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Fußball-EM 2012 Mesut Özil steht vor „Explosion“
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06:15 23.06.2012
Von Heiko Rehberg
Foto: Spielmacher Mesut Özil hat noch Luft nach oben. Trainer Joachim Löw traut ihm gegen Griechenland viel zu.
Spielmacher Mesut Özil hat noch Luft nach oben. Trainer Joachim Löw traut ihm gegen Griechenland viel zu. Quelle: dpa
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Danzig

Bevor man Joachim Löw mit seinem schönsten Satz des Dienstags zitiert, muss man vielleicht das eine oder andere vorausschicken, weil es das Verständnis einfacher macht.

Der Bundestrainer bewegt sich und die deutsche Nationalmannschaft bislang mit großer Gelassenheit und traumwandlerischer Sicherheit durch die Fußball-Europameisterschaft. Beides ist das Resultat der Gewissheit, stets die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben, auch in kniffligen Situationen.

Miroslav Klose oder Mario Gomez? Mats Hummels oder Per Mertesacker? Schon vor dem ersten Turnierspiel gegen Portugal (1:0) hatte Löw zwei Probleme größerer Dimension zu lösen, schließlich waren Klose und Mertesacker in den vergangenen Jahren Leistungsträger, eine Startformation ohne sie schien trotz ihrer Verletzungspausen undenkbar. Löw entschied sich dennoch für Gomez und Hummels, weil er der größeren Spielpraxis mehr Bedeutung zumaß. Gomez hat das Portugal-Spiel und die Partie gegen die Niederlande (2:1) mit seinen Toren alleine entschieden, Hummels spielte zweimal überragend und gegen Dänemark (2:1) gut.

Als vor dem Spiel gegen die Dänen ein Teil der deutschen Öffentlichkeit eine Denkpause für Lukas Podolski forderte, hielt Löw stur an seinem Stürmer fest, der prompt das 1:0 erzielte. Auch Löws Wahl mit Lars Bender als Rechtsverteidiger wurde zum Glücksfall dank dessen Siegtor gegen die Nordeuropäer.

Wer sich das alles in Erinnerung ruft, sollte heute in ein Wettbüro laufen und Geld auf Mesut Özil setzen, denn der Bundestrainer hat am Dienstag für das Viertelfinalspiel gegen Griechenland am Freitag (20.45 Uhr, live im ZDF) Folgendes angekündigt: „Die große Explosion von Özil kommt noch, ich spüre das.“ Bislang hatte Löw stets das richtige EM-Gespür, wobei man in diesem Fall hoffen sollte, dass lediglich Özils Leistung explodiert.

Genau damit hatten Experten und Fans schon in den ersten drei Turnierspielen gerechnet. In den meisten Umfragen, wer denn der überragende Spieler der Europameisterschaft werden könnte, fiel der Name von Özil am häufigsten. Doch bislang konnte der 23-Jährige diese großen Erwartungen nicht erfüllen.

Als Löw nach dem 2:1-Sieg gegen die Dänen in Lwiw gefragt wurde, wie er denn Özils Leistung einschätze, wusste er natürlich, in welche Richtung die Sache läuft. Es war Özils bislang schwächstes Spiel. Ihm war die Vorbereitung zum Siegtor gelungen, aber sonst nicht viel. Er hatte oft mit sich selbst gehadert oder über Gegenspieler William Kvist geschimpft. Einmal in der 2. Halbzeit war er ausgerutscht und auf dem Hosenboden sitzen geblieben, die Szene fasste seine Leistung prägnant zusammen. Doch Löw beantwortete die Frage im Stenogrammstil dennoch so: „Immer angeboten, sehr ballsicher, gut gearbeitet, viel gelaufen.“ Der Bundestrainer ist jemand, der elegant und ohne den Spieler bloßzustellen mit einem Lob gleichzeitig Kritik üben kann. In diesem Fall dadurch, was er lobt. Und was nicht.

Für einen, den José Mourinho, sein Vereinstrainer bei Real Madrid, für den momentan „besten Zehner der Welt“ hält, waren es bei der EM bislang wenig Geniestreiche. Özil war stets viel unterwegs, aber normalerweise hat er dank seiner herausragenden Technik pro Spiel sieben, acht spektakuläre Aktionen. Bislang beschränkte er sich auf zwei oder drei davon.

Löw beurteilt Özil nach dem, was er „das Gesamtpaket“ nennt, und in dem war laut dem Bundestrainer auch eine „absolute Mannschaftsdienlichkeit“ verpackt. Etwas, auf das der Bundestrainer auch bei seinen kreativen Köpfen Wert legt.

Özil hat gestern wie Bastian Schweinsteiger und Lars Bender leicht angeschlagen die Übungseinheit mit der Mannschaft ausgelassen, heute soll er aber schon wieder trainieren. Er selbst sagt mit Blick auf das Viertelfinale gegen die Griechen und zwei weitere mögliche Spiele, „dass ich noch torgefährlicher werden kann“, ohnehin seine vielleicht noch größte Schwäche. „Und ich glaube, ich werde in den nächsten EM-Spielen bessere Leistungen bringen. Aber so schlecht war es bisher auch nicht.“

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