vorher auf der rechten Seite im Mittelfeld viele mitreißende Spiele, auch international, geboten. Es wäre mal einen Versuch wert, zumal auf der rechten Seite bei 96 wenig bis gar nichts lief. Auch weil Jimmy Briand trotz bisheriger Stammplatzgarantie zu vieles schuldig blieb.

Im defensiven Mittelfeld wird Korkut seine Marschroute ohnehin ändern. Salif Sané, zuletzt als alleiniger „Sechser“ gesetzt, fehlt gelbgesperrt. Von seinen sonstigen Mittelfeldspielern traut er lediglich Ceyhun Gülselam diese Aufgabe zu. Diese Aussage traf der Trainer allerdings bereits vor Monaten; inzwischen dürfte er das überdacht haben. Also ist in Leverkusen mit zwei „Sechsern“ zu rechnen.

Eine weitere taktische Möglichkeit wäre, es mit einem zweiten Stürmer zu versuchen, Joselu oder aber Didier Ya Konan nicht als Alleinunterhalter aufs Feld zu schicken. Allerdings ist der eine (Joselu) auf der Suche nach seiner Form, und der andere muss noch deutlich an seiner Fitness arbeiten. Ob das Spiel in Leverkusen für solch eine Umstellung geeignet ist, mag dahingestellt sein.

Korkuts personelle Möglichkeiten:

  • Torwart: An Ron-Robert Zieler führt kein Weg vorbei. Um den Nationalkeeper beneiden etliche andere Bundesligisten die „Roten“.
  • Abwehr: An seiner Viererkette wird Korkut kaum etwas ändern. Rechtsverteidiger Hiroki Sakai ist halt Hiroki Sakai; einen Besseren hat 96 aber nun mal nicht für diese Position. João Pereira ist es jedenfalls nicht. Manndecker Marcelo spielt ordentlich. Felipe hat ab und an seine Aussetzer, aber der Einzige, der ernsthaft für seine Position infrage käme, muss auf links spielen: Christian Schulz. Der 32-Jährige setzt kaum Akzente im Spiel nach vorn. Er ist aber erheblich stabiler als Christian Pander oder Miiko Albornoz.
  • Mittelfeld: Sané darf nicht spielen, darum wird Korkut auf zwei defensive Akteure umstellen. Die besten Chancen haben Manuel Schmiedebach, der überraschend zuletzt nicht mal im Kader stand, und Leon Andreasen. Gülselam und Maurice Hirsch müssen sich hinten anstellen.
    In der Offensive hat der 96-Trainer viele Möglichkeiten. Links und rechts sind Albornoz und Briand gegen Hertha BSC klar durchgefallen. Edgar Prib, Leonardo Bittencourt und Jan Schlaudraff stehen bereit. Wobei Letzterer in Leverkusen kaum erste Wahl sein dürfte; Korkut wird sich diese Option fürs nächste Heimspiel bewahren. Warum also nicht Stindl wieder auf rechts? Seinen Platz in der Schaltzentrale könnte Hiroshi Kiyotake übernehmen, der sich in der Mitte ohnehin viel wohler fühlt.
  • Sturm: Hier fehlen Korkut die Alternativen. Auch an einem formschwachen Joselu führt kein Weg vorbei.
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Jörg Grußendorf 15.04.2015