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Fußball-EM 2012 Vorsicht Stolperfalle!
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19:24 15.06.2012
Von Heiko Rehberg
Foto: Bundestrainer Joachim Löw macht sich vor der Partie gegen Dänemark seine Gedanken.
Bundestrainer Joachim Löw macht sich vor der Partie gegen Dänemark seine Gedanken. Quelle: dpa
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Danzig

Bastian Schweinsteiger hat das Motto für das letzte Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft am Sonntag gegen Dänemark vorgegeben. „Wir müssen dranbleiben“, sagte er nach den Erfolgen gegen Portugal (1:0) und den Niederlanden (2:1). Zwei Schritte hat die Mannschaft gemacht, die Tür ins Viertelfinale, sagt Bundestrainer Joachim Löw, „ist aufgestoßen“. Die Deutschen müssen also nur noch eintreten, dazu ist in Lwiw nicht mal ein großer Schritt erforderlich, weil bereits ein Unentschieden genügt. Die Gruppenkonstellation ist allerdings derart kompliziert, dass es trotz der zwei Siege noch eine Stolperfalle gibt und Dänen und Portugiesen den Deutschen die Tür vor der Nase zuschlagen können. Wie sich das verhindern lässt und was sonst noch wichtig ist vor dem Duell mit dem Europameister von 1992, verraten wir in einem kleinen Frage-und-Antwort-Spiel.

Was passiert, wenn die deutsche Mannschaft gegen Dänemark eine Niederlage kassiert?

Am besten ist, einfach nicht zu verlieren, dann kann der Taschenrechner am Sonntagabend aus bleiben, und Sie können bei der nächsten Frage weiterlesen. Bei einem Sieg und auch bei einem Unentschieden gegen Dänemark ist Deutschland nämlich garantiert im Viertelfinale und in beiden Fällen Gruppensieger. Kompliziert wird es erst, wenn es im letzten Gruppenspiel eine Niederlage geben sollte. Gewinnt Portugal nicht gegen die Niederlande, hätte das keine dramatischen Folgen, Deutschland käme trotzdem weiter, wäre aber nur Gruppenzweiter. Wenn aber Portugal sein letztes Spiel gewinnt, dann dürfen die Deutschen nicht mit 0:1, 1:2 oder einem Resultat mit zwei oder mehr Treffern Unterschied verlieren, sonst sind sie nach dem komplizierten EM-Modus raus.

Warum ist der Gruppensieg so wichtig?

Dafür gibt es zwei Gründe. Als Erster könnte die Mannschaft lange Nächte auf ukrainischen Flughafen-Rollfeldern vermeiden und hätte deutlich weniger Reisestrapazen. Das Viertelfinale wäre eine Art „Heimspiel“ im zehn Kilometer vom Mannschaftsquartier entfernten Danziger Stadion, auch das Halbfinale würde im Erfolgsfall in Polen (Warschau) stattfinden. Als Gruppenzweiter wären die Stationen Warschau und Donezk, dem vom deutschen Hotel am weitesten entfernten Spielort. Als Zweiter droht zudem ein Viertelfinalduell mit Russland, und dem möchten die Deutschen gerne aus dem Weg gehen.

Wird sich im deutschen Team schon mit dem möglichen Viertelfinalgegner beschäftigt?

Offiziell und öffentlich nicht. Aber dass Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstagabend die Spanier beobachtet hat, zeigt, dass bereits weit vorausgedacht wird. Im Viertelfinale würde ein Gegner aus der Gruppe A mit Russland, Tschechien, Polen und Griechenland warten. Dort ist fast alles noch möglich, allgemein wird aber erwartet, dass die Russen Platz 1 belegen. Dann ginge es zwischen Polen und Tschechien um Platz 2, der EM-Gastgeber braucht dafür einen Sieg. Vor allem Lukas Podolski drückt seinem Geburtsland die Daumen. „Polen liegt mir am Herzen, ich wünsche mir, dass sie das Viertelfinale erreichen“, sagte er, „dann ist leider Endstation.“ Podolski musste nicht verraten, gegen wen. Vor einem Duell mit den Polen haben die deutschen Spieler Respekt, halten die Aufgabe aber für lösbar. Auch wenn das keiner laut sagt: Tschechien dürfte den meisten trotzdem lieber sein. Gut ist: Die Gruppe B spielt heute; wenn morgen Anpfiff in Lwiw ist, wissen die Deutschen genau, wer und was in welchem Fall am kommenden Donnerstag oder Freitag auf sie zukommt.

Was plant der Bundestrainer rechts in der Abwehrkette für den gesperrten Jérôme Boateng?

Um größtmöglich zu verwirren, hat Löw sogar einen Wechsel von Philipp Lahm auf rechts oder eine Umstellung auf eine Dreierkette in Aussicht gestellt. Beide Varianten sind so wahrscheinlich wie eine schnelle Abfertigung auf dem Flughafen in Charkow. Weil der Bundestrainer den Leverkusener Lars Bender mehrfach gelobt hat, gilt er als Favorit für die Boateng-Rolle, gestern holte Benedikt Höwedes im Spekulationsrennen auf. Der Schalker hat wenig Erfahrung hinten rechts, Bender gar keine.

Was erwartet die Deutschen mit Dänemark für ein Gegner?

Trainer Morten Olsen lässt wie Löw ein 4-2-3-1-System spielen, mit dem wuchtigen Nicklas Bendtner als der einzigen Sturmspitze. Er ist ein Spielertyp wie Mario Gomez, nur mit weniger Torgefahr. Die Defensive der Dänen ist eher wackelig, trotz eines guten Innenverteidigers (Daniel Agger, FC Liverpool). Als künftiger Star gilt der 20-jährige Mittelfeldspieler Christian Eriksen (Ajax Amsterdam).

Wird es am Sonntag in Lwiw so heiß wie zuletzt in Charkow?

Fast so heiß. Zur Anstoßzeit sind in Lwiw noch 30 Grad vorhergesagt, allerdings nicht so ein Saunaklima wie in Charkow.

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