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Olympia 2010 Gold-Glanz durch Riesch - Friesinger und Biathleten enttäuscht
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11:29 19.02.2010
Gold-Mariechen: Maria Riesch. Quelle: dpa
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Bei den Klängen der deutschen Nationalhymne genoss Maria Riesch mit der Goldmedaille um den Hals den größten Triumph ihrer Sportlerkarriere. Am liebsten hätte sie den Augenblick für die Ewigkeit eingefroren. „Das sind diese Momente im ganzen Leben, da möchte man alles aufsaugen, festhalten und abspeichern. Das Gefühl kann man nicht nachempfinden, man kann es nur erleben“, schwärmte die Skirennfahrerin nach dem Olympiasieg in der Super- Kombination von Whistler.

Zaghaft stimmte die 25-Jährige bei der Siegerehrung den Text der Hymne an, versuchte den einzig geruhsamen Moment des „Wahnsinnstages“ zu genießen - und war danach im Interview- und Feier-Marathon schon wieder auf der Jagd. „Dieser Erfolgsdurst oder der Wille, Medaillen zu gewinnen, wird nie gestillt. Sonst gebe es ja keine fünf- oder zehnmaligen Olympiasieger oder Weltmeister. Das ist immer wieder Ansporn“, sagte die Frau, die den erfolgreichsten Alpin-Olympioniken Kjetil Andre Aamodt als eines von mehreren Idolen sieht.

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Nach dem Rennen war also trotz aller Emotionen gleich wieder vor dem Rennen, und so war eine Sieger-Party mit gebremstem Schaum angesagt. Denn am Samstag geht es mit dem Super-G (19.00 Uhr/MEZ) weiter. Im Duell zwischen ihr und Ski-Freundin Lindsey Vonn, die bei der Riesch-Feier nicht dabei war, steht es nun 1:1.

„Sie hat mir gratuliert, wie es sich gehört. Ich habe ihr bei der Abfahrt auch gratuliert. Im Sport kann sich alles vom einen auf den anderen Tag drehen“, meinte Slalom-Weltmeisterin Riesch, die am späten Abend noch lange mit Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick plauderte. Seit sie den WM-Sieg vor zwölf Monaten feierte ist der Bekanntheitsgrad Rieschs um ein Vielfaches gestiegen. Jetzt wird es noch mehr werden. Am Abend nach ihrem Triumph gratulierte schon Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg der deutschen Vorzeige-Alpinen und posierte mit der deutschen Ski-Beauty für die Fotografen.

Riesch selbst hatte an ihrem großen Tag eigentlich zu gar nichts Zeit. Das Handy empfing ständig Kurznachrichten, nicht mal zu den Eltern nach Garmisch-Partenkirchen war mehr als ein kurzer Anruf drin, selbst mit der Schwester hatte sie nicht mehr als einen SMS- Kontakt. Wenigstens gab es vor dem „Rumreiche-Feier-Marathon“ ein Gläschen Sekt mit den Trainern, mit denen sie am Vorabend bestimmt nicht ganz so gerne angestoßen hätte. Denn nach dem achten Platz in der Abfahrt hatte ihr Damen-Cheftrainer Mathias Berthold einen ziemlichen Einlauf verpasst.

„Auf der einen Seite verletzt einen das ein bisschen, wenn der Trainer mit den Holzhammer hinterher draufhaut, wenn man schon ein bisschen am Boden ist. Auf der anderen Seite ist es Ansporn und Motivation. Heute konnten wir uns freuen...“, sagte der Voll-Profi Riesch, der im zweiten Olympia-Start zum ersten Gold raste. Beim dritten Start, bei dem Teamkollegin Viktoria Rebensburg ihre Olympia-Premiere gibt, ist wieder Vonn die Favoritin. Für die Freundschaft der beiden ist es sicher gut, dass beide schon eine Goldene haben.

Für Deutschland gab es erstmals seit 2002 wieder eine olympische Alpin-Medaille. Die letzten Goldfahrten lagen gar schon zwölf Jahre zurück. „Ich bin schon angesprochen worden: Jetzt bist du Olympiasiegerin wie Rosi Mittermaier, Katja Seizinger und die anderen“, sagte Riesch und hatte den Verbandschef erfreut. „Die Außenwirkung des Skiverbands steht und fällt mit den Alpinen“, meinte Verbands-Präsident Alfons Hörmann. Und wichtig war der Erfolg auch für die WM 2011 in Rieschs Heimat Garmisch-Partenkirchen, wenn die Bayerin bei ihrer Musterkarriere den nächsten Schritt gehen will.

