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Hannover Indians Steuerhinterziehung bei den Indians?
Sportbuzzer Hannover Indians Steuerhinterziehung bei den Indians?
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00:15 12.04.2015
Von Jörg Grußendorf
Ein Stein des Anstoßes: Bei der Abrechnung eines Derbys soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben.   Fotos: Petrow (2)/Treblin
Ein Stein des Anstoßes: Bei der Abrechnung eines Derbys soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Ob bei diesem Club jemals Ruhe einkehren wird? Die Saison ist längst beendet, die Spiele sind gespielt. Während woanders in aller Besonnenheit das neue Spieljahr geplant wird, rumort es beim EC Hannover Indians wieder einmal kräftig. Hinter den Kulissen. Selbstanzeige, Strafanzeige, angebliche Urkundenfälschung, Verdacht auf Steuerhinterziehung: Der Eishockey-Oberligist wird in seinen Grundfesten erschüttert, sollten diese Dinge zutreffen.

„Da ist überhaupt nichts dran“, sagt Jan Roterberg, Gesellschafter der EC Hannover Spielbetriebs GmbH. „Die aktuelle Situation ist der bislang unrühmliche Höhepunkt einer Kette von Versuchen, Unruhe an den Pferdeturm zu bringen und die Handelnden zu diskreditieren.“ Gegen Roterberg sowie einen bekannten hannoverschen Versicherungsmakler ist eine Strafanzeige eingegangen, was vom Gesellschafter Donnerstag bestätigt wurde.

Doch der Reihe nach: Am Donnerstag hatte die „Bild“-Zeitung getitelt: „Steuer-Betrug bei den Indians?“ In dem Artikel hatte Wolfram Cech, bis Ende August 2014 Geschäftsführer der EC Hannover Spielbetriebs GmbH, bekannt: „Ich habe am 31. Dezember 2014 um 14 Uhr Selbstanzeige beim Finanzamt Hannover-Nord erstattet.“ Roterberg erwiderte darauf: „Was mich wundert ist, dass ich bis heute keinerlei Kenntnis vom Finanzamt davon habe. Das ist schon sehr ungewöhnlich.“

Cech führte als Erklärung für seinen Schritt an: „Ein Geschäftsführer haftet, ob er nun Schuld hat oder nicht. Ich musste mich selbst anzeigen, obwohl ich nichts gemacht habe.“ Er habe Unregelmäßigkeiten festgestellt, die in seinen Verantwortungsbereich gefallen seien. Dabei gehe es um steuerfreie Feiertags-, Sonntags- und Nachtzuschläge. Und die seien nicht den Vorschriften entsprechend abgerechnet worden, sagte Cech.

Als Beispiel führt er das Oberligaderby zwischen den Indians und den Hannover Scorpions am 15. Dezember 2013 in der Tui-Arena an. Treffpunkt der Mannschaft sei um 12.30 Uhr gewesen, Spielbeginn um 14.30 Uhr. Abgerechnet worden sei jedoch von 15 bis 1.30 Uhr nachts, erklärte Cech. „Das war völlig legitim“, sagte Roterberg dazu. „Unsere Mannschaft war ins griechische Restaurant Ouzeri zum Essen eingeladen. Es handelte sich also um eine Teammaßnahme. Wenn Herr Cech gewollt hätte, hätte er jederzeit Gelegenheit gehabt, in den Unterlagen nachzusehen.“

Die Grundlage für Cechs Strafanzeige gegen Roterberg - beide haben sich in ihrer gemeinsamen Zeit als Verantwortliche überhaupt nicht verstanden - soll eine von Roterberg begangene Urkundenfälschung sein. „Es geht um Zahnzusatzversicherungen für minderjährige Kinder von Spielern, Trainer und Betreuern“, sagte Cech, „mit offensichtlich gefälschten Unterschriften.“ Die fälligen Beträge seien von Roterberg freigegeben und vom Indians-Konto beglichen worden - bis zur Insolvenz 2013.

Der Beschuldigte kann diese Anschuldigung nicht glauben. „Ich habe heute erstmals von der Polizei ein Schreiben bekommen. Es handelt sich hier um einen Vorgang aus dem Jahr 2011“, sagte Roterberg. Er könne sich den Hintergrund der Geschichte, wie er es nennt, nur so erklären: Es habe eine Anfrage der VGH-Versicherung als Partner der Indians gegeben, ob „wir Leute im Verein haben, die sich besonders hervorgetan haben“, sagte Roterberg. Die VGH habe eine bestimmte Anzahl von Zahnzusatzversicherungen sponsern wollen. Das sollte den Indians berechnet werden, der Verein sollte im Gegenzug eine Gutschrift erhalten. „Ich habe eine Liste mit Namen erstellt und an die VGH weitergeleitet. Mehr habe ich davon nicht gehört. Der Betrag ist dann irgendwann abgebucht worden. Eine Gutschrift gab es nicht, weil zwischenzeitlich der Insolvenzantrag gestellt wurde.“ Er habe nie Unterschriften geleistet. „Darum bin ich mir sicher, dass die Anzeige eingestellt wird“, sagte Roterberg, der seit 2004 am Pferdeturm in unterschiedlichen Positionen tätig ist.

Jetzt steht Aussage gegen Aussage. In den nächsten Wochen werden erst einmal die Anwälte das Wort haben. Nach einer ruhigen Saisonpause sieht es nicht aus bei den Indians.

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