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Hannover 96 Zoff um Verkauf der letzten 96-Vereinsanteile
Sportbuzzer Hannover 96 Zoff um Verkauf der letzten 96-Vereinsanteile
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18:14 27.04.2015
Von Norbert Fettback
„Wir haben immer mit offenen Karten gespielt, wir mussten so handeln“: Martin Kind sieht im Verkauf der Profifußball-Anteile auch Vorteile für den Stammverein.
„Wir haben immer mit offenen Karten gespielt, wir mussten so handeln“: Martin Kind sieht im Verkauf der Profifußball-Anteile auch Vorteile für den Stammverein. Quelle: Kay Nietfeld
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Hannover

Jahreshauptversammlungen im Sport haben nicht selten einen hohen Ermüdungsfaktor. Am Montag dürfte das nicht zutreffen. Dann hat der Hannoversche Sportverein von 1896 e.V. seine Mitglieder in den Business-Bereich der HDI-Arena eingeladen, und statt wie ansonsten das Ende der Veranstaltung herbeizusehnen, könnte es diesmal ein durchaus kurzweiliger und unterhaltsamer Abend werden. Das vermutet auch Stefan Mertesacker, Vater des Fußball-Weltmeisters Per. „Derzeit machen ja viele Gerüchte die Runde“, sagt das Vorstandsmitglied des elf Abteilungen umfassenden Gesamtvereins. Da sei Aufklärung gefragt. Kerstin Jansen, die der 324 Mitglieder zählenden Triathlonsparte vorsteht, hat sich auch auf „kontroverse Diskussionen“ eingestellt, was sich schon aus den laut Mertesacker vorliegenden 15 Anträgen und Anfragen schlussfolgern lässt.

Nicht nur das: Rund 40 Mitglieder sind in den vergangenen Wochen nach HAZ-Informationen bei Hannover 96 eingetreten – allein mit dem Ziel, auf der Jahreshauptversammlung mitzureden und über Anträge abzustimmen. In den Vorjahren hörten sich im Durchschnitt nicht mehr als 80 Vereinsmitglieder an, was Vorstand und Aufsichtsrat zu verkünden hatten. Diesmal werden es wohl mehr sein, auch wenn keine Wahlen auf der Tagesordnung stehen.

Um den thematischen Rahmen für das Reizthema des Abends zu finden, hätte der Ort der Zusammenkunft nicht besser gewählt werden können. Es geht um ein Geschäft der besonderen Art, das zwar schon vor längerer Zeit angekündigt worden und insofern nichts Neues ist.  Für die „Roten“ ist es aber mit so viel Tragweite verbunden, dass in den vergangenen Tagen an mancher Stelle Sturm gelaufen worden ist. Es geht um die restlichen 15 Prozent Anteile, die der Stammverein von Hannover 96 am ausgegliederten Profifußballbereich gehalten hat und die inzwischen an die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG (S&S) übertragen worden sind. So gesehen ist der eigentliche Verein raus aus dem Geschäft, die Kapitalgesellschaft S&S zu 100 Prozent drin. Hier reiner Breitensport, da Fußball-Bundesliga. Ist 96 dann überhaupt noch 96?

Die Kommerzialisierung, die auch bei den „Roten“ immer weitere Kreise zieht, gefällt speziell Fußball-Traditionalisten nicht. Dass die Veräußerung der Anteile offiziell erst am Montag bekannt gegeben wird, nachdem schon alles geregelt und unterschrieben war, hat für zusätzliche Aufregung gesorgt und 96 zwischenzeitlich in die Defensive gedrängt. Kind hält offensiv dagegen. „Wir haben immer mit offenen Karten gespielt“, sagt er. „Und wir mussten so handeln, um die Verträge für das neue Sportzentrum an der Stammestraße unterschreiben und die Investitionen dafür sicherstellen zu können.“ An der Stammestraße, in Sichtweite des Stadions, in dem 96 am Sonnabend gegen 1899 Hoffenheim die Aktion Bundesliga-Klassenerhalt starten will, wird noch in diesem Sommer mit dem Bau eines 8 Millionen Euro teuren Sportzentrums begonnen. Die Nutznießer sind die 96-Amateursportler, die damit eine neue Heimstatt erhalten.

„Gerade bei den Jüngsten haben wir im Verein einen riesigen Zulauf“, sagt Vorstandsmitglied Mertesacker. „Wir müssen uns ausdehnen, und dabei kommt uns die Vereinbarung zugute.“ So sieht es auch Kerstin Jansen. „Man darf bei 96 nicht nur auf den Profifußball gucken“, sagt sie. „Die Abteilungen werden sich künftig noch besser entwickeln können, unten kommt nach und nach viel mehr an.“

Auch davon wird am Montagabend  zu hören sein. Ein sogenannter Grundlagenvertrag, dem recht schwierige Verhandlungen vorausgegangen sind, bündelt etliche Punkte, von denen der Breitensport profitieren wird. Es ist nicht allein das Projekt an der Stammestraße. So können die 96-Fußballmannschaften außerhalb des Profibereichs die Plätze des Nachwuchsleistungszentrums nutzen. Auch am einheitlichen Auftreten oder am gemeinsamen Namen soll sich nichts ändern. So gesehen bleiben die „Roten“ die „Roten“.

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