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Hannover 96 Zieler im 96-Tor: Ein Wechselspiel mit Folgen
Sportbuzzer Hannover 96 Zieler im 96-Tor: Ein Wechselspiel mit Folgen
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20:41 17.01.2011
Von Christian Purbs
Die neue Nummer 1 Ron-Robert Zieler? Quelle: Ulrich zur Nieden

Das ist schon verrückt. Da stürmt Hannover 96 durch den 3:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt zum Start der Rückrunde in der Fußball-Bundesliga auf den 2. Platz, begeistert mit einer grandiosen Leistung und ist aktueller Rückrundentabellenführer. Großes Thema bei vielen Fans der Roten“ am Tag danach ist aber vor allem das Bundesligadebüt des 21-jährigen Torhüters Ron-Robert Zieler. Die hannoversche T-Frage, also das Torwartduell zwischen Zieler und Florian Fromlowitz, schiebt die Euphorie und die Träume vom Europapokal ein bisschen zur Seite. Wenn 96-Trainer Mirko Slomka das – sozusagen als Nebeneffekt – geplant hat: herzlichen Glückwunsch.

Ganz bewusst hatte sich der 96-Coach auf jeden Fall vor der Partie in Frankfurt für Zieler als neue Nummer 1 der „Roten“ entschieden. Und das Torwarttalent rechtfertigte das Vertrauen mit einer souveränen und fehlerfreien Leistung. Sicher und reaktionsschnell auf der Linie, beeindruckte er besonders durch seine Strafraumbeherrschung. Was auch immer da in seinen „Sechzehner“ geflogen kam, es landete sicher in den riesig wirkenden Händen des 21-Jährigen. Mit seiner Unaufgeregtheit strahlte er zudem Sicherheit aus. Kurzum: Zieler hat seine Chance genutzt und wird auch deshalb im Heimspiel am Sonnabend gegen den FC Schalke 04 wieder im Tor stehen.

Wenn in dieser Woche beim Training nichts Außergewöhnliches passiert, bleibt für Fromlowitz gegen Schalke erneut nur der Platz auf der Ersatzbank. Keine leichte Situation für den 24-Jährigen, der in allen Spielen der Hinrunde im 96-Tor stand. Fehler, die zu Punktverlusten führten, sind ihm nicht anzukreiden. Den Eindruck, dass man sich jederzeit auf ihn verlassen kann, vermittelte Fromlowitz jedoch auch nicht. Immer wieder, wie etwa Ende November im Heimspiel gegen den SC Freiburg, sorgte er mit kleinen oder großen Patzern und Unkonzentriertheiten für Raunen im Stadion. Über die Frage, ob 96 ein Torwartproblem hat, wurde auch zuvor schon hinter vorgehaltener Hand diskutiert.

Viele Fans hielten Fromlowitz zugute, dass er als Nachfolger von Robert Enke ein schweres Erbe im Tor der „Roten“ angetreten hatte, und reagierten auf Fehler nicht mit Pfiffen, sondern mit Nachsicht und Verständnis. Sie nahmen ihm auch seine Theatralik nicht krumm, weil sie wussten, dass sie ein Teil seines Spiels ist. Und als 96 vor einem Jahr in einer Nacht- und Nebelaktion versuchte, Gerhard Tremmel von Energie Cottbus loszu­eisen und ihn Fromlowitz vor die Nase zu setzen, schüttelten die meisten Anhänger verständnislos den Kopf. Der versuchte Tremmel-Transfer war das erste Zeichen, dass sich Fromlowitz nicht so sicher fühlen konnte, wie es seinem Selbstverständnis als klare Nummer 1 bei den „Roten“ entsprach.

Eine pikante und allemal spannende Note erhält der spektakuläre Torwartwechsel durch die zurzeit laufenden Vertragsverhandlungen mit Fromlowitz, der noch bis zum Saisonende an den Verein gebunden ist. „Da gibt es Gesprächsbedarf mit Manager Schmadtke“, sagte 96-Klubchef Martin Kind, der das Thema Fromlowitz am Dienstag am Rande der Verhandlungen über einen neuen Vertrag für Trainer Slomka besprechen will. „Die Frage ist: Nimmt Fromlowitz diese Herausforderung an, oder lässt er es?“, sagte Martin Kind.

Mit der Rolle als Nummer 2 in Hannover wird sich der 24-Jährige wohl nicht anfreunden können. Je nachdem, wie sehr Fromlowitz durch die Degradierung enttäuscht und verletzt ist, könnte er auch versuchen, bis zum Ende der Transferperiode Ende Januar einen neuen Verein zu finden. Das würde jedoch 96 in die Bedrouille bringen, da Ersatztorwart Markus Miller verletzt ist und die Vorbereitung nicht mitmachen konnte.

Wahrscheinlicher ist, dass Fromlowitz den Kampf ums Tor annimmt und versucht, durch gute Leistungen im Training sich seinen Platz zurückzuerobern. Im Fußball, das weiß Fromlowitz spätestens seit Sonntag, kann es ganz schnell auch andersherum gehen.

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