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Fußball-EM 2012 Mertesacker hofft auf einen Stammplatz
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11:48 07.06.2012
Von Heiko Rehberg
„Ich bin froh über das positive Feedback meines Körpers“: Per Mertesacker hätte es auch einfacher ausdrücken können. Er fühlt sich fit für das EM-Auftaktspiel gegen Portugal. Quelle: dpa
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Danzig

Der dritte Arbeitstag in Danzig begann für Per Mertesacker am Mittwoch mit einer guten Nachricht. Cristiano Ronaldo verletzt, der Star von Deutschlands EM-Auftaktgegner Portugal? Stammplatzgarantie von Bundestrainer Joachim Löw? Nichts von beidem war der Fall. Mertesacker hatte am Morgen erfahren, dass am Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch kommen würde. „Ich habe mich gefreut“, sagte er, „ihre Besuche sind ein gutes Omen und ihre Ansprachen an die Mannschaft immer kurz und prägnant.“

„Merte“ und Merkel: Man kennt sich seit der WM 2006, auf viele Nationalspieler hat die Kanzlerin seitdem Eindruck gemacht, gerade weil sie nicht vorgibt, vom Fußball allzu viel zu verstehen. Nach einem freundlichen Empfang, ein paar warmen Worten und einem gemeinsamen Essen im Mannschaftsquartier „Dwor Oliwski“ reiste Merkel wieder ab und durfte von Mertesacker ein Versprechen mit nach Berlin nehmen. „Wir werden unser Land bestmöglich repräsentieren und wollen gute Botschafter für Deutschland sein“, sagte der 27-Jährige, „ich denke, das ist auch im Sinne der Kanzlerin.“

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Für Mertesacker ist die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sein viertes großes Turnier. Aber diesmal steht er vor einer neuen Situation. Vor der WM 2006, der EM 2008 und der WM 2010 hatte der Pattenser seinen Stammplatz in der Innenverteidigung sicher. Zwei Tage vor dem deutschen EM-Auftakt gegen Portugal spricht zwar vieles dafür, dass der frühere Profi von Hannover 96 gemeinsam mit dem Münchener Holger Badstuber das zentrale Abwehrpärchen bilden wird, ein Zeichen vom Bundestrainer hat Mertesacker aber noch nicht bekommen.

Als ein Fernsehreporter aus Mertesackers Anwesenheit bei der Pressekonferenz und dem Einsatz in den vergangenen beiden Testspielen die Schlussfolgerung zog, der Profi von Arsenal London sei gesetzt, lächelte dieser freundlich, beließ es aber bei einer sehr zurückhaltenden Werbung in eigener Sache. Er habe in der Vergangenheit „die Erfahrungen mitgenommen, was die Truppe braucht“, sagte er. Mertesacker weiß: Seine 81 Länderspiele, die Routine von drei Turnieren, sind sein Vorteil gegenüber dem Dortmunder Mats Hummels. Sein Nachteil: Ihm fehlt nach langer Pause wegen einer Sprunggelenkverletzung die Spielpraxis.

„Der Bundestrainer hat riesengroße Optionen. Deshalb wird es harte Entscheidungen für einzelne Spieler geben“, sagte Mertesacker und vermittelte nicht den Eindruck, dass er befürchtet, davon betroffen zu sein. Hinter ihm steckt „eine lange Leidenszeit“, immer verbunden mit der Ungewissheit, dass es vielleicht doch nicht reichen könnte bis zum Turnier. Gestern sagte Mertesacker den schönen Satz: „Ich bin wirklich froh über das positive Feedback von meinem Körper.“ Oder anders ausgedrückt: Trainer, ich bin fit.

