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TSV Hannover-Burgdorf Recken verlieren hoch in Magdeburg
Sportbuzzer TSV Hannover-Burgdorf Recken verlieren hoch in Magdeburg
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21:16 29.04.2018
IN DER KLEMME: Recken-Star Kai Häfner beim Spiel in Magdeburg. Quelle: imago/Jan Huebner
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Magdeburg

Carlos Ortega war sichtlich angefressen. Der Trainer der Recken saß auf dem Podium, starrte mit finsterem Blick vor sich hin. Sein Statement zur deutlichen 22:31 (9:16)-Schlappe seiner TSV Hannover-Burgdorf beim SC Magdeburg fiel dann auch ziemlich kurz aus. Viel, viel kürzer jedenfalls als gewöhnlich. Der Spanier hatte wenig Lust, über den dürftigen Auftritt seiner Mannschaft, über die misslungene Generalprobe für das Final Four am nächsten Wochenende, zu reden.

Denn das war gar nichts gewesen von seinen Recken, die sich so viel vorgenommen hatten für dieses Spitzenspiel im Magdeburg. Sie hatten vor 6708 Zuschauern überhaupt nichts zu bestellen und verloren völlig zu Recht auch so deutlich. Nur aufgrund der Überheblichkeit des SCM in der Mitte der zweiten Halbzeit und etliche Wechsel verhinderten, dass das Ergebnis nicht noch höher ausfiel. Das Ziel Europapokal kann die TSV Hannover-Burgdorf damit zumindest über die Handball-Bundesliga praktisch nicht mehr erreichen. Die einzige Hoffnung: Vielleicht klappt es ja am nächsten Wochenende beim Pokal-Final-Four in Hamburg.

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Die müden Recken waren in der stimmungsvollen Halle von Beginn an unterlegen. Sie agierten lange Zeit nahezu körperlos und ließen den schnelleren Magdeburgern viel zu viele Freiheiten. Besonders Michael Damgaard, vor dem Ortgea vorher noch so gewarnt hatte, bekam alle Freiheiten und nutzte diese zu elf Toren. Aber auch Linksaußen Matthias Musche war von der indisponierten TSV-Abwehr nicht zu halten.

Was gestern Nachmittag besonders auffiel: Die Recken präsentierten sich, anders als in der bisherigen Saison, nicht als Mannschaft, nicht als verschworene Einheit. Es kämpfte nicht einer für den anderen, nur so bekam ein Klassespieler wie Dammgaard derart viele Freiheiten. „Unser Verhalten hat mich phasenweise an ein A-Jugendspiel erinnert“, sagte Torjäger Casper Mortensen. „Wir haben ohne Dampf und Einstellung gespielt. Das war nicht okay, da fehlte der unbedingte Wille.“

Gar nicht einverstanden mit dem Gesehenen war auch Recken-Geschäftsführer Benjamin Chatton. „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, sagte er. „Wir haben hinten nicht gut verteidigt und vorn keine Mittel gefunden gegen den überragenden Torwart Dario Quensttedt.“ So sah es auch Ortega. „Wir hatten riesige Probleme, Tore zu machen“, sagte der Trainer, der nicht als Entschuldigung anführen lassen wollte, dass viele vielleicht mit den Gedanken schon beim Final Four seien. „Ich jedenfalls nicht“, sagte er. „Ich habe mich 100-prozentig auf Magdeburg vorbereitet.“

Vielleicht nicht aber alle Spieler, von denen etliche ihrer Normalform weit hinterher liefen. Die rechte Seite etwa mit Timo Kastening und Kapitän Kai Häfner brachte es auf ein Tor (Häfner), konnte aber in der Abwehr Damgaard und Musche nicht entscheidend einengen. Allerdings erhielten sie dabei auch keine Hilfe von ihren Nebenleuten, die viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Positiv fielen gestern nur Mortensen (acht Tore) und Fabian Böhm (sechs Treffer) auf.

Etwas überraschend waren auf dem Spielberichtsbogen die Namen der beiden angeschlagenen Mait Patrail und Runar Karason aufgetaucht. Die beiden sind angeschlagen, galten eigentlich als sichere Ausfälle. Sie wurden sporadisch eingesetzt. „Wir müssen ja sehen, dass wir sie für die nächste Woche in Form bringen“, begründete Chatton. Spielpraxis haben sie gesammelt, Selbstvertrauen allerdings nicht.

Von Jörg Grußendorf