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Fußball-EM 2012 Merkel droht mit EM-Boykott in der Ukraine
Sportbuzzer Themen Fußball-EM 2012 Merkel droht mit EM-Boykott in der Ukraine
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07:29 30.04.2012
Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft.
Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft. Quelle: dpa
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Berlin

Lediglich der für Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) soll dem Vernehmen nach Spielen der deutschen Mannschaft in der Ukraine beiwohnen. Der CSU-Minister, der das Spiel am 13. Juni im ukrainischen Charkow gegen die Niederlande bereits fest eingeplant hat, sagte dieser Zeitung, dass er vor dem Spiel auf jeden Fall Timoschenko in der Haft beziehungsweise im Krankenhaus von Charkow besuchen werde. Noch in dieser Woche wollen Ärzte der Berliner Charité zu einer erneuten Untersuchung Timoschenkos nach Charkow reisen. Die Widersacherin von Präsident Wiktor Janukowitsch befindet sich nach eigenen Angaben seit dem 20. April im Hungerstreik. Sie wirft dem Staat Foltermethoden in der Haft vor, weil sie nicht ordnungsgemäß behandelt werde.

Im Kanzleramt und im Außenministerium werden derzeit weitere politische und diplomatische Schritte geprüft, um Präsident Janukowitsch und die Behörden in Kiew zu einem Entgegenkommen zu bewegen. Beobachter in Kiew glauben, dass Janukowitsch ein mögliches Comeback von Timoschenko bei der Parlamentswahl im Herbst fürchtet. Seine Partei der Regionen ist in Umfragen abgestürzt. Dem könnten schöne Bilder mit internationalen Politikern am Rande der Europameisterschaften entgegenwirken. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte vor diesem Hintergrund: „Politiker müssen aufpassen, dass sie nicht zu Claqueuren des Regimes werden.“ Und der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz (SPD) meinte, sollte Kiew das Problem nicht schnellstens lösen, dann sei das Abkommen mit der EU über wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit gefährdet. Auch der russische Präsident Dmitri Medwedew kritisierte den Umgang der Ukraine mit Timoschenko: Die Inhaftierung der Oppositionsführerin sei „völlig inakzeptabel“. Der Kreml hatte bereits mehrfach massive Kritik am Prozess gegen Timoschenko geäußert. Sie war im Vorjahr wegen angeblich einseitiger Gasverträge zugunsten Russlands verurteilt worden. 

Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß ermutigte die deutschen Nationalspieler, ihre Solidarität mit ukrainischen Regierungskritikern zu bekunden. „Sie würden damit Größe zeigen“, sagte Hoeneß dem „Spiegel“. „Ich hätte Respekt vor jedem Spieler, der öffentlich Stellung zu diesem Thema bezieht.“

Reinhard Zweigler