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Fußball-EM 2012 „Generation 100“ fehlt die Krönung
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14:49 17.06.2012
Die „Generation 100“ prägt die deutsche Nationalmannschaft - nur ein Titel fehlt ihr noch.
Die „Generation 100“ prägt die deutsche Nationalmannschaft - nur ein Titel fehlt ihr noch. Quelle: dpa
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Lwiw

Lukas Podolski macht nur den Anfang. Schon bei der Fußball-Europameisterschaft steigt der „ewige Poldi“ im Alter von gerade einmal 27 Jahren in den elitären „Club der Hunderter“ auf. Und damit ist der Kölsche Jung lediglich der Erste aus der von den Kapitänen Philipp Lahm (28) und Bastian Schweinsteiger (27) angeführten „Generation 100“, die bei allem Stolz auf ihre nun bald kollektiv dreistellige Länderspielzahl eine unerfüllte Sehnsucht teilt. Podolski sprach sie vor seinem erhofften Jubiläumseinsatz am Sonntag in Lwiw gegen Dänemark selbst an: „Uns fehlt noch ein Titel!“

Podolski, Schweinsteiger (92 Einsätze vor Dänemark) und Lahm (88) gehören seit 2004 sozusagen zum Inventar der Nationalmannschaft. Das immer noch junge Trio absolviert in Polen und der Ukraine bereits das fünfte große Turnier. Es sind zugleich die drei Spieler, die Joachim Löw in seinen sechs Jahren als Bundestrainer am häufigsten einsetzte.

Entsprechend schwärmte Löw vor dem Dänemark-Spiel von seinen drei Musterschülern: „In erster Linie bestechen diese Spieler, die jetzt an die 100 Länderspiele kommen, durch ihre Qualitäten und Fähigkeiten als Fußballer. Des weiteren natürlich auch durch ihren Charakter, der geprägt ist von professionellem Verhalten.“

Als „Riesenerfolg“ bewertet Löw den Aufstieg des Trios in den von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus mit 150 Einsätzen angeführten Hunderter-Club, in den Podolski erst als zehnter deutscher Akteur vorstößt. „Ich habe immer gesagt: 100 Länderspiele ist ein Ziel, eine Marke, ein Traum“, erklärte der Jubilar. „Ich fühle mich sauwohl im Nationalteam und hoffe, dass es noch ein paar Jahre weitergeht.“

Die groß gewordene Generation um die Sommermärchen-Lieblinge „Poldi und Schweini“ profitierte 2004 vom zweiten EM-Desaster der deutschen Nationalmannschaft binnen vier Jahren. Jürgen Klinsmann setzte konsequent auf die Jugend, Löw führt das - noch verschärft - fort. Die Zeiten im deutschen Fußball haben sich radikal verändert.

Trau keinem über 30 lautet das Motto anno 2012, wie Kapitän Lahm in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bestätigte: „Man muss sich nur die Konstellation in unserer Mannschaft anschauen. Es kommen ständig talentierte Spieler nach mit hoher Qualität. Da wird es für die Älteren schwer, das Tempo weiterzugehen. Früher hat man gesagt, von 28 bis 32 ist das perfekte Fußballalter. Das ist heute anders. Heute liegt es so zwischen 24 und 30, vielleicht 32.“ In Löws EM-Startelf stand kein Ü 30-Spieler - Lahm, Schweinsteiger, Podolski waren die ältesten im schwarz-rot-goldenen Nationalteam.

Kurz vor den 100 kann es einen erwischen - siehe Per Mertesacker. Der 81-malige Nationalspieler hat nach einer langwierigen Verletzung bei der EM seinen Platz als Abwehrchef abgeben müssen und verliert gerade den Anschluss an Poldi & Co. Die 100 ist für den Arsenal-Profi in Gefahr geraten. Auch Ex-Kapitän Michael Ballack musste diese bittere Erfahrung machen, als er sich vor der WM 2010 erst verletzte und dann mit Löw verkrachte: Mit 98 Länderspielen verfehlte er hauchdünn den Hunderter-Club.

Glück und Durchhaltevermögen sind nötig, um die Angriffe der Jungstars abzuwehren und wie Podolski die Jagd auf den Rekord von Matthäus fortsetzen zu können. Löw schwärmte in Lwiw von seinem Lieblingsschüler, der die Nationalmannschaft als seine zweite Heimat und große Liebe neben dem 1. FC Köln bezeichnet hatte: „Lukas war in den vielen Jahren, die wir jetzt zusammenarbeiten, so gut wie nie verletzt. Er bringt physisch hervorragende Voraussetzungen mit. Und er hat für uns nicht nur bei den Turnieren viele wichtige und entscheidende Tore erzielt. Von daher ist es eine große Leistung, wenn man im Alter von 27 Jahren 100 Länderspiele erreicht.“

Allein „Statistiken nachjagen“, wie Podolski sagte, will die „Generation 100“ aber nicht. „Ich will mal was in Händen halten“, sagte Schweinsteiger, der wie Podolski und Lahm zweimal WM-Dritter und einmal EM-Zweiter geworden ist und dazu wie Vereinskollege Lahm gerade zum zweiten Mal ein Champions-League-Endspiel verloren hat. Auch Löw sprach die fehlende Krönung an: „Ein Titel würde ihnen gut zu Gesicht stehen. Sie sind zwei-, dreimal knapp gescheitert.“

Gleich fünf Nationalspieler aus den Top Ten der deutschen Rekordakteure - Matthäus, Klinsmann, Kohler, Beckenbauer, Häßler - sind Welt- und Europameister geworden. Lahm, Schweinsteiger, Podolski warten noch: „Sie können dem Ganzen natürlich noch das i-Tüpfelchen aufsetzen und sich mit einem Titel unsterblich machen“, sagte Löw: „Von den Europameistern 1996 oder 1972 redet man auch heute noch.“  

dpa

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