Bis nach Garmisch ist es noch ein weiter Weg. Erst einmal wollen Riesch & Co. bei Olympia nachlegen. „Schauen wir, dass wir die drei Bewerbe möglichst für das ganze Team erfolgreich zu Ende bringen“, sagte Riesch mit Blick auf die medaillenträchtigen Disziplinen Riesenslalom und Slalom. Für sie selbst ist alles „nur“ noch Zubrot. „Es war das große Ziel, eine Olympia-Medaille zu holen. Dass es jetzt die goldene ist, ist die Krönung“, sagte sie. „Aber ich mache mir ganz bestimmt keinen Druck mehr, davon hatte ich die letzten Tagen genug.“

Der Druck fiel von Riesch ab, aber die sonst so nah am Wasser gebaute Athletin vergoss - zumindest öffentlich - am großen Tag keine Träne. Dagegen waren die olympischen Vorgänger mehr als normal berührt. „Rosi“ feierte mit „Wasi“ und außer Rosi Mittermaier und Markus Wasmeier war auch die bis zum Riesch-Coup letzte deutsche Gold-Dame, Hilde Gerg voller Freude. „Das war eine Wahnsinnsleistung. Maria hat das in Katja-Seizinger-Manier gelöst, die bei ihren ersten Bewerben bei den Olympischen Spielen 1994 und 1998 nicht erfolgreich gestartet ist und dann Olympiasiegerin wurde“, schwärmte sie.

Im Whistler Olympic Park feierten diesmal die Norweger Biathlon- Siege durch Tora Berger und Emil Hegle Svendsen. Kati Wilhelm verpasste als Vierte knapp die Bronzemedaille, Andrea Henkel wurde Sechste, Neuner musste nach drei Schießfehlern mit Rang zehn zufrieden sein. Im 20 Kilometer-Rennen der Männer war einmal mehr Michael Greis als Zehnter bester des deutschen Quartetts.

Gold im Eiskunstlauf gewann Evan Lysacek aus den USA vor Turin- Olympiasieger Jewgeni Pluschenko aus Russland. Der Eisschnelllauf- Sieg über 1000 Meter ging an Christine Nesbitt aus Kanada. Snowboard- Siegerin in der Halfpipe wurde die Australierin Torah Bright. Nach 34 Entscheidungen ist Deutschland in der Länderwertung mit viermal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze Zweiter hinter dem US-Team (6/5/7).

Mit einem furiosen Slalomlauf fuhr die nach der Abfahrt an zweiter Stelle liegende Riesch der Konkurrenz davon und holte die erste deutsche Alpin-Medaille bei Olympia seit Martina Ertl 2002. Die nach der Abfahrt führende Lindsey Vonn aus den USA vergab die Chance auf ihr zweites Gold durch einen Sturz im Slalom. Kanadas Eishockey-Team feierte mit viel Glück seinen zweiten Turniersieg. Gegen die Schweiz gab es erst nach Penaltyschießen einen 3:2-Erfolg.

Viele Stürze im Zweierbob-Training haben die Diskussion um die Sicherheit der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler neu belebt. Der Bob-Weltverband verpasste Athleten und Trainern einen Maulkorb. Sie dürfen sich nicht über die Sicherheit der Bahn äußern. In guter Verfassung präsentierten sich am zweiten Trainingstag die Deutschen Thomas Florschütz und André Lange. Zum Auftakt der Skeleton- Entscheidung hielten die deutschen Fahrerinnen gut mit: Kerstin Szymkowiak lag nach zwei Läufen als Zweite auf Medaillenkurs, Anja Huber war Vierte. Bei den Männern war Frank Rommel vorerst Sechster.

Für Claudia Pechstein ist die Hoffnung auf einen Olympia-Start endgültig dahin. Die Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofes wies den Antrag der wegen erhöhter Blutwerte gesperrten Eisschnellläuferin ab. Die Berlinerin wollte ihre Teilnahme im Teamwettbewerb erzwingen.

Die deutschen Curler kassierten mit dem 4:7 gegen Norwegen bereits die dritte Niederlage nacheinander. Die Damen standen gegen Kanada dicht vor einer Sensation. Nach Extra-End verloren Andrea Schöpp und Co. gegen den Top-Favoriten mit 5:6. Wegens eines starken Schnupfens ist der Auftritt von Langläufer Axel Teichmann in der Doppelverfolgung am Sonntag gefährdet. Für Eisschnellläufer Robert Lehmann ist Olympia wegen einer Bronchitis sogar vorzeitig beendet.

dpa

18.02.2010
18.02.2010