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TSV Hannover-Burgdorf Recken werden zu TV-Stars
Sportbuzzer TSV Hannover-Burgdorf Recken werden zu TV-Stars
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19:10 18.09.2017
Die Handball-Recken feiern den Sieg gegen Magdeburg. Am Sonntag geht es nach Leipzig.
Die Handball-Recken feiern den Sieg gegen Magdeburg. Am Sonntag geht es nach Leipzig. Quelle: Sielski
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HAnnover

Fünf Spiele, fünf Siege, Tabellenführung – das schmeckt den Recken! So gut, dass sich Cheftrainer Carlos Ortega und sein Assistent Iker Romero eine Schürze umbinden, sich in der Küche der Tui-Arena an den Herd stellen, Tapas zubereiten – und genüsslich mit einem Glas Rotwein anstoßen. Das alles natürlich nicht zum Spaß. Das spanische Trainergespann ließ sich für den Sportschau-Beitrag filmen, der am frühen Sonntagabend zusammen mit dem Spielbericht vom 32:30-Sieg gegen Magdeburg ausgestrahlt wurde. „Es ist aufregend für mich“, sagt Liga-Neuling Ortega nach dem Sieg in die Kamera: „Und dann diese Serie – sensationell!“

Die Spitzen-Recken sind gefragt, werden plötzlich zu Medienstars. Am späten Sonntagabend der nächste TV-Auftritt eines Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf im NDR-Sportclub. Abwehrchef Sven-Sören Christophersen erklärte Gerhard Delling eloquent das Recken-„Märchen“, wie der Moderator den Höhenflug der Hannoveraner bezeichnete. Während sich ein Teil des Teams auf Einladung von Tui-Arena-Eigner Günter Papenburg beim Helene-Fischer-Konzert vergnügte, habe er „Prioritäten gesetzt“, flachste Christophersen, der mit „Smöre, Smöre“-Sprechchören im TV-Studio gefeiert wurde.

Delling bohrte noch einmal in der mittlerweile ziemlich gut verheilten Wunde, die die katastrophale Rückserie der vergangenen Saison mit 16 sieglosen Spielen hinterlassen hatte. „Das hat richtig wehgetan“, erinnerte sich Christophersen und zeigte ein großes Herz für Ex-Coach Jens Bürkle: „Unser alter Trainer war kein schlechter.“ Für Bürkle sei die aktuelle Erfolgsserie „auch keine einfache Zeit“.

Dennoch ist sie auch ein Verdienst seines Nachfolgers Carlos Ortega. Der neue Re­cken-Chefkoch hat die Zutaten neu gemischt und offenbar die richtigen Rezepte für jede Spielsituation gefunden. Oft waren die Recken in Schwierigkeiten, gegen Lübbecke im Pokal, gegen Wetzlar, zuletzt gegen Magdeburg. Immer fanden sie die Wende. „Natürlich haben wir im Mo­ment auch sehr viel Glück“, sagt Ortega bescheiden. „Wir dürfen uns nicht zu sehr blenden lassen, aber wir genießen es trotzdem“, sagt Christo­phersen, der mit den Recken „die Serie so lange wie möglich am Leben erhalten“ möch­te: „Der Erfolg ist harte Arbeit. wir tun viel dafür“. betonte Torwart Martin Ziemer, der gegen Magdeburg ein starkes Comeback nach Verletzungspause gab und den Sieg mit seinen Paraden festhielt.

Mal wieder Augenzeuge nach drei Spielen ohne seine Recken: Bernd Gessert. Der Mäzen hatte nur das erste Spiel gegen Flensburg live verfolgt und ging dann auf seinen jährlichen Segeltörn mit Freunden nach Griechenland. Rückkehr gegen Magdeburg – und weiter großes Staunen beim Hauptgeldgeber: „Sensationell! Wer hätte das gedacht, dass ein Trainerwechsel so was bewirken kann.“ Mit vier Punkten hatte Gessert aus den ersten fünf Spielen gerechnet. Jetzt sind es zehn. Die Erfolgsserie ist ganz nach seinem Ge­schmack. Wird diese Saison etwa sein ewiger Traum von der Champions League war? „Nein, nein. Abwarten. Wenn wir am Ende Fünfter werden, wäre das schon sehr, sehr gut.“ Das ist das Gute an der neuen Recken-Euphorie: Niemand dreht durch. Trotzdem: „Sport ist schon komisch“, sagt Gessert nachdenklich. „96 oben, wir oben. Das ist schon verrückt.“

Von Simon Lange