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Sportmix Regional Burgwedeler Offenbarungseid im Derby
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16:47 29.04.2018
Kein Durchkommen – und wenn Maurice Herbold (am Ball) mal eine Lücke findet, dann steht dahinter noch ein überragender Jonas Wilde. Quelle: Plümer
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Handball

Es dauerte etwa eine halbe Minute, bis die Spieler der TSV Burgdorf II einen Kreis gebildet hatten, um das obligatorische Tänzchen aufzuführen. Für spontane Jubelszenen fehlte nach dem Abpfiff schlichtweg das Adrenalin. Zu klar war der 28:20 (15:9)-Erfolg der Sieben von Trainer Heidmar Felixson bei Handball Hannover-Burgwedel ausgefallen. Spannung, Kampf und Leidenschaft – dieses Derby ließ praktisch alles vermissen, was eine Begegnung zweier Lokalrivalen normalerweise ausmacht. Verantwortlich dafür waren die HHB-Akteure, die vor 453 Zuschauern eine ihrer schwächsten Saisonleistungen zeigten und sich phasenweise widerstandslos vorführen ließen.

Nur elf Gegentore in 48 Minuten

„Wir hatten schon mehr Gegenwehr erwartet, und im Nachhinein hätten wir uns das sogar gewünscht“, sagte Jonas Wilde. „So hatte es mit einem Derby wenig zu tun“, erklärte Burgdorfs bärenstarker Schlussmann, der im Verbund mit seiner Abwehr bis zu seiner Auswechslung in der 48. Minute nur elf Gegentore hinnehmen musste. „Wenn es spielerisch nicht läuft, muss man kämpfen. Aber auch das haben die Burgwedeler nicht getan“, sagte er.

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Dass neben dem an den Folgen einer Kiefer-Operation laborierenden Torhüter Patrick Anders mit Artjom Antonevitch und Thomas Bergmann beide etatmäßigen Rechtsaußen außer Gefecht waren, konnten die Hausherren nicht kompensieren. Und auch über den linken Flügel kamen sie nicht einmal zum Erfolg. Zu Beginn klappte es immerhin durch die Mitte. So deutete beim Stand von 6:6 nach 16 Minuten noch viel auf einen offenen Schlagabtausch hin. Dann setzte sich die TSV-Reserve durch einen Doppelschlag von Malte Donker und Niklas Diebel auf 8:6 ab (18.). HHB-Trainer Jürgen Bätjer nahm seine erste Auszeit, die sich jedoch nicht positiv auswirkte: Die Burgdorfer zogen auf 13:7 davon (25.).

„Wir haben ihre einfachen Fehler bestraft, waren spielerisch besser und disziplinierter“, sagte Felixsons Assistent Andrius Stelmokas. „Sicherlich hatten wir beim Abschluss hin und wieder auch das Glück auf unserer Seite“, räumte Diebel ein.

Ergebniskosmetik dank Kinzel

Alle Heimfans, die auf ein Aufbäumen gehofft hatten, wurden bitter enttäuscht. Durch drei Treffer am Stück (18:9, 33.) sorgten die Gäste schnell für eine Vorentscheidung. Mit einer Führung von bis zu elf Toren (22:11/48.) im Rücken wechselte Felixson nun munter durch. Der HHB betrieb zumindest noch etwas Ergebniskosmetik, woran sein zur Halbzeit eingewechselter Keeper Pascal Kinzel großen Anteil hatte.

Bätjer tut es leid

Dass die Niederlage am Ende um ein Tor niedriger ausfiel als im Hinspiel (25:34), war für die Funktionäre des Gastgebers nicht einmal ein schwacher Trost. „Es tut mir leid für alle, die sich hier auf ein emotionales Duell gefreut hatten“, sagte Bätjer sichtlich enttäuscht. „Peinlich und sehr ernüchternd. Wir haben gerade mal zwei Zeitstrafen bekommen, der Gegner nicht eine einzige – so kann man kein Derby spielen“, meinte Co-Trainer Jörg-Uwe Lütt. Für Vorstandsmitglied Markus Mücke war es ein „blamabler Offenbarungseid“.

Bätjer hatte die zweite Halbzeit fast durchgehend sitzend und ungewohnt ruhig verfolgt. Nach der Schlusssirene zog er sich mit seinem Team für eine halbe Stunde in die Kabine zurück. Laut wurde es nicht. „Wir haben uns ausgetauscht. Ich will jetzt nicht den Stab über die Mannschaft brechen, sondern lieber meine eigene Rolle reflektieren“, sagte er nachdenklich. Offensichtlich habe man den Spannungsabfall in Folge des sichergestellten Klassenerhalts unterschätzt. „Dass ich nach dem Kraftakt mit neuen Zielen weiteren Druck aufgebaut habe, hat den Spielern offensichtlich nicht gutgetan. „Es ist wohl einfach eine menschliche Reaktion von den Jungs“, urteilte Bätjer.

Handball Hannover-Burgwedel: Räbiger, Kinzel (1) – Herbold (6/1), Freitag (4), Behnke, Michailidis (je 3), Behr, Hoff, Weit (je 1), Dunekacke, Fischer, Paternoga

TSV Burgdorf II: Wilde, Ullrich (1) – Diebel (6), Hoffmann (5), Donker, Feise (je 4), Marx (3), Koch, Mävers (je 2), Krone (1), Thiele, Dräger, Schröter, Krenke

Von Robby Echelmeyer