Mertesacker glaubt, dass die Verletzung und die anschließenden Rehabilitationswochen am Ende für ihn sogar etwas Positives haben. „Ich hatte viel Zeit, mich in Ruhe auf das Turnier vorzubereiten. Ich hoffe, dass man das auch sieht.“ Der Wechsel von Bremen nach London, die Rolle als Vater, die neue Liga, die neue Sprache: Es ist in kurzer Zeit viel passiert in seinem Leben, der früher oft etwas mürrische Mertesacker wirkt gereift, nicht nur sportlich. Er macht gelassene Scherze („Ich war früher schon beweglich, das hat wegen meiner Körperlänge nur keiner gesehen“) und erzählt von seinem Bruder, der mit ein paar Kumpeln mit dem Auto Richtung Ukraine unterwegs ist, um ihn Sonnabend in Lwiw anfeuern zu können. „Wenn er anruft, dass er gut angekommen ist, bin ich beruhigt“, sagte Mertesacker. Dann fehlt nur noch eine gute Nachricht vom Bundestrainer.

Der deutsche Sicherheitsdienst:

Das waren noch Zeiten in der Abwehr: 1972, als Deutschland das erste Mal Europameister wurde und ganz nebenbei noch einen wundervollen Fußball spielte, gab es noch keine festen Rückennummern, keine Viererkette – und die Innenverteidiger hießen noch Vorstopper. Und falls sich mal ein gegnerischer Stürmer bis in die deutsche Abwehr vorgespielt hatte, machte er die unliebsame Bekanntschaft von Georg Schwarzenbeck, genannt „Katsche“. Heute, zwei Tage vor dem deutschen EM-Auftaktspiel gegen Portugal, wird lebhaft diskutiert, welches die beste deutsche Innenverteidigung wäre. Per Mertesacker mit Holger Badstuber? Badstuber mit Mats Hummels? Hummels und Mertesacker? Vielleicht sogar Jerome Boateng und Badstuber? Eine gute Gelegenheit, an die deutsche Innenverteidigung vergangener EM-Turniere zu erinnern.

EM 2008: Bundestrainer Joachim Löw setzt in Österreich und der Schweiz auf das Sommermärchen-Duo von 2006: Mertesacker und Christoph Metzelder. Problem 1: Metzelder ist bei Real Madrid wegen einer Verletzung fast nie zum Einsatz gekommen. Problem 2: Das merkt man während des Turniers. Der Boulevard spottet über „Schnarch & Schleich“, im Viertelfinale und Halbfinale gibt es jeweils zwei Gegentore, trotzdem reicht es für das Finale (0:1 gegen Spanien).

EM 2004: Als Deutschland durch ein 1:2 gegen Tschechien im letzten Vorrundenspiel ausscheidet, verteidigen innen Christian Wörns und Jens Nowotny. Sicherheit strahlen sie nicht aus, auffällig ist nur der neue Linksverteidiger: Ein gewisser Bastian Schweinsteiger, der kurz vor der EM sein erstes Länderspiel gemacht hat.

EM 2000: Bei Deutschlands peinlichstem EM-Auftritt trifft Thomas Linke und Nowotny nicht die Hauptschuld. Um Platz für Lothar Matthäus zu finden, holt Bundestrainer Erich Ribbeck den Libero wieder aus der Taktikmottenkiste. Das 0:3 gegen Portugal bedeutet das Vorrundenaus.

EM 1996: Es ist eine merkwürdige Aufstellung, mit der Deutschland Europameister wird. Mit Markus Babbel gibt es nur einen richtigen Manndecker. Thomas Helmer verteidigt weiter vorn, Matthias Sammer überall.

EM 1992: Jürgen Kohler verteidigt an der Seite von Guido Buchwald.

EM 1988: Kohler und Uli Borowka können das Halbfinalaus gegen die Niederlande (1:2) nicht verhindern.

EM 1984: Heute würde man von einer Dreierkette sprechen, gebildet von den Förster-Brüdern Karlheinz und Bernd sowie Uli Stielike.

EM 1980: Mit Karlheinz Förster und Stielike innen gibt es Titel Nummer 2.

EM 1976 und 1972: Ein Fall für Schwarzenbeck.

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