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Fußball-EM 2012 Der unberechenbare Löw
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06:15 15.06.2012
Von Heiko Rehberg
Liebt es, wenn ein Plan gelingt: Bundestrainer Joachim Löw.
Liebt es, wenn ein Plan gelingt: Bundestrainer Joachim Löw. Quelle: dpa / Marcus Brandt
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Danzig

Der Mann ist in gewisser Weise ansteckend. Auch am Montag federte Joachim Löw, den Pressesprecher Harald Stenger immer mit „Jogi“ begrüßt, leichten Schrittes auf die Bühne und gab den auf jedes Augenzwinkern wartenden Fotografen Zeit für ein paar Bilder. Und als dann noch ein polnischer Helfer einen Becher mit seinem geliebten Espresso gebracht hatte, war für Löw die Welt in Ordnung.

Der Bundestrainer demonstriert in diesen Tagen eine Gelassenheit, für die gestresste Manager in der Wirtschaft viel Geld bezahlen würden, wenn Löw ihnen verriete, wo oder wie man die bekommt. Löw muss sich bei einer Europameisterschaft jeden Tag mit etwas Lästigem herumplagen, und wären es nur widerborstige Portugiesen oder Niederländer auf dem Spielfeld, der Bundestrainerjob wäre ein Traum.

Löw muss sich aber auch herumplagen mit Models, die gerne in die Schlagzeilen wollen, und Nationalspielern, die genau das nicht begreifen. Oder er bekommt es mit früheren Nationalspielern zu tun, denen der Fußball seiner Mannschaft nicht gefällt (Günter Netzer) oder deren Stürmer (Mehmet Scholl). Wie lässig Löw aber gestern Scholl wegen dessen Kritik an Mario Gomez ins Abseits laufen ließ, indem er sagte, er habe „keine Energie, sich damit zu beschäftigen, was der eine oder andere sagt“, das war die große Schule demonstrativer Unaufgeregtheit.

Dabei ist es nicht so, dass ihn die Vorstellung der deutschen Mannschaft beim 1:0-Sieg gegen Portugal restlos zufriedengestellt hat. Löw hat sich das Spiel noch einmal auf DVD angesehen, einiges hat ihm dabei missfallen. „Wir hatten vorne nicht genug Durchschlagskraft“, sagte der Bundestrainer, und überhaupt gebe es noch „Steigerungspotenzial“ vor dem zweiten Gruppenspiel am Mittwoch gegen den alten Rivalen Niederlande. „Wir haben ein erstes kleines Etappenziel erreicht, aber wir haben noch keine großen Schritte gemacht“, sagte Löw.

Der Bundestrainer wies darauf hin, dass es ein Duell werde, bei dem beide Mannschaften genau voneinander wüssten, wie sie spielten. Für den 52-Jährigen ist das eine der schönsten Herausforderungen. Und damit nicht nur die Journalisten, sondern auch der Kollege Bert van Marwijk bei Aufstellung und Taktik ein bisschen was zu rätseln bekommen, sagte Löw mit lauter Stimme, wie er es immer tut, wenn ihm etwas wichtig ist: „Sie müssten mich alle so gut kennen, dass ich ab und zu für eine Überraschung gut bin, nicht immer berechenbar bin.“ Außerdem, so Löw, „bin ich nicht derjenige, der sagt: ,Never change a winning team‘“.

Dass Löw die Elf gegenüber dem Portugal-Spiel ändert, kann eine Irreführung gewesen sein. Oder ein Hinweis auf das, was er vorhat. Vor allem aber war das am Montag in Danzig beste Unterhaltung mit dem „Jogi“.

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