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Hannover-Marathon Warum die Kenianer der Welt davonrennen
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17:45 15.04.2014
Zweiter von rechts der Titelverteidiger und spätere Sieger Patrick Makau Musyoki.
Zweiter von rechts der Titelverteidiger und spätere Sieger Patrick Makau Musyoki. Quelle: dpa
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Einige der beliebtesten Erklärungen können die Wissenschaftler inzwischen ad acta legen, allen voran die Annahme, die Höhe des kenianischen Rift Valley sei mehr als alles andere für ihre Schnelligkeit verantwortlich. Wer in Eldoret, dem Ort in Westkenia, aus dem die meisten Weltklasseläufer kommen, auch nur eine Treppe erklimmt, ist danach außer Atem. Die Luft ist hier wegen der 2000 Höhenmeter derart dünn, dass die Läufer tiefer als anderswo einatmen müssen, um genug Sauerstoff aufzunehmen. Dieser Umstand, so glaubte man lange, würde es den Ausdauerathleten später unter normalen Umständen ermöglichen, besonders effizient zu laufen.

Doch die Höhe allein erklärt die Dominanz der Läufer nicht. Schließlich liegt auch Johannesburg über 1500 Meter hoch - und hat kaum Ausnahmeläufer produziert. Weit wichtiger ist nach Ansicht des schwedischen Physiologen Bengt Saltin, dass Kenianer beim Laufen weniger schnell ermüden. Dies liegt offenbar daran, dass die vom müden Muskel erzeugte Milchsäure sich in ihrem Blut nur sehr langsam bildet. Verantwortlich dafür ist nach Ansicht von Saltin vor allem die höhere Konzentration eines Enzyms in der Skelettmuskulatur, das die Milchsäure besonders gut verarbeitet und die Produktion von neuen Lactaten bremst. Eine genetische Ursache also, die bei vielen Erklärungsversuchen aus Sorge vor Rassismusvorwürfen lange ausgeblendet wurde. Der Vergleich des Michsäuregehalts im Blut lässt nach Ansicht der Schweden darauf schließen, dass Kenias Läufer rund zehn Prozent mehr Kilometer aus der gleichen Sauerstoffmenge holen als Europäer.

Bestätigt wird diese Theorie von dem renommierten Sportmediziner Tim Noakes aus Kapstadt. „Ostafrikaner haben Muskeln, die sich mit einer viel höheren Geschwindigkeit zusammenziehen können, ohne dabei zu ermüden“, ist Noakes überzeugt. Zusammen mit der Höhe, in der Kenias Läufer trainieren, gewähre ihnen dies einen doppelten Vorteil. Westafrikaner hätten eine Muskelstruktur, die viel schneller ermüdet, sie dafür aber zu den weltbesten Sprintern mache. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Westafrikaner und die Nachfahren der Sklaven in den USA dichtere Knochen, weniger Körperfett, dickere Oberschenkel und leichtere Waden haben. Die Kenianer sind anders gebaut, haben aber ähnlich dünne Waden, insgesamt rund 400 Gramm weniger Fleisch im Unterbein. Nach Berechnungen der schwedischen Wissenschaftler steigt für alle 50 Gramm im Wadenbereich der Sauerstoffverbrauch um etwa ein Prozent. Kenianer laufen also deshalb effizienter, weil sie zur Bewegung ihrer Gliedmaßen weniger Energie brauchen.

Kipchoge Keino, einer der ersten kenianischen Goldmedaillengewinner und ein Volksheld im Land, hat noch eine Erklärung für den phänomenalen Erfolg seiner Landsleute: „In Kenia trainieren wir nie allein. Wir laufen immer in Gruppen und feuern uns dabei gegenseitig an. So kann man sich viel von den Besten abschauen - und sie imitieren.“ Gleichzeitig sei die Konkurrenz groß, weil den besten Läufern viel Geld winke: „In Kenia nehmen unglaublich viele gute Läufer an den Marathons teil - was enorm beflügelt.“

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