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Ostblog – Heiko Rehbergs EM-Tagebuch Eine Nacht auf dem Rollfeld
Sportbuzzer Themen Fußball-EM 2012 Ostblog – Heiko Rehbergs EM-Tagebuch Eine Nacht auf dem Rollfeld
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18:29 14.06.2012
Von Heiko Rehberg
Foto: Zum Beweis habe ich die Flugtafel heute Morgen um 6:42 Uhr in Danzig abfotografiert. Da steht, wie Ihr sehen könnt: „Kharkov Delayed 200 Minuten“.
Zum Beweis habe ich die Flugtafel heute Morgen um 6:42 Uhr in Danzig abfotografiert. Da steht, wie Ihr sehen könnt: „Kharkov Delayed 200 Minuten“. Quelle: Rehberg
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Sopot

Als Bastian Schweinsteiger in der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft davon berichtete, dass das Flugzeug mit Jogi und den Spielern an Bord nach dem 2:1-Sieg gegen die Niederlande 30 Mintuen auf dem Rollfeld des Charkower Flughafens gestanden habe, „weil die Fluglotsen in der Ukraine nicht so viel Englisch verstehen“, passierte Lustiges. Wir EM-Reporter, jedenfalls diejenigen, die es aus dem Bett geschafft hatten, antworteten mit einem langgezogenen, lauten „OOOOOOOOOOhhhhh“. Denn wir hatten nicht dreißig Minuten auf dem Rollfeld gestanden, sondern drei Stunden. Das hatte sich natürlich auch zu Schweinsteiger und Co. herumgesprochen, und deshalb mussten der Mittelfeldspieler und Nationalelfsprecher Harald Stenger herzlich lachen.

Nun kann ich ja viel erzählen, aber zum Beweis habe ich die Flugtafel heute Morgen um 6:42 Uhr in Danzig abfotografiert. Da steht, wie Ihr sehen könnt: „Kharkov Delayed 200 Minuten“.

Ich fliege seit 1998 der Nationalmannschaft hinterher oder vorweg, aber so einen Flug habe ich noch nie erlebt. 2:05 Uhr sollte das Flugzeug in Charkow abheben, um 5 Uhr war es soweit. Dazwischen lag eine Nacht im Flugzeug auf dem Rollfeld. Unser Flugkapitän hatte zwischenzeitlich keine Informationen vom Tower, wann und wie es weitergehen würde. Die Crew von der Fluglinie Germania gab sich unendlich viel Mühe, uns mit Getränken zu versorgen, die meisten wie ich dösten auf ihren engen Sitzen, immer mal wieder fielen die Augen zu, irgendwann schmerzten Knie und Waden so sehr, dass an Schlaf nicht zu denken war. Und weil sich Pech meistens verdoppelt in solchen Situationen, hatte es mich in meiner Dreierreihe 25 besonders hart erwischt: Bei einem meiner Sitznachbarn handelte sich um den Kollegen, den wir – liebevoll – den „weißen Riesen“ nennen. Ich muss, glaube ich, nicht weiter ins Detail gehen.

Um 8 Uhr war ich wieder in meinem Hotelzimmer, habe schnell alle Fenster verdunkelt und mich schlafen gelegt, um kurz nach zehn bin ich schon wieder aufgewacht – Wadenschmerzen. Und noch leichte Nachwirkungen unseres Journalistenkicks.

Jetzt nach dem bloggen geht es zügig ins Bett, obwohl ich noch das Spanien-Spiel schauen wollte. Zur Regeneration hätte ich gerne eine Eistonne, in die Schweinsteiger und die Kollegen nach jedem Spiel schlüpfen. Vielleicht reicht es aber auch, einfach vor die Tür in meinem Hotel in Sopot zu gehen: Hier sind es heute 13 Grad, und es regnet. Nach Charkow mit 35 Grad ist das eine echte Erfrischung. Bis morgen!

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