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Olympia 2010 Felix Loch deklassiert die gesamte Rodel-Konkurrenz
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20:34 15.02.2010
David Möller (links) und Armin Zöggeler (rechts) mit Olympiasieger Felix Loch. Quelle: dpa
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Wolfgang Staudinger, der deutsche Trainer der kanadischen Rodler, griff in die Schublade mit den ganz großen Vergleichen. „Er ist der Michael Phelps des Rodelns“, sagte Staudinger über Olympiasieger Felix Loch, was natürlich unglaublich hinkt, weil der Rodler Loch keine acht Goldmedaillen bei Olympischen Spielen sammeln kann wie der amerikanische Schwimmer Phelps in Peking 2008, denn ein Rodler startet nur in einer Disziplin. In seinem Staunen suchte Staudinger einfach nach einem Vergleich, um Lochs Dominanz auf der Olympiabahn von Whistler zu beschreiben: viermal Bestzeit in vier Läufen, stärker kann ein Sportler seine Konkurrenz kaum deklassieren. Das erste Gold für die deutsche Mannschaft bei den Spielen in Vancouver, das erste Olympiagold seiner Karriere, noch dazu mit 20 Jahren der jüngste Rodel-Olympiasieger aller Zeiten, Schulterklopfer, wo immer er sich sehen lässt – momentan prasselt viel auf Loch ein, das er verarbeiten muss. Mancher sieht in ihm schon den neuen Georg Hackl, und dass die deutsche Rodel-Legende bei den Rennen im Hintergrund wie ein persönlicher Adjutant den Schlitten des 20-Jährigen an die Startrampe trug, muss denjenigen vorgekommen sein wie ein Zeichen.

Noch lange nach der Siegerehrung, bei der Feier im „Kufenstüberl“, ging der Gratulationsmarathon weiter. „Das ist nicht anstrengend, das ist einfach nur schön“, sagte Loch. Genau diese Gelassenheit ist sein Erfolgsgeheimnis. Olympiasieger, zwei WM-Titel – eigentlich hat Loch schon jetzt alles erreicht, wovon viele andere Sportler nur träumen können. Doch Lochs Erfolgshunger ist unersättlich. „Ich freue mich schon auf die nächsten Jahre. Es macht einfach nur Spaß. Ein Karriereende gibt es noch nicht.“

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Die deutschen Medaillen-Gewinner von Vancouver

Kaum etwas scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können. Auch die Turbulenzen nach dem tödlichen Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili auf der Olympiabahn wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier hatte er beim Start zum 1. Durchgang gut verarbeitet, als Loch die Konkurrenz mit einem Husarenritt schockte. Und wer gedacht hatte, der Berchtesgadener könnte nervös werden, je näher die Goldmedaille rückte, der kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Mit Bahnrekord absolvierte Loch seinen Finallauf. „Und dann hat
die 1 gestanden“, beschrieb er den Moment der Momente.

Sekunden später war nur noch Jubel. Auch bei David Möller: Vier Jahre nach seinem 5. Rang in Turin fuhr der Thüringer mit Silber endlich die ersehnte Medaille ein und vervollständigte den ersten Doppelerfolg der deutschen Rodel-Männer seit 1988. „Natürlich habe ich mit Gold geliebäugelt. Aber wenn man bei Olympia auf dem Podium steht, sollte man nicht über die Farbe der Medaille diskutieren“, sagte der 28-Jährige. Seinen Nachteil gegenüber seinem Teamkollegen Loch beschrieb Möller augenzwinkernd mit einer simplen Zahl: „Fünf Kilogramm zu wenig Gewicht!“ Olympia-Neuling Andi Langenhan rundete als Fünfter das starke Ergebnis der deutschen Mannschaft ab. „Ich habe zwei, drei Fehler gemacht. Aber ich bin zufrieden, das war ein schöner Wettkampf“, sagte er.

Armin Zöggeler, der italienische Routinier, fuhr knapp 1,3 Sekunden an seinem Olympiahattrick vorbei – eine kleine Ewigkeit. Trotzdem war der 36-jährige Südtiroler zufrieden. „Ich bin sehr, sehr glücklich über meine fünfte Olympiamedaille“, sagte Zöggeler und räumte ein, dass Loch in Vancouver in einer anderen Dimension fuhr. Für das Rennen des Deutschen gebe es nur einen Ausdruck, sagte der Italiener: „Riesen-Respekt!“

Michael Fox
Frank Kastner