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TSV Hannover-Burgdorf TSV-Trainer Nordmeyer überrascht mit Abschied
Sportbuzzer TSV Hannover-Burgdorf TSV-Trainer Nordmeyer überrascht mit Abschied
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00:19 15.05.2015
Von Carsten Schmidt
Foto:„Bin ich noch der Richtige?“: Nordmeyer zieht die Konsequenz aus seinen Zweifeln.
„Bin ich noch der Richtige?“: Nordmeyer zieht die Konsequenz aus seinen Zweifeln. Quelle: Petrow (Archiv)
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Hannover

„Wir haben die Entscheidung des Trainers respektiert, dass der gemeinsame erfolgreiche Weg nach dieser Saison zu Ende ist“, sagte TSV-Geschäftsführer Benjamin Chatton. Der 47-jährige Coach ergänzte, er habe in den vergangenen Wochen die Frage, „ob ich noch der richtige Trainer für diesen Verein bin, nicht mehr eindeutig mit Ja beantworten können“. Ebenfalls seine Tätigkeit bei der TSV beenden wird Co-Trainer Alexander Grah, der jüngere Bruder Nordmeyers.

Der Schritt kam überraschend, auch wenn Nordmeyer bereits vor zwei Monaten Fragen zu seiner Trainerzukunft ausweichend beantwortet hatte. Die Erstliga-Mannschaft der TSV hatte nach einer Problemsaison mit zahlreichen Verletzten zuletzt aufsteigende Form gezeigt. Im Punktspiel gegen Pokalsieger SG Flensburg/Handewitt vor der vierwöchigen Bundesligapause hatten die Hannoveraner ein 25:25-Remis erkämpft – ein Ergebnis, das viel Mut für die noch ausstehenden Spiele gemacht hatte. Die TSV hat als Tabellen-13. fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrang. Aus den letzten vier Partien dieser Spielzeit gegen Wetzlar am Sonntag, in Lemgo (23.  Mai), gegen Kiel (3. Juni) und in Melsungen (5. Juni) reicht voraussichtlich ein Erfolg zur endgültigen Rettung.

Testspielerfolg belegt Aufwärtstrend

Dass die TSV-Erstligahandballer sich auf einem guten Weg befinden, zeigten sie bei einem Testspiel am Montagabend. Da gab es einen deutlichen 45:30-Sieg beim Zweitliga-Absteiger Eintracht Hildesheim. Der Trainer war besonders darüber erfreut, dass „die Spieler nach der Wettkampfpause wieder im Rhythmus waren“.

Nordmeyer will seinen Abschied nicht mit der aktuellen sportlichen Situation in Verbindung gebracht sehen. Er lässt aber durchblicken, dass die Misserfolgsserie der TSV zu Jahresbeginn und das Abrutschen in die Abstiegszone seinen Entschluss mit beeinflusst hat. „Diese Saison mit all den Rückschlägen hat sehr viel Kraft gekostet“, sagte er. „Die TSV Hannover-Burgdorf hat es verdient, vom absolut richtigen Trainer geführt zu werden. Daher ist meine Entscheidung, fernab von jeglichen nostalgischen Gefühlen, die beste.“

Nordmeyer hat bisher eine außergewöhnliche Trainerlaufbahn hingelegt. Er ist seit 40 Jahren bei der TSV Burgdorf und hat dort als aktiver Handballer begonnen. Er war als Spieler auf dem gesamten Weg der TSV von der 4. bis in die 1. Liga dabei und beendete 2009, mit knapp 42 Jahren, die aktive Spielerlaufbahn, als der Sprung in die höchste deutsche Spielklasse perfekt gemacht worden war. Im Februar 2011 übernahm er die hannoverschen Bundesliga-Handballer, ohne je zuvor ein Profimännerteam betreut zu haben. Bis dahin hatte Nordmeyer die Frauen von Wacker Osterwald trainiert, die eine Zeit lang der 2. Handball-Bundesliga angehörten.

Erfolgsreichster TSV-Trainer überhaupt

Der Debütant auf der Erstliga-Trainerbank bescherte Hannover während seiner viereinhalbjährigen Tätigkeit jedoch die bisher erfolgreichste Handball-Zeit. Nordmeyer führte die Mannschaft 2013 auf den 6. Tabellenplatz in der Bundesliga und damit auf die europäische Bühne in den EHF-Cup.

Chatton dankte dem Trainer und seinem Assistenten ausdrücklich für die geleistete Arbeit für den hannoverschen Club. „Wir haben in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte in der Region Hannover geschrieben, Christopher Nordmeyer und Alexander Grah werden immer sehr eng damit verbunden sein“, sagte der TSV-Geschäftsführer. Einen genauen Zeitrahmen für die Präsentation eines neuen Coaches wollte Chatton nicht nennen. „Spätestens bis zur Vorbereitung auf die neue Saison“, sagte er. Wegen diverser Weichenstellungen im sportlichen Bereich, an denen der Nordmeyer-Nachfolger zwangsläufig beteiligt sein wird, ist allerdings mit einem deutlich früheren Zeitpunkt zu rechnen. Auf jeden Fall soll der neue TSV-Trainer „deutschsprachig“ sein und über Erfahrung im Profibereich verfügen.

Auswirkungen des angekündigten Trainerabschiedes auf die letzten Spiele der aktuellen Saison erwartet Chatton insofern, als dass „die Spieler Christopher einen guten Saisonausklang“ ermöglichen. Auch Nordmeyer betonte, dass er „noch so viele Punkte wie möglich in den verbleibenden Spielen holen“ wolle.

Der scheidende Trainer ließ am Dienstag auch seinen ausdrücklichen Dank an „alle Personen“ ausrichten, die ihn in den vergangenen Jahren begleitet haben. Dabei hob er besonders seinen Bruder und Co-Trainer Alexander Grah hervor. Und Nordmeyer betonte: „Ich werde dem Verein weiterhin emotional verbunden bleiben.“     

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